Ab wann ist man „prominent“?
geschrieben am 19.Oktober 2010
Gestern Abend entstand auf Twitter eine spannende Diskussion, die nicht so richtig zu beantworten ist. Ausgelöst dadurch, dass ich darüber schrieb, dass ein Beitrag von mir 1:1 kopiert worden ist. Ich stellte die Behauptung auf, nachdem hier im Blog Fakekommentare mit Beleidigungen auftauchten und nun eine Kopie entsteht, bald „oben“ angekommen zu sein.

Nichts ahnend folgte auch die Reaktion auf dem Fuße. Die Wahrnehmung meinerseits und die meines Umfeldes ist scheinbar völlig unterschiedlich. Es entwickelte sich also ein Austausch darüber, „ab wann“ man eigentlich „Webpromi“ ist. Ich möchte die Debatte an dieser Stelle fortsetzen, weil es mich einfach interessiert, wie ihr „da draßen“ für Einschätzungen habt.
Was macht einen Webpromi eigentlich zum Webpromi? Ab wann ist man das? Mal unabhängig davon, ob es positive oder negative Assoziationen damit hat. @stelten gab zum Beispiel vor: „Sobald man auf Wikipedia auftaucht“. @mbiebusch hingegen ist der Meinung, man muss erst von Sascha Lobo gedisst werden ![]()
Jeder hat so in seinem Dunstkreis einige Menschen von denen er für sich sagt, dass Sie Webprominente sind. Diese Einschätzung oder Klassifizierung lässt sich ja aus sehr subjektiven Eindrücken rekonstruieren. Ich merke dies in den vielen Telefonaten öfters, wo mein Gesprächspartner Person X oder Y nicht kennt.
Die Definition ist sicherlich nicht einfach und lässt sich auch nicht pauschalisieren. Daher gewährt mir einen Blick in eure Gedanken. Seth Godin schrieb in seinem Blog erst kürzlich einen interessanten Beitrag. Für mich gehören die „üblichen“ Verdächtigen eher zu diesem Personenkreis. Ich kann mich noch daran erinnern, dass irgendwer (ich glaube Klaus Eck) schrieb, dass man z.B. ab 2000 Followern bei Twitter bereits publiziert. Ein Indiz – aber sicher kein Kriterium.
Wie seht ihr das? Woran macht ihr das fest? Gibt es so was wie „lokal Prominenz“ im Web?



Andreas schrieb:
19. Oktober 2010 07:43So ganz kann ich das Theater nicht nachvollziehen, liegt aber vielleicht auch daran, das ich es nicht wirklich verfolgt habe. Aber keine Bange, Du bist genauso belanglos wie jeder andere auch. So lange keine kleine Spangentragenden Teenies ihre Schlüpfer nach dir werfen und Du nicht bei RTL auftauchst, ist alles in Lot. Bei allem anderen hilft das Verteilen von Abmahnungen und anderen virtuellen Arschtritten.
Webpromis gibt es nicht, es gibt nur Selbstdarsteller.
CiT (@KaiThrun) schrieb:
19. Oktober 2010 07:47Es geht ja nicht darum, ob ich “einer” bin – bin ich auch nicht, stimme ich dir völlig zu. Es wäre auch vermessen, dass von sich zu behaupten. Aber ich fand es schon auch in den Gesprächen im ICQ und Skype recht interessant, wie unterschiedlich die Meinungen teilweise waren. Es ist ja nun eine Sache der der persönlichen Wahrnehmung in den meisten Fällen.
Der letzte Satz ist übrigens eine interessante Aussage.
AngieDor schrieb:
19. Oktober 2010 07:44Na du machst ja Fässer auf mein Lieber ;o} Ok, i´ll try {o;
Die Fragen müssen doch lauten: Wie definiere ich für mich oder mein Unternehmen Prominenz? Wen muss ich automatischen erreichen, um zu wissen, jetzt bin ich prominent? Ach ja und ich persönlich frage dann ja noch: Will ich “nur” im Netz “prominent” sein? Auf alle Fragen habe ich meine Antworten gefunden und hoppla, ich für meinen Teil komme meiner Vorstellung von “Prominenz” recht nahe… Also ich diskutieren mit den Menschen auf Augenhöhe die ich als meine Indikatoren für “Prominenz” sehe. Treffe auch im realen Leben mit sogenannten Prominenten auf Augenhöhe zusammen (sei´s Politik oder auch die bunte Unterhaltungsmedien Welt) und das beste, viele von denen kommen von sich aus auf mich zu. Ich empfinde das schon als ziemlich deutliches Zeichen für “relative” Prominenz, wenn Leute bei denen ich so denke “Das ist doch…?!?”, auf mich zu kommen und mich fragen “Bist du nicht die AngieDor?” öhi das schmeichelt ;o} Fordert mich aber auch heraus, diese Vorschusslorbeeren auch tatsächlich zu verdienen.
…und ihr so?
toellby schrieb:
19. Oktober 2010 07:53Naja, dieser Beitrag schliesst ja schon fast ein wenig an die Diskussion/Session auf dem SCA10 an, in dem bei der Frage zu Personal Brands ja auch gefragt wurde, wer ist Prominent bzw. wen würde man als “persönliche Marke” empfinden bzw. bezeichnen.
Und da kommt es schon stark drauf an, wen ich denn überhaupt danach frage. Sind es digital Natives, werden wohl die üblichen Verdächtigen genannt, ist es die InStyle lesende Schülerin, wird keiner dieser Namen erneut genannt werden.
Aber Du fragst danach, ab wann man ein WebPromi ist?

Die Frage ist verdammt schwer, ich kann sie nämlich nicht beantworten. Zumal ich meine eigene Meinung zu der “Bloggeria” und “Twitteria” habe, und ich vermutlich niemanden davon als wirklich prominent bezeichnen würde… ausser aus Spass.
CiT (@KaiThrun) schrieb:
19. Oktober 2010 08:02Ja das stimmt, vielleicht kann Marius auch noch einen Senf hier abgeben. Würde wirklich gut passen.
Sicher ist die Frage nicht pauschal oder mit Totschlagargumenten zu beantworten, aber das macht es doch gerade so spannend. Nur weil es darauf keine konkrete Antwort gibt, hält es mich nicht davon ab, darüber mal zu reden. Ich mein, bringt ja auch nichts ständig in seinen eigenen Dunstkreis zu schwimmen.
toellby schrieb:
19. Oktober 2010 13:48Nein, das stimmt.
Vor allem, weil, wie Caschy eine Antwort unter mir schreibt, es unzählige Galaxien gibt und jede seine eigene Sonne hat.
Für mich und meinen beschränkten Bekanntheitsgrad sind zB Leute wie Du, Caschy, Admartinator etc “prominenter” (wobei das NICHT das richtige Wort dafür ist) als zB ein Robert Basic oder Sascha Lobo.
Obwohl die vermutlich für den Grossteil der deutschen Webszene viel eher als prominent eingestuft werden.
caschy schrieb:
19. Oktober 2010 09:45Keine Ahnung wie man klassifizieren will. Es gibt so unzählig viele Web-Galaxien da draußen. Und in jeder bewegen sich Promis. Diese aber eben nur in ihrer Galaxie.
CiT (@KaiThrun) schrieb:
19. Oktober 2010 10:28also sowas wie “lokale Prominenz”?
ForkingRobert schrieb:
20. Oktober 2010 06:55Jop, hab da eine ähnliche Meinung wie der Caschy und denke man kann das ein wenig wie eine lokale Promimenz sehen.
Als Beispiel Person X ist für viele eigentlich eine Art Prominenz, weit bekannt im Netz, hat eine gewisse Art an Einfluss auf seine Schiene, seinen Bereich, sagt mir persönlich aber rein gar nichts weil ich mich nicht in dem Bereich aufhalte – so jemand ist kein Webpromi für mich. Vielleicht ein D-Webpromi
Dann nehmen wir mal dich, du bist auch in weiteren Kreisen einigermaßen bekannt und wirst evtl auch als Webpromi angesehen, aber halt auch nur in deiner Schiene, einer der über Modellflugzeuge bloggt wird dich wohl eher nicht kennen und dich damit wohl dann auch nicht als Webpromi ansehen.
Die “Hardcore” Beispiele jetzt vielleicht einmal ausgenommen. Die wo vielleicht mal bei Anne Will, im ZDF oder sonst wo bekannteres zu sehen sind sind wohl sowieso ein Art Webpromis oder dann eben Blogger die regelmäßig ihre 200-300 Comments haben…
Enrico schrieb:
19. Oktober 2010 10:41Ist doch eigentlich ganz einfach, oder? Check Deine Stats und wenn Du plötzlich 50% mehr Besucher hast die größtenteils über Suchbegriffe wie “kai” oder “derWebarchitekt” kamen dann haste zumindest einen Namen im Web. Ob man das dann als Prominenz bezeichnen möchte darf sich jeder selbst ausmalen.
Aber erst wenn das Interesse an dem “Namen” besteht würde ich von Prominent sprechen… Beiträge kopiert wurden von mir (und hunderten anderen Bloggern) auch schon massig, keine schöne Sache und eigentlich nur ein Armutszeugnis für den Kopierer.
Aber interessante Diskussion
CiT (@KaiThrun) schrieb:
19. Oktober 2010 10:48Es geht ja nicht um mich. Der Dialog entstand aus meinem Tweet und der Antwort (spassiger Unterton) “Du bist ja auch’n Promi” – was ja ohnehin quark ist
Zugriffe über derWebArchitekt habe ich nur, wenn ich wieder was böses bei Twitter losgelassen habe
Naja nu, muss ja auch mal besprochen werden
Enrico schrieb:
19. Oktober 2010 11:12Die Probe über die Stats kann auch jeder andere für sich selbst testen
Bei mir hält sich die Suche nach “Marketing Guide” zum Beispiel arg in Grenzen
Jan schrieb:
19. Oktober 2010 10:45Also ich halte meistens jemanden für “bekannt”, wenn sich meine bisherigen Webdunstkreise überschneiden. Ob die Person dann allerdings prominent ist, kann ich dir nicht beantworten.
Sven schrieb:
20. Oktober 2010 09:40Moin und Gruß aus Hamburg,
interessantes Fass, das hier aufgemacht wird. spannend fand ich die (meiner Meinung nach) elitäre Aussage, erst ab 2000 Followern würde man auf twitter publizieren. Interessante Einschätzung. Meine Gegenfrage an den ursprünglichen Autor wäre: Und was ist, wenn man unter 2000 Follower hat? Was tut man dann? Papier vollsch…en?
Sorry, aber ich finde solch eine Aussage zeugt nur von völliger Unkenntnis des benutzten Begriffs.
Jede Form einer Veröffentlichung ist ein publizistischer Akt. Jede! Egal, wie viele Menschen die VÖ lesen.
Ein Verlag, der ein Buch publiziert tut dies zwar mit der Hoffnung möglichst viele Käufer (aka Leser) zu finden, doch selbst bei Null Lesern ist es eine Publikation. Denn die Möglichkeit, dass es einer Öffentlichkeit zur Verfügung steht reicht per Definition/per Wortbedeutung schon.
Sorry, aber an der Stelle musste ich mich mal auslassen.
Interessant finde ich natürlich auch andere Fässer im Text, doch wurden diese in den Kommentaren schon ausführlich behandelt, weswegen ich mich nun wieder in meine kleine, gemütliche Ecke des “Social Web” zurückziehe und meine Arbeit mache.
Liebe Grüße,
Sven
CiT (@KaiThrun) schrieb:
20. Oktober 2010 09:46Moin Sven,
es ist doch völlig legitim. Eine Diskussion dient ja meist darum, einen möglichst breiten Konsens zu finden und daraus etwas zu extrahieren. Allerdings muss man sich meist auch einer vorn hinstellen und den Kasperle machen, was ich in dem Fall bin. Ich bin mir durchaus bewusst, dass einige Aussagen hart an der Provokationsgrenze sind und das ist auch so gewollt.
Ich hoffe Du lässt dich öfters aus, Kritik ist doch ok. Sie ist konstruktiv und daher für mich a) nachvollziehbar und b) auch zu verwerten.
Ich behaupte aber auch mal, dass es ein Thema ist, was eher selten “durchgekaut” wird. Was u.U. auch daran liegt, dass man keine eindeutige Aussage machen kann. Letztlich macht es das umso spannender.
Grüße nach Hamburg
Parkrocker schrieb:
22. Oktober 2010 00:45Ich fühl mich manchmal ein wenig “prominent”, wenn ich was von jemandem will, ihn bei Skype adde und derjenige mich dann quer durch alle Dienste addet, abonniert, whatever. Da frage ich mich, wieso und warum, wo ich selber den kram den ich sonst regelmäßig veröffentlicht habe, gar nicht als so sonderlich spannend einstufen würde. Aber die “Marke” Parkrocker scheint immerhin wiedererkannt zu werden…