Amen: Amen oder Hell no?
geschrieben am 18.September 2011
Amen. Ein neues Netzwerk, welches viel Aufmerksamkeit durch Aston Kutscher als Investor bekam. Das Startup in Berlin hat im Vorfeld durch viel Geheimniskrämerei für Wirbel gesorgt und zum Start viel Licht geerntet. Die derzeit aufkommende Kritik wird sicherlich darauf zurück zu führen seien, dass Erwartungen schlicht nicht erfüllt worden. Der erste Besuch bei Amen ist ja eher “Und jetzt?”

Meinungsmacher
Ich beleuchte das “Ding” aus der Hauptstadt mal aus mehreren Winkeln. Es ist klein gefasst und in einigen Belangen das Gegenteil von Google+. Zumindest wenn man Thesen über die aktive Userstruktur erstellen würde. Es ist eben kein “Produkt”, welches sich demnächst verkaufen lassen könnte. Zumindest nicht offensichtlich – daher scheiden viele Meinungsmacher erst einmal aus bzw. geben ein negatives Backup.
Es ist kein Netzwerk, welches aus Profil, Pinnwand, Album, Nachrichten schicken als Elementen besteht. Erinnert euch an was? Twitter? Wieso sollte man ins Internet schreiben, was man gerade tut? Sicherlich ist die Entwicklung des Netzes fortgeschritten, aber das heißt nicht, dass es auch mal über kleine Schritte gehen kann.
Für mich ist Amen ein äußerst spannendes Stück Internet. Es ist völlig unrelevant, ob ich es brauchbar oder unbrauchbar halte. Ich würde eher sagen, mein Nutzungsverhalten verläuft im wahrsten Sinne des Wortes: Nutzung verhalten. Ich sehe aber, dass unter den ersten 10.000 Accounts auch Leute sind, deren Nutzungsverhalten etwas höher ist – kurz vor dem aufkommenden Suchtfaktor. Ein Signal, dass das Netzwerk potential hat.
potentieller Lückenfüller
Es wird kein Überflieger wie Google+, was auch ungesund wäre. Google steckt über 500 Entwickler in sein Projekt und hat in Moment ein akutes Problem, den Laden ins Rollen zu bringen. Amen könnte daher, ausserhalb des Fokus der Öffentlichkeit organisch wachsen. Es wäre etwas zu weit gegriffen, aber als Michael Schuhmacher zurück in die Formel1 gegangen ist, hat auch niemand über Vettel geschrieben.
Der Suchtfaktor, denen einige Leute an den Tag legen, ist wichtig. Wichtig für das Netzwerk. Es bringt Bewegung hinein. Amen hat für mich aber auch noch einen Vorteil, warum ich mir vorstellen kann, dass es im Casual-Segment durchaus Halt finden kann. Es ist quick’n’dirty. Ich kann die App mal eben aufrufen, völlig unverbindlich, mir die Zeit vertreiben und mich unterhalten lassen. Somit kann ich Wartezeiten überbrücken, an der Bahn, in der Bahn, im Wartezimmer oder an der Supermarktkasse.
Mit der routinierten Nutzung schleicht sich neben den Gewohnheiten eine weitere Sache bei dem potentiellen Nuter ein: Meinungshoheit. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich ein Bedürfnis danach bei intensiverer Nutzung (schleichend) breit machen kann.
Es gibt also genug Anwendungsszenarien, die zumindest eine Zeitspanne über einen Input bescheren könnte. Aus Unternehmenssicht sieht das in Moment natürlich noch ganz anders aus. Amen hat noch kein klar erkennbares Verdienstmodell. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass dort Millionen investiert werden, nur um sich darüber auszutauschen, welche Marke nun denn die coolere ist oder wer der beste Sänger aller Zeiten ist.
Ein mögliches Businessmodell
Ein Businessmodell ist also auf den ersten Blick noch nicht erkennbar. Es wird aber sicherlich in der Schublade liegen. Ich gehe davon aus, einfach weil es naheliegend ist, dass die erhobenen Daten verkauft werden. Es könnte auch der Zugang zu einer API (Programmierschnittstelle) unter Lizenz erfolgen. Somit könnten sich Unternehmen und Agenturen gegen ein Entgelt Amen sich jederzeit bedienen.
Dies ist zwar nur reine Spekulation, aber spinnen wir den Gedanken einfach mal zu Ende. Es ist in der Evaluierung von Sachverhalten schon wichtig, möglichst viele Informationen in das Ergebnis einfließen zu lassen. Ich kann sicherlich feststellen, ob ein normales Brötchen beliebter ist als ein Baguettebrötchen. Ich könnte dann aber mir weitere Werte zum Thema hinzuführen zu lassen. Amen bietet mir hier über verschiedene Suchmechanismen die Nadel im Heuhaufen zu finden. Zum Beispiel den besten Brötchenbäcker in Alfeld. Es ist in der Tat so, dass es nicht jener ist, der die meisten Brötchen verkauft. Bei einem “brauchbaren” Datenbestand könnte Amen relevante Einblicke zu akuten Fragen liefern.
Ein Modell könnte also sein, dass später nach Suchkriterien bezahlt wird oder API-Abrufen. Als Agentur oder Marke können Nouncen skaliert werden, um Konsumentenbefindlichkeiten besser bedienen zu können. Das hört sich zwar schon etwas gruselig an, aber das wäre ein Szenario, welches durchaus realistisch ist.
Natürlich gehen solche Dinge nur, wenn eine Dateneingabe erfolgt. Dies ist nunmal ein Grundelement jedes Netzwerkes. Man stelle sich vor, Branchenprimus Facebook hätte nur über seine Milliarde Profile und niemand würde ein Statusupdate hinterlassen.
Ausblick
Es bleibt abzuwarten, wie sich das Netzwerk entwickelt, wenn der öffentliche Spotlight verschwunden ist. Sollte die Berliner es schaffen, dass Netzwerk organisch wachsen zu lassen und nicht zu überfrachten, kann es durchaus bestehen. Mit Spannung erwarte ich die nächsten Schritte oder Veränderungen.



Enrico (@marketing_guide) schrieb:
19. September 2011 23:21Ich muss zugeben dass ich mich noch nicht angemeldet habe. Die Mail liegt zwar im Postfach, aber ich habe für mich beschlossen nicht noch ein Netzwerk, wobei es ja wohl keins ist, als Baustelle zu eröffnen.
Darin sehe ich zwar jetzt nicht, wie manch anderer, den Untergang des Social Web oder des Abendlandes – aber es ist vermutlich ein Problem mit dem Amen besonders zu kämpfen haben wird. War es bis Google+ noch völlig selbstverständlich jeden Kram mitzumachen und wenigstens zu testen stehe ich derzeit vermutlich nichtmal allein da mit meiner pauschalen Verweigerungshaltung.
Der Nachteil könnte aber natürlich auch zum Vorteil werden, denn im Gegensatz zu Google+ & Co werden wir wohl weniger Abgesänge und Totsagungen zu Amen lesen…