Die Verlagerung aus den Blogs in die jeweiligen Social Networks ist seit Längerem ein Thema. Im Folgenden möchte ich euch zeigen, wie ihr mehr aus den Kommentaren im Blog holen könnt und wieso eure Kommentare im Blog landen sollten.

Biete Mehrwert

Das Wort Mehrwert ist sicherlich inflationär in den letzten Jahren benutzt worden. Alles muss Mehrwert (also ein Nutzen) bieten. Ein Kommentar, der zusätzliche Informationen liefert oder eine fundierte Gegenstimme sorgt immer für Aufmerksamkeit. Es honoriert nicht nur die Leistung des Autors, sondern bietet die Möglichkeit, sich selbst mit Fachwissen zu repräsentieren. Vergiss hierbei deine Erläuterung deiner Ansicht nicht! Und was ist schöner als ein Kommentar, wo jeder noch einen Nutzen herausziehen kann?

Die ersten 3-5 Kommentare sind wichtig

Die ersten Kommentare sind wichtig. Wenn der Leser mit dem Text fertig ist, wird er ggf. die Kommentare anlesen. Er wird schauen, ob er irgendwo einen Einstieg findet, oder holt sich die ein oder andere Meinung zur Reflexion. Er wird sich aber in den seltensten Fällen bis Kommentar 39 vorkämpfen um dort ein »sehe ich auch so«, loszuwerden.

Beware of TL;DR

Vorsicht bei der Länge. Genauso wie beim Bloggen gilt: Beware of TL;DR (too long, didn’t read). Es soll natürlich alles gesagt werden, was gesagt werden muss. Wenn ihr aber merkt, dass der Kommentar länger wird, versucht euch auf das Wesentliche zu reduzieren (Füllwörter streichen!). Wer es schafft, Dinge auf den Punkt zu servieren, erhöht auch die Wirkung des Kommentars.

Backlink abstauben

Es klingt banal und es ist vielleicht auch nicht der hochwertigste Link, aber es ist ein Link. Und den staubt man ab, denn bis auf die URL ggf. ins Formularfeld einzutragen, muss ich dafür nicht mehr tun. Selbst wenn es ein NoFollow-Link ist, der aus SEO-Sicht vielleicht weniger attraktiv ist, ist es für den Mitleser die Möglichkeit darauf zu klicken (mehr dazu in Punkt 9).

Nutze die Neugier

Neugier ist ein schöner Reiz. Meist wird dieser Reiz dadurch aktiviert, indem wir Verborgenes entdecken wollen. Ihr kennt den Autoren vielleicht nicht, hinterlasst ihm aber einen Kommentar, wie in Punkt 1 beschrieben. Mindestens der Autor wird wissen wollen, wer da geschrieben hat, worüber Ihr noch so schreibt und ob es ggf. eine Themenüberschneidung gibt. Der Auslöser kann pure Neugier, eure Art zu schreiben, die Wortwahl oder der Inhalt sein. Die Stammleser des Blogs werden höchstwahrscheinlich auch einen Blick riskieren. Sie wollen auch wissen, wer ihr trautes Umfeld »stört«. Stören hat einen vermutlich ähnlichen Aufmerksamkeitspegel wie überraschen, da beides die Routine (im Hirn) unterbricht.

Kommentare in Social Networks sind isoliert

Angenommen ihr ergänzt den Artikel oder startet eine Diskussion in einem Social Netzwork, dann wird sich die Diskussion auch nur dort abspielen. Der Schauplatz verringert sich dadurch um ein Vielfaches. Denn es ist nicht davon auszugehen, dass der Großteil der Leser auch alle Netzwerke abonniert haben. Sofern sie dort überhaupt einen Account besitzen.

Im Klartext heißt es, dass ihr euren Gedanken innerhalb des Netzwerks isoliert. Es entstehen sicherlich auf Google+ ab und an größere Diskussionen. Wer dem Blog aber vielleicht nur auf Facebook / dem Autor auf Twitter folgt, weil er eben keine hohe Redundanz möchte, dem wird dieser zusätzliche Input entgehen. Ein reiner RSS-Abonnent geht in der Gänze leer aus (Ich unterstelle dem RSS-Leser mal, dass er in die Kommentare guckt bei Interesse). Ich zum Beispiel führe keine lange Diskussionen auf Facebook, weil ich die Usability durch das auf und zuklappen störend empfinde. Jeder hat seine persönlichen Vorlieben, auch bei einem Diskussionsplatz. Letztlich wird euer Kommentar unter dem Artikel auch immer stehen bleiben (siehe letzte Punkt).

Solidarität fördern

Der Kommentar in einem Blog fördert auch die Solidarität. Vielleicht nicht bei den heavy Usern, aber wenn ich öfters in einem Blog kommentiere, bekomme ich diesen irgendwann zurück. Euer Gegenüber fühlt sich verpflichtet, auch mal einen Kommentar abzugeben. Probiert es einfach aus und stellt die Uhr danach, wann der erste Kommentar zurückkommt. Man könnte auch sagen: Wie Du mir, so ich dir.

Das Netzwerk bekräftigen

Die Abgabe eines Kommentars zeigt auch, dass ihr den Artikel gelesen habt. Es zeigt dem Autor, dass ihr da seid, dass ihr vielleicht ständig lest. Es zeigt aber auch, dass ihr euch mit dem Text aktiv auseinandergesetzt habt. Es füttert eben die Solidarität. Es zeigt aber auch Präsenz und wer diese nicht hat, der wird schnell vergessen. Das Netz ist groß genug, die Leute gehen einfach weiter.

Inspiration holen

In den Kommentaren finden sich Anregungen für eigene Artikel. Eine Verständnisfrage, eine Meinung oder ein Gedankenanstoß. Wenn ihr merkt, euer Kommentar wird umfangreicher, dann spricht doch nichts dagegen, einen eigenen Artikel daraus zu machen. Ihr referenziert klar auf den Ursprungsartikel und schafft ein Win-Win. Inhalt für euren Blog, ein wenig Seelenbalsam und Reputations-Streicheleinheiten für den anderen Blogger. Ralf Bohnert hat z.B. so in seinem Artikel "Soll ich? Unsicherheit beim Bloggen" gehandelt. Mich hat es gefreut.

Kommentare sind Kaltakquise

Wenn ihr die ersten 9 Punkte gelesen habt, werde ich diesen Punkt nicht weiter ausformulieren müssen. Ich versuche, 3 Kommentare pro Tag in fremden Blogs zu schreiben. Ein Kniff dabei ist, Kommentare zu nutzen. Ich lese einen Artikel und reiße die Kommentare an - ein interessanter dabei, dann schaue ich mir seinen Blog an. Irgendwas Interessantes dabei, das ich ggf. kommentieren könnte? Ja? Super - was dann passiert, wisst ihr ja jetzt.

Der Kommentar ist dort, wo er hingehört

Das Kommentieren unterhalb des Artikels führt dazu, dass der Kommentar dort steht, wo er hingehört: unter den Artikel. In den Social Networks (über Artikel) zu diskutieren, wird sicher weiter bestand haben. Euer Kommentar wird allerdings auch verschwinden. Der Unterschied liegt auf der Hand. Ein Artikel verschwindet auch (von der Startseite), es wird aber immer auf den Artikel referenziert. Ein Posting in einem Social Network als Referenz anzugeben, geschieht in der Regel nur, wenn keine andere Quelle verfügbar ist.

Zusammenfassung

Es gibt einige gute Gründe, wieso ihr die Kommentare vorzugsweise im Blog hinterlassen solltet. Es kann euch niemand dazu zwingen, aber ein Blog ist eine langfristige Investition. Es ist eine ähnliche Krux wie bei dem Verlinken. Eine ähnliche Diskussion, die im deutschsprachigen Raum immer und immer wieder aufkeimt. Fangt bei euch an zu handeln, durch das Wiederkauen der Theorie wird sich ein Zustand nicht verändern.