Anfang der Woche habe ich euch 11 Tipps an die Hand gegeben, wie man etwas mehr aus Kommentaren herausholen kann. Um das Thema abzurunden, beleuchte ich heute die Tonalität (positiv, negativ, neutral) beim Kommentieren. Der Faktor Zeit wird oft unterschätzt, denn wir sind routiniert darin, Kommentare zu schreiben.

Im Zuge meiner Session auf dem Barcamp Braunschweig habe ich eine »Kommentar-Ampel« entworfen. Schauen wir zu uns zuerst den schwierigsten Teil an: die Kritik.

Kritik / negativer Kommentar

negativer KommentarWenn etwas im Netz kritisiert wird, dabei ist es völlig unabhängig, ob dies ein Blog ist oder nicht, solltet ihr euch dafür Bedenkzeit einräumen. Kritische Beiträge haben den höchsten Zeitanspruch, denn sie tragen auch Gefahr, dass das Ding kehrt wendend zurückkommt. Ihr solltet den Kommentar daher nicht im Formular der Webseite schreiben. Stattdessen nehmt einen Texteditor, um nach Fertigstellung des Kommentars einige Minuten zu reflektieren. Zündest euch eine Zigarette an (Raucher) oder trinkt einen Kaffee (Nichtraucher), danach solltet ihr den Kommentar noch einmal lesen. Wenn ihr jetzt immer noch damit einverstanden seid, dann kopiert ihn ins Webformular.

Allein die kurze Karenzzeit von etwa 5 Minuten reicht meist aus, um euch gegebenenfalls vor einem dummen Kommentar zu bewahren. Fehler sind menschlich, aber sich hinterher in den Allerwertesten zu beißen macht halt auch keinen Spaß.
Überprüft vor dem Abschicken noch fix die Rechtschreibung. Ihr wisst selbst, dass gern Rechtschreibung und Grammatik kritisiert werden, wenn bei den Diskussionspartnern die Argumente ausgegangen sind.

Neutraler Kommentar

Neutrale Kommentare können einen unterschiedlichen Verlauf nehmen. Oftmals ist es die Zustimmung an den Autor. Besser ist es, den Artikel durch Zusatzinformationen anzureichern. Ihr solltet es vermeiden, dabei in Werbung zu verfallen. Sicherlich ist der Grad zwischen Hinweis und Werbung recht schmal, aber dieses Problem lässt sich lösen.

Beispiel 1: Ja, ich habe auch zu diesem Thema schon geschrieben. Hier, guckst du .

Beispiel 2: »Interessante Ansicht, die Du verfolgst. Ich teile deine Meinung und habe einen ähnlichen Artikel geschrieben, in dem ich XY stärker in den Fokus stelle. Falls Du mehr wissen möchtest, schau einfach hier .«

Beispiel 1 und Beispiel 2 sind zwar stark vereinfacht, aber es offensichtlich, welchen Unterschied es macht. Ein Spammen wird einem meist nur vorgeworfen, wenn man den eigenen Inhalt platziert. Inhalte von Dritten sind weniger kritisch.

Vermutlich werden die wenigsten Kommentare von euch Links enthalten. Wenn es dann aber mal vorkommt, versucht ihn anzubieten und nicht zu verkaufen.

Lob / positiver Kommentar

Die sorglosesten Kommentare sind Lob. Wenn ihr dem Autor Zustimmung spendet, braucht ihr euch die wenigsten Gedanken machen. Ihr könnt euer Lob dazu nutzen, den Autoren in seiner These zu bestätigen, ihn zu einer Fortsetzung zu animieren bzw. zusätzliche Ideen einzubringen. Dies fördert nicht nur euer eigenes Außenbild sondern führt letztlich dazu, was eine Gemeinschaft ausmacht. Es ist ein miteinander.

Ein kurzes »Danke für deinen Artikel, genau das habe ich gesucht« reicht auch aus. Ihr zeigt damit nicht nur eure Anwesenheit, sondern auch das dieser Artikel nützlich gewesen ist. Wie soll der Autor feststellen, dass es einen Bedarf an seinem Thema gibt, wenn niemand darauf reagiert? Sharing-Zahlen sind sicherlich ein Indikator, aber auch nicht der heilige Gral.

Was springt für mich dabei raus?

Eine wichtige Frage gerade bei Kritik ist: »Was springt für mich dabei raus?« Ist es mehr als nur meine persönliche Meinung zu platzieren? Hat mein Kommentar eine Aussage? Oder neige ich zum Trollen? Das 12. Mal »aaaaalllt«, »kenne ich schon«, »finde ich völligen Quatsch« in einem Monat ist dann auch irgendwann störend.

Es macht auch keinen besonders guten Eindruck, wenn man sich als Mitleser bei dem Kommentar fragen muss: »Was willst Du uns damit sagen?« Dieses Feld wird gern angeführt von der Gruppe »ich gehöre nicht zur Zielgruppe des Artikels deswegen ist der Inhalt schlecht«. Beispiele hierfür düften sich in jedem 2. Blog finden.

Abschließend

Mit etwas Vorsicht lassen sich grobe Schnitzer vermeiden, besonders aber sich gerade im Ragemode befindet. Obwohl natürlich wünschenswert ist eine Reaktion zu unterlassen, ist es manchmal besser zu schweigen.

Selbstverständlich werdet ihr auch in Zukunft routiniert Kommentare abgeben. Dies geschieht völlig automatisch und ohne darüber nachzudenken (und das ist auch gut so). Denn die meisten Kommentare gliedern sich im Bereich positiv-neutral ein.