FreundeVZ – der Relaunch eines Totgesagten
geschrieben am 30.September 2011
Als Anfang der Woche BasicThinking darüber berichtete, dass die VZ-Gruppe sich neu erfinden, hörte man kurz hin. Die Meisten winkten ab, ich wollte mir zumindest mein eigenes Bild machen. Geschäftsführer Riedl sagte zwar einige wohlklingenden Sätze in dem Interview, jedoch gibt es bereits banale Kleinigkeiten, die eben nicht funktionieren.

Nüchtern, klar - wenig Sexypeal
Nummer ziehen, anstellen
Die Geschichte beginnt vor dem eigentlichen Besuch von FreundeVZ. Die VZler hatten sich überlegt, die Leute nach und nach ins neue Heim zu lassen. Es sollte sichergestellt werden, dass auch alles funktioniert. Finde ich gut. Was ich allerdings überhaupt nicht tolerieren kann, weil es für mich schlicht Vernachlässigung gegenüber des Nutzer ist, ist mangelnde Benachrichtigung. Ich meldete mich also in der Warteschlange an. VZ dankte. Mein erster Gedanke war und den twitterte ich auch gleich: Wieso bekomme ich kein „Wir benachrichtigen dich per Mail, wenn Du dran bist.“ Ich habe nur per Zufall herausgefunden, dass ich mich bei FreundeVZ einloggen kann. Es ist nur eine Benachrichtigung, aber wenn diese Serviceleistung schon nicht funktioniert – erwarte ich auch nicht viel mehr.
1 Jahr Entwicklung
Im Bericht von BasicThinking kann man lesen, dass die Entwicklung ein Jahr verschlungen hat. Ich kann mir das gut vorstellen, die komplette Architektur umzustricken dauert, und ist viel Arbeit. Das Problem ist, dass gefühlte 98% der Nutzer keine Entwickler sind oder in ihrer Freizeit Code schieben, so dass man diese Zeitspanne und die entstandene Arbeit einschätzen könnte. Das Ergebnis ist im ersten Schritt nicht unbedingt überzeugend.
Neues gibt es noch nicht
Wer nach neuen Funktionen Ausschau hält, der muss auf den Rollout von Facebooks Timeline warten. FreundeVZ ist ein meinVZ mit Facebook Haptik. Nur kleiner. Im Design wird Platz teilweise verschwendet und an anderen Stellen gespart. So ist mir der Abstand zwischen den Kommentaren zu groß und die Kommentare sehen auch weniger “neu” aus. Das zweizeilige Kommentarfeld wirkt hingegen etwas klein als würde es an Platz mangeln. Es sollte sich rumgesprochen haben, dass ein kleines Kommentarfeld psychologisch eher kürzere Kommentare (weniger Daten) initiiert. Man muss an dieser Stelle sicher nicht übertreiben, aber das ist schlicht winzig.

FreundeVZ Kommentare: deutsche Forenkultur?
Aus den berühmt-berüchtigten Gruppen werden “Themen” – der vermutlich größte Umriss. Denn wenn ich einige Klassiker sehe, muss ich schon schmunzeln:
- Bei manchen Profilphotos drücke ich oben rechts auf Hilfe
- Schokolade ist auch Obst, weil Kakaobohnen am Baum wachsen.
- Tagsüber bin ich müde, weil ich nachts ein Superheld bin!
- Tausche 10m WLAN-Kabel gegen Volleyballschläger
- Wahre Freunde sitzen im Knast neben dir und sagen:”Geile Aktion”
- Weißte was der Hammer ist? Ein Holzgriff mit Eisenklotz am Ende!
- Wenn alle Stricke reißen, werde ich halt Pokemon Trainer
Um nur eine Auswahl zu nennen. Ich bin gespannt, was aus diesen Gruppen bzw. dann Themen wird. Man wird sich bei der Kategorieänderung ja etwas gedacht haben. Bis auf das Design hat sich an dieser Stelle aber erkennbar noch nichts geändert.

Auch in der Profilansicht herrscht noch Nüchternkeit
Erster Eindruck
Der erste Eindruck ist durchwachsen. Das liegt allerdings daran, dass ich Verständnis dafür aufbringe, was die Technologiestruktur an Arbeit macht. Das was ich in Moment bei FreundeVZ vorfinde, finde ich allerdings nicht wirklich sexy. Es spricht mich irgendwie nicht an. Es ist mir zu klein, so mickrig, so bürokratisch. Ich teile daher die Meinung von Jürgen Vielmeier (das es evtl. ein Einzelkämpferjob werden könnte), wenn er schreibt:
Ich finde den Ansatz der Neuprogrammierung und der Nutzerinteraktion gelungen und ich werde tun, was ich kann, um das Netzwerk mit aufzubauen. Nur kommt es mir zumindest im Moment noch so vor, als könnte ich der Einzige sein, der das tut.
Fazit

Der Chat darf nicht fehlen. Die Leiste am Ende des Screens ist allerdings recht hässlich
Vielleicht ist er das, denn viele lässt es kalt. Ich möchte nicht sagen, der Spieß hat sich umgedreht, aber es wird langsam Zeit, dass man in Berlin erntet, was man einst pflanzte. Dass man dort jahrelang nicht auf die Stimmen aus der Community gehört hat, macht man nun zum Aushängeschild. Das klingt nach “das wollen die Leute hören”-Sprech. Ich hoffe für die Berliner, dass sie diesen Sinnes- und Kulturwandel machen. Den Kredit, dass ich es glaube, haben sie allerdings nicht mehr.
Wenn sie den Neustart schaffen, wird man eine richtig starke Basis schaffen. Herr Riedl hatte im Interview schon einige sehr gute Ansätze verlauten lassen, wo man sich in einigen Nischen niederlassen wird. Offen gestanden überzeugen tut mich dies allerdings nicht. Ich bin aber gewillt noch einen 2. Blick in 6-8 Wochen zu tun. Ein Neustart kann nur mit 2 Dingen funktionieren: Ranklotzen und Euphorie. Letztes vermisse ich schmerzlich.



Frank schrieb:
30. September 2011 22:26Das wird schon, wenn die Leute erst massenweise Facebook verlassen und bei Google+ keine Klarnamen angeben wollen
Torsten Maue (@tmmd) schrieb:
1. Oktober 2011 10:05Ich hätte mir mehr Tiefgang gewünscht, du bist wohl noch nicht wach.
Kai Thrun (@KaiThrun) schrieb:
1. Oktober 2011 10:07Der Artikel ist von gestern Abend.
Es ist sind die alten Funktionen auf neuer Technologie und neuem Gewand. Da gibt es nicht viel Tiefgang…
Torsten Maue (@tmmd) schrieb:
1. Oktober 2011 10:10da liegt der Hund im Pfeffer, alter Wein in neuen Schläuchen.
Torsten Maue (@tmmd) schrieb:
1. Oktober 2011 10:49Werde das Thema noch aus meiner Sicht beleuchten. Man darf also gespannt sein, was da kommen wird. Habe Infos, die es dazu noch nicht gab.
Frank (@123koenig) schrieb:
1. Oktober 2011 11:47Alter Wein schmeckt aber auch in neuen Schläuchen gut.
Ich muss mich dort wohl neu anmelden, mein alter Account bei meinVZ geht nimmer, und dann schau ich selbst was das kann.
Und was heißt da, alte Funktionen? Xing hat alte Funktionen weg geworfen und die fehlen uns allen. Statt alles neu wäre besser gewesen, das gute Alte zu behalten und neues dazu zu machen.
Und falls freundeVZ das mit dem Datenschutz und den Userwünschen ernst nimmt, kann das durchaus eine deutsche Alternative werden.
Vorstadtprinzessin (@deluxe270285) schrieb:
5. Oktober 2011 17:25VZ ist generell durch…Facebook macht sich aber auch immer mehr Feinde. Google+ wird hauptsächlich nur von uns Geaks genutzt, kaum einer meiner realen Freunde ist dort angemeldet.
Ich bin gespannt wer das Rennen macht. Jedes Netzwerk hat so seine Vorteile & Nachteile.