Mit dem aufkommenden Viral eines US-Unternehmens ist mir abermals aufgefallen, dass es relativ wenige Abonnement-Möglichkeiten in Deutschland gibt oder man bemüht ist, diese nicht sonderlich in den Vordergrund zu schieben. Das Versandabo-Modell ist oder sollte gerade im »low interest«-Bereich wesentlich höheren Einzug haben.

Gilette-Prinzip

Low-interest Produkte sind, wie der Name schon sagt, von geringem Interesse beim Konsumenten. Das macht es eben auch so schwierig, dieses Produkt an den Kunden zu binden. Meistens versucht man hier, eine Lösung durch das Gillette-Prinzip zu schaffen. Das Gillette-Prinzipkennt ihr alle. Ihr kauft die »Haupteinheit« relativ günstig und bezahlt euch am Verbrauch doof und dämlich den Gewinn über die Verbrauchsmaterialien. Einen Tintenstrahldrucker für 49 Euro, ein Rasierer mit selbstschärfenden Klingen, Elektroschocks und Blinkern für 15 Euro oder eine Kaffee-Pad-Maschine für 70 Euro. Ihr kennt es.

Genau diesem Prinzip bedient sich auch Dollar Shave Club – das Video wurde in 2 Wochen 3,5 Mio Mal aufgerufen. Dafür das einer ausspricht, was viele denken: Die Rasierklingen einiger Hersteller sind Wucher. Interessant ist allerdings, so viel günstiger ist der Club auch nicht. Aber der Einstieg wäre es.

Low Interest Produkte

Es gibt viele Produkte, die uns täglich begegnen, denen wir relativ wenig Aufmerksamkeit schenken. Badezimmer-Artikel dürften hier vermutlich weit vorn liegen. »Oh ich brauche eine neue Zahnbürste« sagt niemand und verlässt darauf das Haus um sich Händeringend eine Zahnbürste zu kaufen.

Tatort Badezimmer

Ich spiele nun Fußball und brauche somit nicht nur zu Hause Duschgel. Ihr kennt das sicher Selbst: Die ersten 80% der Flasche halten 1,5 Wochen, die letzten 20% könnten bis zu 4 Wochen halten. Das Verhältnis ist vielleicht stark übertrieben. Es ändert nichts daran, dass Duschgel-Hersteller in einem Abomodell mehr absetzen könnten. Ich brauche mein Duschgel nicht mehr einteilen, denn ich bekäme ohnehin alle 8 Wochen 8 neue Flaschen oder 6 oder 40 für die ganze Familie.

Im Falle des Duschgels hätte der Hersteller auch einen weiteren Aspekt. Ich habe weniger Aufwand mit dem Etikett am Regal, denn meine Abonnenten bekommen mein Produkt ohnehin. Ich kann den Sendungen Proben zupacken und erfülle somit verschiedene Punkte einer erfolgreichen Kundenbeziehung. Dies geht natürlich auch für Deo, welches Mann ja auch seit Jahren das Gleiche verwendet. Ob nun Henkel, Unilever oder P&G – oftmals sind es übereinstimmende Konzerne – schaut mal auf die Rückseite.

Akzeptanz muss bestehen

Es gibt noch mehr als nur Anwendungsfälle für ein solches Modell.Interessanterweise sind die Sockenhersteller schon vor einigen Jahren auf die Idee gekommen. Socken gehören sicherlich auch zu Textilien, die bis zum Nimmerleinstag getragen werden. Die mangelnde Akzeptanz könnte mit der fehlenden Notwendigkeit zusammenhängen. Ein Loch im Socken hat eine andere Dringlichkeitsstufe als Körperhygiene.

weitere Felder

Man kann so ziemlich alles an Verbrauchsmaterialien im Abo anbieten. Sei es das tägliche Obst in den Agenturen, was im Abo kommt. Der Saft von @Safttante wurde eine Zeit lang im Abonnement angeboten (im Gespräch mit Kirstin Walther sagte sie, man arbeite an einer Alternative). Gerade im Geschäftskundenbereich sehe ich noch viele Felder, wo man Abonnements anbieten könnte.

Verwaltungsaufwand beachten

Einen Haken hat das Abo-Modell. Für kleine Unternehmen muss man beachten, wie hoch der Verwaltungsaufwand und die damit verbundenen Kosten sind. Abonnements werden umgestellt, Preise ändern sich, Bankverbindungen ändern sich und werden vergessen durchzugeben. Nicht zuletzt sicherlich ein Grund, wieso Kleinunternehmen davon wieder Abstand nehmen.

Abschließend

Abonnement sind sicherlich keine Allheil-Lösung, aber ein Ansatz über den in einigen Sektoren mehr darüber nachgedacht werden sollte. Dies betrifft nicht nur den Bereich der FMCG. http://de.wikipedia.org/wiki/Warenrotation Die Frage, ob genügend Grundbedarf vorhanden ist, um eine Notwendigkeit zu suggerieren, sollte vorher geklärt werden.

Apropos: Habt ihr außer Magazinen und Zeitungen irgendwas im Abo?