Vorab: Da die Headline scheinbar "unglücklich" gewählt ist - ich sehe nicht die Unternehmen als Käufer!

Es ist schon auf eine Gewisse Art unterhaltsam. So kommen pünktlich zum Sommerloch einige Ereignisse auf Facebook zu stande. Der Verwurf der Manipulation liegt nahe. Nachdem nun Vodafone, H&M (leider weg), McDonalds oder Galileo (Eintrag inzwischen gelöscht) mit einer Fäkalwindhose beehrt worden sind, habe ich mir die Kommentare von McDonalds und Galileo etwas genauer angesehen.

Dass die Likes bei den 4 Postings manipuliert worden sind, daran besteht für mich kein Zweifel. Mir fehlen allerdings die technischen Möglichkeiten, um dies zu belegen. Ich hätte gern noch die Likes ausgelesen. Die Beiträge haben allerdings auch so alle gewisse Gemeinsamkeiten:

  • willkürlich ausgesuchte (echte) Kritik puschen
  • Peak zu einer ungünstigen Zeit
  • alles deutschsprachig

facebook_likes

Es sind aber noch andere Beobachtungen zu machen. Der rasante Anstieg der Likes ist in den 9000 Kommentaren (Galileo) mehrfach zu erlesen. Ich habe davon etwa 1500 Kommentare überflogen, um einen Eindruck davon zu gewinnen. Nach den typischen und normalen Äußerungen folgt der Like-Zuwachs. Dieser scheint gekauft, manipuliert, was oder wie auch immer. Eventuell hat jemand auch einen äußerst dicken Robot gebaut, um die Likes zu generieren. Das Problem bei der Analyse ist, dass ich nicht alle 100000 Liker aus Facebook raussaugen kann (geht vielleicht, mir fehlt das Know-how). Interessieren würden mich hierbei die Ersten 10-30000. Es ist nicht relevant, aber es wäre vielleicht der Beweis gewesen. Vielleicht eine Prüfung die man im Hause Facebook anstreben könnte.

Liegt der Tipping Point bei 15.000 Likes?

Eine Kernfrage ist sicherlich: Wie viele Likes benötige ich, damit ein solches Posting sich organisch weiter verteilt? Die Streuung ins System selbst stellt dabei nicht das Problem dar. Die Kommentare spiegeln es ab einem gewissen Punkt wieder: Dabei sein ist alles. Leider konnte ich bisher nicht erkennen, wann oder wie viele Likes "dazu gebucht" werden. Der Rest rollt letztlich nur noch dann durch die blaue Vorhölle und jeder hat zu erwähnen, dass es ein Beitrag mit 5-stelliger Zustimmung gibt. Die Schaulustigen kommen von selbst. Andernfalls sind die Beiträge lang genug, um als Like in der eigenen Timeline aufzufallen.

Wenn man sich die Evolutionskurve als Beispiel zu Rate zieht, weiß man dass der Tipping Point bei 15-18,5% "Marktanteil" liegt, bis die Early Majority sich dem Thema widmet. Macht in den bisherigen Beispielen also 15-35.000 Fake-Likes.

Kommentarverteilung

Neben den o.g. Offensichtlichkeiten wie Sprache oder Like-Blase habe ich mir die Kommentare vorgenommen. Die Tonalität der Kommentare ist gewöhnlich, subjektiv und somit recht unbrauchbar für weitere Verwertungen.

fb_kommentar_analyse

Verteilung der Kommentare

galileo_diagramm
mcd_diagramm

Auffällig bei beiden Beiträgen ist, dass auf der Galileo als auch McDonalds-Fanpage, der Peak nach etwa 9 Stunden erreicht ist. Dort ist mit 1319 (McDonalds) und 2226 (Galileo) Kommentaren in der Stunde die absolute Primetime erreicht wird. Allerdings ist auf der Galileo-Wand eine Verzögerung von 12 Stunden zu erkennen. So wurde dort quasi zeitgleich die Fäkalwindhose initiiert und beide erreichen dann am Abend (20/21 Uhr) den jeweiligen Peak.

facebook_galileo

Der Galileo-Beitrag blieb 12 Stunden unberührt

Fazit

Die kleine Analyse zeigt, dass es einfach zu viele Parallelitäten gibt, dass es sich hier um wirkliche Kundenanstürme der Entrüstung handelt. Leider hat sich Facebook dazu bisher nicht geäußert, aber für gute Kommunikation ist der blaue Riese auch nicht bekannt.

Interessant könnten diese Szenarien für Dienstleister von Monitoring und Früherkennungs-Software sein, um mit den vorgefertigten Analysen dann Neugeschäftsbemühungen anzustreben.

Die vier Beispiele sind aus dem Nichts gekommen. Machen wir uns nichts vor: Wir kennen alle genug Leute, die sonst jeden Fliegenhaufen im Web bemerken - aber 4x 50000 Likes nicht? Spätestens, wenn man die chronologischen Abläufe unter die Lupe nimmt, sieht man deutlich: Hier wurde nachgeholfen.