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Die Entfremdung des Like-Button als Rechtfertigung reicht nicht aus

Kai Thrun Facebook 13 Kommentare

Das vorzeitige Lebensende eines Prominenten sorgt im Netz meistens für Gesprächsstoff. Die Gruppen teilen sich in verschiedene Bereiche auf, sodass jeder seinen Quark dazu abgeben kann. Den Anfang machen die Pseudo-Betroffenen, was dann die Gegenpartei auf den Plan ruft. Jene Gruppe wirft der Ersten vor, völlig überzogen zu reagieren.

Die STERN-Redaktion nimmt die Kritik zur Kenntnis

Das Dahinscheiden von Michael Jackson sorgte zwei Tage dafür, dass das Web mit Meldungen überschüttet wurde. Steve Jobs hatte einen ähnlichen Buzz hervorgerufen. Nun ist national eine Person verstorben und man versucht, den Like-Button zu entfremden.
Der STERN hat sich bereits gestern Abend dazu geäußert, dass man sich selbstkritische hinterfragen wolle – immerhin ginge es nicht darum, um Likes zu scheffeln. Ein ähnliches Szenario spielte sich bei der BILD ab.

Die Situation für eine solche Fanpage ist nun folgende: Es herrscht Zeitdruck, die Meldung ist eine Meldung und muss schnell raus. Es geht um Minuten, für den einen oder anderen um Sekunden. Der Schuh drückt. Man möchte aber keine „Gefällt mir“-Symbolik bei einem Todesfall. Der kürzeste Weg ist daher, man dreht den symbolischen Wert um. Frei nach dem Motto: Wenn du es auch bedauerst, dann ist es ok, wenn du hier like klickst.

In der Hektik betrachtet, ist es vermutlich der kürzeste Gedankenweg. Den Vorwurf der Like-Scheffelei muss man sich gefallen lassen. Ich finde den Vorwurf zwar etwas zu einfach aber verständlich. Hinterher ist man immer schlauer und man wird sicherlich daraus erkennen, dass die symbolische Wandlung nicht zwingend zum verfolgten Ziel führt.

Eine Frage möchte ich allerdings zum Thema noch stellen, wenn auch mir die Dringlichkeit und die Situation am gestrigen Tage bewusst sind: Wieso hat niemand in den Redaktionen geschrieben, dass man darum bittet, auf das Klicken des Buttons zu verzichten?

Rückblickend hätte man damit heute vermutlich „gute Presse“ ernten können. Dass man als Nachrichten-Redaktion nicht gänzlich auf tragische Meldungen verzichten kann – versteht sich von selbst. Vielleicht gilt aber auch hier (wie im offline auch): Weniger ist mehr.

Kommentare 13

    1. Beitrag
      Autor
      Kai Thrun

      Ob nun im Recht oder nicht – es ist ein Problem, was auf jeden CM zukommen kann. Da reicht ein „find ich blöd“ nicht – es müssen ja irgendwie auch Lösungen besprochen werden. (Aber natürlich besten Dank für die Zustimmung)

    1. Beitrag
      Autor
      Kai Thrun

      Ich hatte den Post von Torsten gestern gelesen, ich konnte mich nur nicht mehr erinnern, wo dies gewesen ist (daher habe ich es unter den Tisch fallen lassen). Danke Steve für die Ergänzung an Ort und Stelle!

  1. Siegfried

    Hmmm, ich möchte da mal generell den Nutzen des Like Buttons anzweifeln. Der Tod von Dirk Bach ist ja nicht die einzige schlechte Nachricht im Web. Nehmen wir mal an, Jemand berichtet über einen Umweltskandal. Und fügt einen Like-Button drunter. Was bedeutet der Klick auf diesen Button dann? Dass der Leser Umweltskandale mag?

    1. Beitrag
      Autor
      Kai Thrun

      Außerhalb des Netzwerkes habe ich aber noch die Möglichkeit den Button „abzuschalten“ / zu entfernen.

      Es wirft aber generell natürlich die Frage auf, wie löse ich dieses Problem, wenn man keine positive Zustimmung haben möchte.

  2. Martin

    Ich glaube, die meisten sind sich in der Bewertung der Causa Bach einig. Nichtsdestoweniger hätte man natürlich auch darüber nachdenken können, auf das Thema in sozialen Netzwerken komplett zu verzichten – oser es komplett anders aufzubereiten. Vielleicht entstehen ja auf Basis dieser Erfahrungen nun auch passende FB-Nachrufe auf Halde – wie das in sen Printredaktionen längst üblich ist.

    1. Beitrag
      Autor
      Kai Thrun

      Genau das ist der Knackpunkt, den ich versuche aufzubröseln. Scheinbar ist in den letzten Jahren noch kein „Standard“ entstanden, wie man mit dem Ableben umgehen kann – bzw. die auf eine möglichst elegante Art und Weise.

  3. Harald

    Nun ich sehe das einfach so. Das mit dem like hat mir nicht gefallen, war irgendwie unpassend. Allerdings ist das nur meine Meinung. Und niemand zwingt mich da, etwas zu liken. Also lasse ich es ganz einfach.

  4. Chris

    Sobald man aber sagt: „bitte drückt nicht like“ – wird es eine Diskussion geben, weil einige trotzdem like drücken.. das wollte man doch vermeiden?

    Kommentare wie „Die Nachrichten hätte ja einfach vermeiden können auf Facebook darüber zu berichten…“ sind auch übertrieben. Klar wird der Tod einer bekannten Person möglichst weit ausgenutzt und irgendwie leben die Nachrichten ja auch von solche Meldungen. Oder wen interessiert, das ein Mann von seinem Fahrrad stürzt und sich den Arm bricht?

    Eine Lösung für das Like Problem ist schwierig zu finden: Facebook wird dagegen aber wohl nichts machen.

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