Heute Morgen konnte man den Medien entnehmen, welch ein Debakel das ZDF gestern in Sachen Social Media abgeliefert habe. Da ich bei solch reißerischen Überschriften direkt mißtrauisch werde, habe ich mir selbst ein Bild gemacht und den Mitschnitt beim ZDF-Twitter Account erfragt. Eine Antwort hielt ich innerhalb 5 Minuten inkl. Link. Dies aber nur für das Protokoll.

Twitterlesung während der Euro2012

Twitter-Expertin Michaelsen

Fangen wir mal vor an. Twitter-Expertin Michaelsen @Michaelsen_J wird, sagen wir, scharf angegangen. Zum Einen weil sie (angeblich) erst seit April twittert, zum anderen, weil sie auf den Fakeaccount von Rob Vegas reingefallen ist. Das Thema hake ich schnell ab, denn im TV (dabei ist völlig egal welcher Sender) wird man immer zum Experten, wenn man mehr Wissen vorweisen kann zu einem Thema als der Moderator. Es ist die inflationäre Benutzung des Wortes. Und nur weil man 2009 registriert hat, dass Rob eine gute Show geliefert hat, macht es einen ebenfalls nicht zum Experten. Was ich Frau Michaelsen aber lassen muss – die sprachliche Balance unter völlig Ahnungslosen gehalten zu haben.

Oliver Kahn und die Technik

Was haben die “wirklichen” Experten eigentlich erwartet? Was soll @OliverKahn denn bitte in seinem ersten Tweet Monumentales von sich geben? In 140 Zeichen. 1 Tweet. Hallo, McFly jemand zu Hause? Ironischerweise liest man die Häme heute in Medien, die es nicht schaffen einen Twitter-Account zu verlinken oder Quellenangaben wie YouTube und Internet schaffen. Es wirkt fast wie ein befreiendes Aufatmen aus den Konferenzräumen: Puh, die haben zum Glück genauso wenig Ahnung wie wir. Man stelle sich mal vor, das Trio hätte dort eine makellose Darstellung geboten.

Medienbashing

Das eigentliche Problem hierbei ist nicht, dass die Expertin den Experten nicht gerecht wird. Ein solcher Fehler, wie auf einen 3 Jahre alten Fakeaccount reinzufallen, sollte nicht geschehen. Es zeigt aber eben auch, die Geschwindigkeit der Medien. Wie viele Häuser waren denn durch eine einfache Namensänderung auf den Namen von Herrn zu Guttenberg reingefallen? Nur so als Beispiel.

Twitter im Fokus

Ich möchte den Fauxpas nicht kleinreden. Es ist schade. Es ist aber auch eine Chance für uns. Den Experten, den Geeks, den Freaks, den ich bin einmal am Tag online-Leuten. Den Social Media-Suchties. Und ja, es ist teilweise krankhaft, wie intensiv wir uns mit Themen auseinandersetzen (zumindest kann ich da für mich sprechen). Twitter als Thema zur “Primetime” – endlich kommen damit auch Leute in Berührung, die nicht so viel damit zu tun haben. Sie erkennen vielleicht nicht, was man damit alles anstellen könnte – aber vielleicht haben andere Generationen demnächst einfach mehr Verständnis für uns Freaks. Und wenn Oliver Kahn demnächst wirklich twittern sollte, dann ist das für die Reichweite des Dienstes sicherlich gut.

Alte Grabenkämpfe

Anstatt die erforderliche Akzeptanz zu wittern, sehen viele darin ein Debakel. Ich finde es schade. Es ist diese deutsche Haltung, die ich nicht mag: Du machst das nicht richtig, lass es bleiben. Oder aus falscher Eitelkeit, weil vermeidliche Experten nicht gefragt worden sind (dies würde man öffentlich aber nie gestehen). Es ist ähnlich dem, wieso sich Blogger und Journalisten gegenüberstehen. Du bist doof – ne du bist doof. Diesmal sind es eben Social Media-Enthusiasten, die in die Kerbe der Medien klatschen. Die wiederum freuen sich. Bei mit dem Finger auf Dritte zeigen, kann man dann auf einmal Schulter an Schulter stehen – gleichzeitig bemerkt man aber nicht, dass man sich ins eigene Knie schießt.

Wer die Lücke am schnellsten schließt, gewinnt

Es ist so, wie Palle auf der rp12 sagte: Wer es begreift, die Lücke zwischen den Freaks und den Medien zu überbrücken – gewinnt. Die besten Ergebnisse bekommt man dabei übrigens, wenn man den Freak einfach Freak sein und einfach muckeln lässt. Vertrauen schenken und abwarten. Damit kann man gute Ergebnisse schießen.

Es ist völlig egal, von wo man kommt oder wohin man möchte. Wer die möglichen Synergien zwischen Hardcore-Onlinern und Neuland-Entdeckern nicht erkennt und sich nur auf die minimalste Schnittstelle eines Thema beschränkt, lässt sich einfach viel viel Potenzial entgehen.

Die meisten Stimmen zeigen in Moment, wo wir eigentlich stehen – ziemlich weit am Anfang. Die, die es können und denen, die es versuchen. Dabei sind oft Blogger doch die, die eine helfende Hand bieten – zum Beispiel in Form von Anleitungen, Videos oder Eklärbär-Artikeln.

Überlasst den Spott den Verlagshäusern, denn die wissen es in der Regel selbst nicht besser (der Seitenhieb fällt unter SCNR). Auf die Verlinkung der jeweiligen Artikel habe ich bewusst verzichtet.