Spreadly möchte nach dem Like belohnen
geschrieben am 14.September 2011
Spreadly hat eine neue Idee präsentiert. Im Unternehmensblog wird eine neue Art der Werbung vorgestellt: Werbung nach dem Like. Vorweg möchte ich erwähnen, dass ich es gut finde, wenn jemand Lösungen anbietet statt heiße Luft. Ich muss aber sagen, dass ich einige Bedenken zu dieser Lösung habe.
UPDATE: Nach einem Telefonat mit Marco Ripanti ändert sich der Sachverhalt etwas. Es gibt keinen Zwang für den Banner. Es ist eine Option. Dieser “Fehler” ist darauf zurück zu führen, dass die Bilderreihenfolge nicht korrekt ist. Da kein “Zwang” besteht, rückt der Mechanismus natürlich in ein ganz anderes Licht.
Die Idee, die Spreadly vorgestellt hat und im Herbst ausgerollt werden soll ist folgende: Ich habe den Like-Button in meinem Blog, Webseite etc pp eingebaut. Der Leser klickt auf Like, bekommt die Werbung eingeblendet, wenn er den Artikel teilen möchte. Nach dem Teilen bekommt er z.B. als Belohnung einen Gutschein eingeblendet. Eigentlich wäscht hier eine Hand die Andere. Ich hatte meine Bedenken bereits auf Twitter geäußert, wo mich der freundliche @ripanti gleich in einen Dialog verwickelte.

Ich werde mit dem Modell insgesamt nicht warm. Ich finde es zwar blöd, seine Bedenken zu äußern ohne mit einer Alternativlösung daher zu kommen, aber vielleicht stößt es ja bei Spreadly noch den ein oder anderen Prozess an. Wer weiß.
Gutschein-Schafe
Ein Problem, was nicht unbeachtet bleiben sollte: Gutscheinschafe. Jene welche eben von Schnäppchenwiese zu Schnäppchenwiese ziehen. Sollte eine Seite ein gutes Angebot haben (in Form eines Gutschein), wird sich das wie ein Lauffeuer herumsprechen. Ich gehe ja damit konform, dass dadurch die quantitative Reichweite des Artikels erhöht wird. Jedoch ist der Ansturm eben nur quantitativ – die Leute werden den Artikel nicht lesen, den Banner vielleicht noch wahrnehmen und den Gutschein abkassieren wollen.
Man könnte dieses Problem recht unschön umgehen. Wenn man sich einer benötigten Verweildauer bedient, könnte man dieses Verhalten zumindest eindämmen. Im Umkehrschluß hat dies aber auch weniger Einblendungen, was wiederum für Spreadly weniger Einnahmen und den Werbetreibenden weniger Auslieferungen bedeutet. Ein kleiner Teufelskreis, wenn man so möchte.
Penetration pur
Das größte Problem könnte das Hauptargument von Spreadly werden. Ziel ist es, die Bannerblindheit der User zu umgehen und in dem kurzen Moment der Aufmerksamkeit einen Banner reinzudrücken. Persönlich würde ich dieses Spiel etwa einmal mitmachen. Danach hätte sich das mit dem Teilen vorerst auch erledigt, da ich Werbung zwar akzeptiere, aber man nicht jeden Quadratpixel verkaufen muss. Schließlich möchte ich den Inhalt der Seite streuen, wieso muss ich dafür noch mit Werbung zahlen? Was mache ich eigentlich, wenn ich den Gutschein gar nicht will? Ich fühle mich verkauft. Und die böse Firma auf dem Banner unterstützt das auch noch.
Fazit
Ich finde es, wie eingangs erwähnt, gut wenn jemand mit Lösungen kommt. In diesem Fall sehe ich aber den Vorteil für alle Beteiligten nicht. Die Risiken auf unglückliche Leser/User sind hoch. Die Qualität einer gekauften Empfehlung muss man ebenfalls in Frage stellen. Insgesamt ist das Modell sicherlich ein interessanter Ansatz, ob es für mehr reicht, wird die Praxis zeigen. Ich sehe noch kein Szenario, welches mich spontan jubeln lassen würde, aber vielleicht habt ihr ja eine Idee?
Danke an Spreadly in Form von @ripanti für den netten Dialog und die Bereitstellung des Bildes.



Mitch (@critchable) schrieb:
14. September 2011 13:16Wirklich klasse Konzept… auf sowas hätte man schon früher kommen können