Usabilityproblem in der Listenansicht bei OTTO

geschrieben am 30.September 2010


In vielen Gesprächen in den letzten Wochen habe ich immer und immer wieder eine Beschreibung benutzt, wo man mich erst mal etwas befremdet anschaute. „Der Benutzer bricht ab, wenn die Webseite nicht so reagiert, wie er es erwartet. Das mir das selbst ausgerechnet bei OTTO passiert, hätte ich so auch nicht erwartet.

Ich bekam heute von OTTO den Newsletter. Aus Trackingsicht passte alles. Ich war in der richtigen Stimmung, die passende Uhrzeit, ich war nicht in Arbeit verwickelt. Bis zu 75% ist durchaus angemessen. Also schaute ich nach, was in der virtuellen Ramschecke zu holen gibt. Immerhin bekomme ich den Newsletter nicht allein oder OTTO selbst rät zur Eile. “Schnell zugreifen” heißt es auf dem Banner – schon klar, Marketing … call to action schaffen, künstliche Knappheit vorgaukeln – egal. So klickte ich mich in Richtung Pullover. Kann man immer gebrauchen, habe ich viel zu wenige.

Kategorienübersicht bei OTTOIch befand mich also in der Listenansicht der Produktkategorie und wollte mir die Artikelkarten (Einzelansichten) in neuen Tabs öffnen. So wie ich es eben immer mache, wenn ich in einem Shop stöbere. Ich lege mir die interessanten Artikel „auf Halde“. Das dort eine weiße Seite erscheint, hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Eigentlich konnte ich es gar nicht so recht fassen. Link auf die Produktkarte per JavaScript? Ich fühlte mich schon ein wenig verschaukelt, schließlich hat der Shop keine 3000€ gekostet und der „Webmaster“ ist auch nicht der, der die Post annimmt.

Quellcode Snippet von OTTO.deEtwas irritiert probierte ich mein Glück noch einmal, vielleicht war es ja auch ein typischer PEBKAC (=problem exists between keyboard and chair). Vergebens. Was mir allerdings dabei auffiel, wenn ich das erste Mal über das Bild gehe, bekomme ich einen „vollwertigen Link“ ausgeliefert. Ich dachte, dass kann nicht deren Ernst sein. Ein Blick unter die Motorhaube lüftete dann das Geheimnis. „onmouseover“. Jap, danke, ok, dann stöbere ich eben nicht. Irgendwer wird sicherlich dafür eine plausible Erklärung haben, warum dort ein onMouseOver-Event eingebaut worden ist. Ich als Besucher werde es jedoch nicht erfahren und 98% der Besucher wird es auch nicht interessieren. Ich will nur an dieser Stelle nicht von meiner subjektiven Irritation über eine interne Kompromissfindung wischen.

OTTO.de CSS SnippetNachdem ich dann auch noch sah, dass man mit inline-styles „arbeitet“, obwohl das Element per CSS angesprochen wird, machte sich etwas Unmut breit. Ich habe durchaus ein Problem damit, wenn ein Unternehmen für eine Dienstleistung eine gewisse Summe über den Tisch schiebt und ich dann mir Inline-Styles entgegen kommen. Es geht nicht um die Inline-Style explizit, sondern ganz simpel über schlampiges unsauberes arbeiten. Kann ich nicht wie jeder Wiesen- und Feldwebdesigner auch, in der Testumgebung rumbasteln und die Sachen dann sauber in die CSS legen? Ist das Selbstverständliche schon zu viel verlangt?

Wie dem auch sei, darüber kann ich mich ebenso sehr aufregen, wie das ich nicht stöbern konnte. Mache ich aber nichts, ist nicht mein Shop und nicht mein Kunde.

Und die Moral von der Geschicht’, massenhaft JavaScript bringt es auch nicht ;-)