Warum ich nie Social Media Experte werde
geschrieben am 24.November 2010
Es gibt Sachen, die gibt es nicht. So empörte man sich vor einigen Wochen auf HRInside darüber, dass Martin Poreda dort seine 6 Einstellungskriterien für einen Social-Media Experten niederließ. Das “Ding” wurde heftigst kritisiert und es folgte u.a. ein Interview mit meiner Beteiligung (weil ich gerade erreichbar war). Hey, kann vorkommen – gestern aber, gab es ein erneutes Aufrollen in der Gründerszene. Der Inhalt ist etwas verändert, im Kern aber identisch.
Ich sehe es ein, dass man dem verstaubten Denken und der lahmen Reaktionszeit der Personalbranche etwas an die Hand geben muss. Ich kann mich aber nicht damit anfreunden, dass Unsinn durch Wiederholung an Qualität gewinnt. Daher nehme ich die Chance wahr und teste mich mal selbst. Das Lesen eines der beiden Varianten setze ich jetzt mal voraus, ich habe die “akutelle” Version aus der Gründerszene genommen als Checkliste.
1. Facebook Marketing
Ich benutze Facebook für das Kaffeekränzchen und für eine digitale Identität. Letzteres ist zwar nett, aber das Kaffeekränzchen bildet eine emotionale Bindung an meine Leser, Fans und Interessierte. Ein klassischer Aspekt den es schon im Mittelalter gegeben hat. Smalltalk verstärkt die Bindung etc pp …
Die Frage, von welchen Seiten ich Fan bin, lässt sich so leicht nicht beantworten. Auch die Qualität meiner Facebookseite wird sich für einen Personalmenschen als schwierig erweisen. Wenn man mit einem meiner Freunde evtl befreundet ist, könnte man sich einige Bilder anschauen – wer möchte ![]()
Bei Twitter sieht das schon wieder anders aus. Wobei ich da wohl eine Mischung aus “Tweeter” (also Publisher) und “ReTweeter” bin. Das eine schließt das andere bei weitem nicht aus, denn wer nicht retweetet sollte seine Twitteraktivität überdenken. Meine Followerzahlen sind mit 1600 “akzeptabel”, wobei jede Zahl für mich akzeptabel ist. Die 50000+ von Sascha Lobo, da komme ich auch noch hin. Aufgrund meiner Tweets bin ich aber völlig quantitativ. Kurzum mein Twitteraccount ist totaler Bullshit. Dass darüber Kunden, interessante Menschen und ein haufen Informationen mich erreichen, ist nicht so wichtig, sowas kehre ich einfach unter den Teppich.
Herr Poreda schreibt abschließend zu diesem Punkt “Seine Aktivitäten dort lassen ähnliche Schlüsse zu, wie seine Referenzen und Arbeitszeugnisse.” – Ist eigentlich einem Personalmenschen mal aufgefallen, dass man seine Arbeitszeugnisse evtl. selbst schreibt? Oder darf man das so öffentlich gar nicht verlauten lassen?
(also ohne Betrug zu begehen, sondern eben noch im Dienste des alten Arbeitgebers…)
2. Know-How in Sachen Social-Media
Zum Einen wüsste ich nicht, was meinen Arbeitgeber meine Lesezeichen angehen – zum Anderen habe ich bis auf die Wired keines der Beispiele im RSS-Reader. Ich denke, wer im Web unterwegs ist, wird wissen wie er seine Datenströme ordnet. Ich muss nicht jeden Fliegenschiss zur Kenntnis nehmen. Ich habe Leute in meinem Umfeld, die die (für mich(!) wichtigen) Seiten aus beruflichen Gründen tracken. Kurz: wichtige Meldungen werden mich sowieso erreichen.
Yasni – nimmt man das nicht ohnehin in die Hand? Amazon Wunschliste – da muss ich fast schmunzeln. Momentan befindet sich 1 Artikel auf diesem Wunschzettel.
Roadmap für Social Media. Ich wiederhole mich gern: Social Media ist ein integraler Bestandteil eines Unternehmens und kein paralleles Projekt.
3. Social-Media-Awareness (BINGO!)

Der Ausdruck „käufliche Wanderhure“ ist sicherlich auch imageschädigend
Die Beispiele kenne ich. Ich attestiere mir jetzt mal ein Grundverständnis. Folgen für die Unternehmensreputation. Hm… hmm… steht in meiner Twitter-Bio – Reputationssäge. Eine Social-Media-Guideline hingegen, kann man – muss man aber nicht. Dies hängt von Größe des Unternehmens ab.
4) Social-Media-Openness (BINGO!)
Ein Mitarbeiter, egal welcher Sparte bringt mich nie weiter, wenn er das Potenzial einer Chance nicht erkennt. Diese Binsenweisheit hat nun nichts mit Social Media zu tun.
5) Privatsphäre und Monitoring
Hier sammel ich Pluspunkte! Privatsphäre-Einstellungen auf Facebook habe ich schon mal gesehen. Darüber hinaus weiß ich, wie man Gewinnspiele nicht durchführt. Wenn ein Personaler wissen möchte, wie man einen Hashtag liest, würde ich Ihn bitten meinen Beitrag “Begriffserklärungen für Twitter und wie man Hashtags einsetzen kann” zu lesen.
Für das Monitoring Alerts, CoTweet und Technorati. Hm. CoTweet nutze ich nicht. Technoratie auch wenig. Ich finde aber socialmention, Twittersuche, twittercrawl, boardreader, Google (inkl. Einstellungen Blogs, Statusmeldungen etc), youropenbook aber auch ganz nett – nicht zu vergessen TwentyFeet. Zu statistischen Zwecken würde ich vielleicht eher zu hootsuite pro greifen.
6) Dialog-Bereitschaft
Wenn ich am Wochenende von Zeit zu Zeit zu meinem Smartphone greife um für das Unternehmen irgendwas zu checken, stellt sich mir die Frage – was bekomme ich als Gegenleistung? Die meisten Unternehmen sehen es nämlich als Selbstverständlichkeit, wenn auch eben nicht die 24/7-Bereitschaft. Wenn auch bei “Zeit zu Zeit” arbeite ich. Die Unterbrechung des Wochenendes eines Kanals schadet ihm i.d.R. übrigens nicht, da die Netzaktivität allgemein am Wochenende nach unten geht. Man muss es einfach nur offen und klar kommunizieren. Zum Beispiel o2 macht das seit Monaten, dass jeden Freitag irgendwann ein “Wir wünschen euch ein schönes Wochenende” gepostet wird. Deswegen setzt der Account jetzt aber kein Schimmel an.
Fazit
Da ich nicht alle Punkte, wie von Herrn Poreda gefordert, erfülle – bin ich ein Blender. Also einer von den vielen. Ich habe auch kein Abitur geschweige denn studiert, wie noch bei HRInside gefordert. Hinzu kommt, dass ich gern mal unkontrollierte Wortkotze in meine Texte packe. Oh man…
Ich muss mir jetzt also eingestehen, dass ich nie Experte werde auf diesem Gebiet. Schade eigentlich. Denn ich habe eine sehr hohe Affinität zu dem Thema, mache meine Arbeit mit hoher Leidenschaft und habe mächtig Spaß daran, wenn durch meine Ideen Leute begeistert werden.
Ach liebes Social Media, es hätte so schön werden können mit uns, aber ich bin nur der Einäugige unter den Blinden ![]()





Enrico schrieb:
24. November 2010 10:54Hm… Schade eigentlich. Du hast keine Ahnung, ich auch nicht. Sollen wir vielleicht eine Klopapier-Firma gründen?
Kai Thrun (@KaiThrun) schrieb:
24. November 2010 11:20ich habe keine Ahnung, wie man den Zimtgeruch ins Papier bekommt
Tom Ruthemann schrieb:
24. November 2010 11:12»Roadmap für Social Media. Ich wiederhole mich gern: Social Media ist ein integraler Bestandteil eines Unternehmens und kein paralleles Projekt.«
So! Oder das Unternehmen lässt es ganz in aller Konsequenz und setzt (weiterhin) auf bekannte und im Zweifel bewährte Kommunikationskanäle. Was bisher funktioniert hat, ist ja nicht auf einmal schlecht, unbrauchbar oder weniger erfolgreich.
Kai Thrun (@KaiThrun) schrieb:
24. November 2010 11:22Servus Tom,
“haltbar bis: siehe Verausgabedatum” ?
Ich betrachte es auch nicht wirklich klug, die alten Kanäle zu vernachlässigen. Ein Blogger hört auch nicht auf zu schreiben, weil er einen Twitter-Account hat. Sollte er zumindest nicht. Aber ich denke, wir sind da ohnehin einer Meinung.
Grüße Kai
Philipp schrieb:
24. November 2010 11:44Ich kann mich Dir nur anschließen. Der Artikel ist ziemlich mäßig, bei der Amazon-Wishlist habe ich sogar etwas gelacht. Das ist schon fast Klamauk.
Meiner Meinung nach ist der beste Artikel zum Thema immer noch der von der karrierebibel (http://karrierebibel.de/social-media-manager-was-zeichnet-sie-aus/). Sicherlich lassen sich hier auch einige Punkte diskutieren, jedoch erinnern mich da die einzelnen Ansätze schon einmal an Aspekte eines Anforderungsprofils als Grundlage für eine Stellenbeschreibung/-anzeige.
Kai Thrun (@KaiThrun) schrieb:
24. November 2010 21:19Hallo Phillip,
Jochen Mai steht zweifelsohne für gut aufbereitete Artikel. Leider ist vieles nur Wunschdenken meistens…
Sven schrieb:
24. November 2010 12:57Irgendwie sind diese Artikel wirklich lustig. Vor allem, weil es ein abklatsch der entsprechenden Artikel sind, die vor kurzem in den mehr oder weniger (und nicht genannten) relevanten US-Blogs aufgeflammt ist.
Aber eigene Ideen und Erkenntnisse werden ja gar nicht gefordert. Ein Aufwärmen mehrfach wiedergekäuter Ideen reicht völlig. Dass dazu eine strategische Durchdringung nicht erforderlich ist, wird hingegen übersehen. Vielleicht, weil die Autoren solcher Liste sie selbst nicht haben?
Nun wie dem auch sei, interessant ist auch die Erwähnung von Xing nur in einem Nebensatz, vom Fehlen von LinkedIn mal ganz zu schweigen. Vollständig sind diese Kriterien also auch nicht. Ausgewogenheit? Fehl am Platz!
Und wie soll man bitte schön aus dieser Liste auf wirkliche (und notwendige) Fähigkeiten schließen? Strategisches Denken, Selbstorganisation, “Über den Tellerrand”-Blicken, Fähigkeit zur Integration verschiedener Abteilungen, Fähigkeit zur Vermittlung von SoM-Themen in internen Schulungen, und, und, und…
Bei solchen Listen bekomme ich immer das sprichwörtliche “Kotzen”. Wobei ich ja mal sagen muss, dass ich auch nicht unbedingt für ein Unternehmen arbeiten wollen würde, das sich auf solche Listen verlässt.
Kai Thrun (@KaiThrun) schrieb:
25. November 2010 06:52Hallo Sven,
ich musste gestern Abend etwas schmunzeln, da nämlich genau das Thema in meinem RSS-Feed aus einem US-Blog auftauchte. Ich hatte die Diskussion gar nicht so recht auf dem Schirm
Nun das Wiederkauen ist sicherlich oftmals ein Problem, aber man darf auch nicht vergessen, dass viele die US-Blogs nicht im Auge haben (sind ja auch ein paar).
Ich glaube die Erstellung der Kriterien ist ziemlich schwierig. Irgendwie muss man die Sachen aber einfassen. Das Problem oder besser gesagt die Diskrepanz, die sich ergibt ist doch mal wieder Theorie zwischen Realität. Das Kotzen bekomme ich in der Regel nicht bei den Listen, sondern wenn ich sehe, wer dann die ein oder andere Stelle besetzt, wo ich sage “wow, gut verkauft”
)
Grüße Kai
fschuetz schrieb:
24. November 2010 14:03Der Wunschzettel ist ja wirklich harmlos…
Wir erleben hier fast täglich durchaus auch andere Beispiele. Vielen Nutzern wird erst über Yasni bewusst, dass der Amazon-Wunschzettel für jedermann (auch für Personaler!) sichtbar ist, wenn man nicht entsprechende Einstellungen vornimmt.
Wenn man sich auf eine Stelle als PHP-Experte bewirbt, sollte man vermutlich nicht das Buch “PHP für Anfänger” auf seinem Wunschzettel liegen haben…

Kai Thrun (@KaiThrun) schrieb:
25. November 2010 06:55Liegt vielleicht daran, dass ich mir meine Sachen meist selbst kaufe…
Das kann ich mir gut vorstellen. Wenn ich über Personen Onlineprofile erstelle, bekomme ich desöftern Ohrenschlackern. Da kommt dann wieder dieses “schöne” Buzzword “Medienkompetenz” zum Tragen. Manchmal muss ich aber auch klar sagen: Schöne neue Welt.
Ralf Heinrich schrieb:
24. November 2010 14:33Loser! ;o)
Monika Lohmann schrieb:
24. November 2010 16:07War heute mal bei verschiedenen Jobbörsen und habe neugierigerweise die Stellenausschreibungen zum Thema durchforstet. Anscheinend haben die sich alle Rat bei Beratern geholt, die sich an so hirnrissige Vorstellungen klammern. Ich jedenfalls würde da nirgends einen Job bekommen. Will ich ja auch nicht. Nur mal so hypothetisch geschaut und nebenbei die Amazon-Wishlist auf den neuesten Stand gebracht.
Kai Thrun (@KaiThrun) schrieb:
25. November 2010 06:56Ach ich denke eine Markteinschätzung tut von Zeit zu Zeit gar nicht mal so schlecht
Luwu16 schrieb:
24. November 2010 19:24Na, war doch gut, daß Du etwas ordentliches bei einem großen internationalen Konzern gelernt hast. Das Blenden!
Kai Thrun (@KaiThrun) schrieb:
25. November 2010 06:56Erzähl den Leuten doch nicht, dass ich mal für einen großen internationalen Konzern gearbeitet habe. Was sollen meine Leser von mir denken? Außerdem ist das 10 Jahre her
Eveline3112 schrieb:
25. November 2010 09:35Danke Kai, dass Du da ein paar Sachen richtig gestellt hast
Ich wüßte auch gerne was die Unternehmen denn so bereit sind zu zahlen für 24/7 und was mit den Leuten dann passiert, wenn sie irgendwann komplett ausgebrannt sind, denn jeder muss auch mal abschalten, um fit, engagiert und interessiert bleiben zu können.
Mein FB Profil ist geschlossen für Fremde (Personaler) und eine Amazon-Wunschliste habe ich auch nicht. Hmm, das ist schon fast tragisch. Muss nochmal genau lesen in welchen Bereichen ich trotzdem punkten kann
Naja, vielleicht reicht ja auch ein Klout-Score von 54. Gibt es dazu eigentlich schon klare Anforderungen?
PS: Auf dem Twitter-Account twitter.com/o2online_de wird sogar am Wochenende geantwortet, aber auch nur, weil den nicht eine Person alleine betreut
toellby schrieb:
25. November 2010 15:04Ich finde das Wort Social Media Manager schon ziemlich geil…
onesocia schrieb:
26. November 2010 22:10Social Media manager finde ich eine gute sache.