WELT Kompakt-Getöse

geschrieben am 23.Juni 2010


Da kommt sie nun, diese WELT Kompakt am 1. Juli. Es gibt ein Thema und 100 unterschiedliche Meinungen. Grob scheint es sich in zwei Lager zu teilen. Jene 20-30 Blogger die eben mitmachen und jene die Absagen. Dann wäre eben da noch der Springer Verlag. Unterm Strich kommt es auf die Betrachtungsweise an, aber erst mal sind alle böse. Ja alle.

Es ist spannend zu verfolgen, wie sich die Dinge entwickeln. @RobGreen sagt zu, @Caschy sagt ab. Hier ein scharfer Kommentar, dort ein lustiger Kommentar. Da gibt es mal einen Sachverhalt, dort eine Randnotiz. Im Großen und Ganzen ist aber vorerst alles schlecht. Aber teilen wir die Bösewichte mal auf.

Es geht auch miteinander unterschiedlichster Herkunft

Welt Kompakt, Springer Verlag. Die WELT Kompakt ist schlecht, weil sie dieses Experiment initiiert hat. Ein PR-Zug zur Ausbeutung der Bloggerwelt. Die Zahlen nichts, die wollen uns nur den Content klauen. So schildert es sich zumindest ab.

Die Zusager. Sie betreiben Hochverrat am Bloggertum, da ist man sich vieler Orts einig. Die können nämlich gar nicht so einfach, mit der Presse zusammen arbeiten. Gegen wen soll man demnächst noch stänkern?

Die Absager. Die machen aus den verschiedensten Gründen nicht mit. Kein Interesse, kein Honorar, Verschwörungstheorien. Vieles ist dabei. Sind aber blöd, weil sie es nicht tun.

Dann bildet sich noch eine Randgruppe, zu der Ihr mich auch zählen dürft – die Klugscheißer. Wieso ich mich dazu zähle? Ich habe außer ein paar E-Mails, Telefonaten und Nachrichten, eigentlich mit dem Thema nichts zu tun. Gar nichts. Warum auch? Eben. Aber ich muss dennoch meinen Senf los werden, weil mich niemand gefragt hat.

Was mich daran stört ist, dass stellenweise die Stimmung sich genau ins Gegenteil drückt, wohin sie eigentlich hingehen sollte. Sie wird aggressiv angespannt. Hitzige Diskussionen der verschiedenen Gruppierungen, teilweise verständlich, teilweise etwas skurill – wie es so eben ist, wenn viele verschiedene Charaktere ihre Meinung lostreten. Im Großen und Ganzen herrscht aber eine große Doppelmoral und ich denke, dass hat mich auch zu diesem Posting bewogen. Sicherlich kann man nicht aller über einen Kamm scheren. Aber irgendwie kommt die Forderung nach dem Honorar aus der Richtung, die ihren Blog aus Spaß betreiben. Ohne Ziel. Bloggen wegen des Bloggen wegens.

Was mich stört ist, und ich gehöre sicherlich nicht zu den Leuten, die ein Blatt vor den Mund nehmen. Was mich stört ist, diese verbale Augengekratze. Wenn jemand absagt, aus welchen Gründen auch immer, dann ist das zu akzeptieren. Genau wie wenn jemand zusagt. Ständig wird darüber debattiert, dass die Presse viel Content-Klau betreibt. Jetzt geht mal jemand einen ungewöhnlichen Weg, um alle an einen Tisch zu bekommen – ist es aber auch nicht recht? Sicherlich war die Art und Weise, wie der Serienbrief Springer verlassen hat ziemlich werbelastig. Ich nenne es mal viel „Placebo-Blabla“. Ist gar nicht böse gemeint. Presse und Blogger sind eben zwei unterschiedliche Welten, behaupte ich mal – mit meinem gefährlichen Halbwissen.

Immer locker durch die Hose. Rock on, dude!

PR-Strategie. Kann gut sein. Und? Wie will man die Fronten sonst so zusammen bringen? Ideen? Immerhin hat man aus den Fehltritten anderer Unternehmen gelernt und hat direkt in die Mail geschrieben, welche Kosten übernommen werden. Das ein Honorar nicht im Mittelpunkt stand – Streitthema. Was mich allerdings am meisten aufregt. Eigentlich ist es der einzige Punkt, wo ich so richtig an die Decke gehen kann. Nicht ob es gezahlt wird oder nicht, viel mehr dieses – Entschuldigung – Rumgeeire der Blogger untereinander. Wenn jemand dafür ein Honorar haben möchte, dann ist das sein gutes Recht! Wenn ich für jemanden eine Webseite mache, möchte ich auch Summe XY dafür bekommen. Wenn jemand kein Honorar haben möchte, dann ist das auch in Ordnung. Wenn sich aber beide Lager als Saubermann hinstellt und mit dem Finger auf den Anderen zeigt, finde ich’s einfach nur noch schade. Akzeptanz, Miteinander, Toleranz – geträumt? :?

Klar sei es jedem gestattet, seine Kritik zu äußern. Ich mache das auch gern, werdet ihr wissen. Ich finde das „Experiment“ interessant. Hätte man mich eingeladen, ich wäre hingefahren. Einfach aus Neugier, zu wissen, wie so eine Zeitung von statten geht. Schließlich rege ich mich auch ständig über unser Käseblatt auf, weil im Nachbardorf ein Sack Reis umgefallen ist und eine Straße weiter der Kaninchenstall offen gebleiben ist. Außerdem ist am 3.7. das WordCamp, hätte ich gleich noch Follower-Besuche in Berlin machen können. Aber ich fahre nicht hin, weil ich natürlich nicht eingeladen bin. Wir wollen die Kirche mal im Dorf lassen.

So und jetzt alle schön Retweet drücken, damit ich reich, berühmt und begehrenswert werde und dann in der WELT am Sonntag mal über mich geschrieben wird :maul: