Das Thema bei Monitoringanbietern ist zur Zeit »Influencer«. Influencer Relation oder auch Blogger Relation ist der Versuch eine Brücke zwischen Marketing/PR und Internettypen zu bauen. Bei der Identifizierung dieser Personenkreise für ein Unternehmen gab es kürzlich eine Blogparade, die sich der Materie widmet.

Ich habe an der Blogparade nur sekundär teilgenommen, indem ich ein Zitat für einen Beitrag gab. Es fehlt dem Zitat ein weiterer Zusatz, der für mich aber nicht so wichtig ist. Es ist eigentlich eine Krux. Ich meine, als Blogger gibt man sich in der Öffentlichkeit bescheiden. Wenn Du darüber sprichst, dass Du eine gewisse Reputation genießt, dann kann dies schnell arrogant wirken. Das Problem ist allerdings, wenn du zu bescheiden bist und du dich selbst nicht Ernst nimmst: wie willst du eine Zusammenarbeit mit Firmen begründen? Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Ein gesundes Selbstvertrauens kann nicht schaden, ohne dabei die Haftung zur Realität zu verlieren. Ich freue mich um jedes Engagement, was sich aufbietet.

Wie dem auch sei, wer nun in welcher Form Einfluss ausübt oder nicht, soll jeder für sich entscheiden. Spätestens seitdem irgendwo im Internet steht, dass es bei Bloggern günstig etwas zu holen gibt, schreiben Marketing und PR-Verantwortliche sie an. Ich erinnere mich noch gut an den ersten größeren Linkbait von 3D-Supply. Die Aktion war Backlink gegen Tshirt und wiederholte sich einige Male. Die Aktion war ein Erfolg. Heute hat sich das Blatt gewendet. Es reicht schon lange nicht mehr, einfach ein Produkt rauszuschicken (ausser bei reinen Produkttestblogs evtl). Beide Seiten sind professioneller geworden und es gibt bestimmte Eckdaten für eine Zusammenarbeit (die variable sind). Wer Starthilfe bei der Suche nach Influencern in Anspruch nehmen möchte, der darf sich gern beim Upload-Magazin einlesen.

Ich habe mal einen Blick in mein Postfach geworfen, um einige reale Beispiele zu zeigen, wie man recht schnell all seine Bemühungen einstampfen kann. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass Influencer / Blogger Relation sehr mühsame Handarbeit ist. Klingt blöd, ist aber so. Oder um es mit den Worten von @MikeSchnoor und @Nordbergh zu sagen: Blogger sind keine Redakteure außer es sind Redakteure.

Betreff Kooperation

Der Betreff Kooperation stinkt schon 50m gegen den Wind nach Schleichwerbung. Mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit ist es eine Anfrage, die darauf abzielt, einen ungekennzeichneten Link abzufassen. Es folgen schwammigen Formulierungen, die von Mehrwert für die Leser handeln. Anstelle »Kooperation«, was so ziemlich alles sein kann, schreibe im Betreff, worum es geht. »Testgerät elektrischer Bananenschäler« ist aussagekräftiger als »Kooperation«.
Noch schöner als eine Kooperation ist eigentlich nur Folgendes:

Es mag egoistisch klingen, aber in der Regel profitiere ich immer von der Zusammenarbeit. Entweder ich bekomme dafür Geld oder habe einen immateriellen persönlichen Gegenwert. Hin und wieder tue ich sicher auch mal etwas »für den guten Zweck«, was bei gewinnorientieren Unternehmen aber sehr selten der Fall ist.

Der Backlink- oder Schleichwerbungs-Hoschi

Der Backlink-Hoschi ist ein Zeiträuber. Es klaut dir für seinen Mist die Zeit, um dir über 5 Mails hinweg irgendwie einen Backlink aus dem Kreuz zu leiern. Ich hasse sie. Wenn ich einen Moment Zeit habe, mache ich mir inzwischen ab und an das Vergnügen zu fragen, wie denn diese »Kooperation« gestaltet sein soll. In der Regel landen die Anfragen aber ungelesen in der Tonne.

Wenigstens ehrlich

Die richtige Anrede

Wie ich oben schrieb, ist diese Art von Marketing mühsame Handarbeit. Wer sich dieser Handarbeit zu schade ist, der versendet eben an alle dieselbe E-Mail. Das ist spart Zeit. Im Prinzip ist es ein Trugschluss, denn Blogger sind untereinander vernetzt. Ich schreibe es erneut auf, damit es auch der Letzte versteht: Blogger reden miteinander. Besonders schlaue Fälle landen auf Facebook oder Twitter, wo man fragt ob man von Max Muster-Email auch Post bekommen hat. Spätestens dann ist das Thema durch.

Die ersten 5 Google-Bilder bei Kai Thrun ist ein Herr mit Radio-Gesicht.

(Ok ok, Internettrends Thrun ist schon ziemlich unterhaltsam) In dem Fall war wirklich es ein Systemfehler. Ich telefonierte am Abend mit dem Verantwortlichen, der machte einen Nachfass-Anruf.

Der Nachfass-Anruf

Es gibt vermutlich nichts, was mich mehr abtörnt. Irgendjemand kam auf die glorreiche Idee, es wäre sicher erfolgreich, wenn man Blogger anruft. Es wird häufig am selben Tag oder am folgenden Tag gefragt, ob man die E-Mail erhalten habe. Es gibt sicher den Fall, dass der Blogger an einer Zusammenarbeit interessiert ist und vergisst zu antworten. Dies ist allerdings die Ausnahme.

Keine Ahnung, was im Blog steht

Wenn an den Influencer ein Blog angeschlossen ist, was häufig der Fall, dann sollte man etwa das Themenspektrum abstecken können. Bei den meisten Blogs ist das relativ einfach, denn entweder findest du Hinweise in der Navigation oder die Kategorien sind irgendwo aufgelistet.

Gutes und einfaches Anschreiben, auch wenn das Thema eben völlig am Blog vorbeigeht.

Wie geht es besser?

Es gibt genügend Anleitungen, wie man die Sache angehen kann. Wenn du Blogger anschreibst, mach es dir einfach: Frag einfach, ob der / die BloggerIN am Thema Interesse hat. Eine kurze E-Mail wie im E-Zigaretten-Beispiel. Wenn kein Interesse besteht, kann er/sie dir sagen. Häufig kommt eine Begründung oder ein Alternativvorschlag. Dies sind wertvolle Informationen, die Du für weitere Versuche für dich nutzen kannst. Vielleicht kannst Du dem Blogger kein Geld anbieten aber Testprodukte – oder der Blogger möchte gar kein Geld, weil er z.B. mehr Potenzial in einem Gewinnspiel mit dem Testprodukt sieht. In jedem Fall ist Raum für eine vernünftige(!) Konversation vorhanden.

Es gibt nunmal keine Schablone, die man auflegen könnte. Blogs sind so individuell wie die Menschen, die sie schreiben. Finde dich damit ab.

13 Responses

  1. Sandra

    Mein Rat ist schon lange: Beschränken auf einen knappen, netten Dreizeiler. Thema/ Idee anreißen und zu verstehen geben, dass man Lust darauf hat, gemeinsam mit dem Blogger was auf die Beine zu stellen.

    Nicht mehr und nicht weniger.

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    • Kai Thrun

      Hallo Sandra,

      es dürfte in den meisten Fällen auch völlig ausreichend sein. Der Rest wird ja ohnehin im Nachgang besprochen, zu welchen Bedingungen man sich einigt – oder eben nicht 😉

      LG Kai

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  2. Kristine

    „Die ersten 5 Google-Bilder bei Kai Thrun ist ein Herr mit Radio-Gesicht.“ 😀
    Gerade bei Blogs, deren URL rein aus dem Namen des Blogeigentümers besteht, wundere ich mich immer wieder von neuem über die Ansprache! Noch einfacher geht es ja nun wirklich nicht.
    Generell ein schöner Beitrag, den hoffentlich die Richtigen lesen werden…
    Liebe Grüße, Kristine

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  3. Anne Mühlbauer

    Schön zusammengefasst!

    Was gar nicht geht:
    – Falsche Anrede. Du hast ja schon das Paradebeispiel mit „Frau“ vs. „Herr“ gebracht, aber wenn mich jemand mit „Hallo Anna“ anschreibt, frage ich mich auch, wie viel Sorgfalt da beim Blick ins Impressum aufgewandt wurde. Flüchtigkeitsfehler können passieren, trotzdem überprüfe ich selber gerade die Anrede immer zweimal.

    – Blogger als blöd verkaufen wollen.
    Mich schrieben kürzlich „drei junge Studenten“ an, die etwas entwickeln, was ich vorstellen soll und dafür gratis bekomme. Assoziation ist klar – Studenten haben kein Geld und die jungen Forscher unterstützt man doch gerne. Bloß wenn man den Absender mal googelt, hat er laut Xing seinen Master seit drei Jahren in der Tasche und ist Geschäftsführer. Netter Versuch.

    – Auf Mails nicht antworten.
    Selbst wenn die Anfrage selber soweit in Ordnung ist und ich meine Konditionen zusende, ist es ein NoGo, darauf einfach nicht zu antworten. Eine Absagemail kostet keine zwei Minuten. Andernfalls bleibt der schale Nachgeschmack, dass das Unternehmen nur auf einen kostenlosen Artikel / Backlink aus war. Sowas ist verdammt unseriös.

    Ich hoffe sehr, dass da bald ein Umdenken bei den Verantwortlichen im Marketing stattfindet – und bei den Bloggern selber. Da gibt es vermutlich immer noch genug, die für einen geschenkten Lippenstift gegen geltendes Gesetz (Kennzeichnung als Werbung!) und die Webmasterrichtlinien (Stichwort nofollow) verstoßen und dabei so ganz nebenbei das Image der Blogosphäre ruinieren.
    Empfehlen kann ich in diesem Zusammenhang den „Blogger Relations Kodex“ (http://www.bloggerrelationskodex.de/).

    LG
    Anne

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  4. Stefan Schütz

    Hallo Kai,

    ich habe doch hoffentlich keinen Zitat-Zusatz vergessen, sondern es war dir hier nochmals eine Ergänzung wichtig?! Ansonsten muss ich dies entschuldigen und gerne nachholen… authentisch bist/warst/bleibst du jedenfalls 😉

    Schöner Beitrag à la „Internettrends Thrun“
    In diesem Sinne VG
    Stefan

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    • Kai Thrun

      Hallo Stefan,

      wenn es mir wichtig gewesen wäre, hätte ich mich da schon bemerkbar gemacht. Alles gut, kein Grund zur Sorge. Ich bin ja schon halbwegs groß und kann rumpöbeln 😀

      Liebe Grüße,
      Kai

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  5. Drapegon (Petra)

    Genauso ist es, leider in den meisten Fällen. Manche Firmen machen sich nicht einmal die Mühe sich das Über mich mal durchzulesen. Da wüssten sie auch welche Themen mich interessieren und was mich ausmacht. Das finde ich ziemlich schade. Obwohl schon schöne Kooperationen gab.
    -Also das nicht mehr zurückschreiben von Firmen auf meine Antwort auf manch einer Anfrage finde ich geht gar nicht. Leider musste ich feststellen das es seit letztem Jahr deutlich zugenommen hat. Da frage ich mich immer ob meine Mail überhaupt angekommen ist.
    – Schlimm ist es auch wenn sich in den darauffolgenden Emails Sätze wiederholen. Ein schönes Beispiel: „das ist super, wenn wir auf deiner schönen Webseite Gastartikel veröffentlichen dürfen. Das würde uns sehr freuen.“

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  6. Johnny

    Ach bitte, das gleiche funktioniert auch anders herum. Ich verstehe schon, dass 10 Anfragen täglich das Ego massieren und man nicht Lust hat alle zu beantworten, aber wenn man auf die persönlich verfassten Mails als Blogger nicht antwortet, sollte man sich nicht wundern wenn jemand dann doch anfängt mit „copy and paste“ effizienter zu arbeiten.

    Anne macht es vor. Den Eintrag loben in dem geschrieben wird, dass viele Mails nicht beantwortet werden aber dann selbst eine Antwort erwarten?

    Aber gut, wer es sich als Blogger erlauben kann auf dem hohen Ross zu sitzen, hat es sich ja meist erarbeitet. Nur bitte nicht vergessen wie euch diese „abtörnenden“ „gehassten“ und “ zeitraubenden“ Anfragen, gerade in der Anfangsphase, oft sehr gelegen kamen 😉

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    • Kai Thrun

      Wo ist das hohe Ross, wenn man die scheiß Linkabgreifanfragen nicht weiter bekümmert? Es ist Spam und der Vorteil geht dabei nur in eine Richtung.
      Die Anfragen in der Anfangszeit, da kann ich nur für mich sprechen – ich habe auch damals all den Mist weggeworfen. In der Regel kommen die Anfragen dort nicht, weil die Reichweite, nicht ausreicht um überhaupt angeschrieben zu werden. Es ist doch aber kein Problem, wenn sich aus dem Kontakt nichts ergibt. Ich mein, ist ja nicht so, dass man Anfragen nicht untereinander weiterreicht, wenn man der Meinung ist, ein anderer Blog könnte da durchaus passen.

      Letztlich bleibt ja auch die Frage immer zu klären, was ich mit meinem Anschreiben erreichen will. Wenn mir das Gieskannenprinzip ausreicht, vielleicht mal einen Treffer zu landen, ist das vielleicht legitim. Es ist aber sicherlich kein Aufbau einer langfristigen Beziehung. Blog ist eben nicht Blog.

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      • Johnny

        Das Ding ist einfach, dass solch eine Einstellung unweigerlich zu dem Gießkannen-Prinzip führt. Aus persönlicher Erfahrung kann kann ich sagen, dass ich Dutzenden Bloggern Gastbeiträge, Provisionen etc. in persönlichen Mails angeboten habe. Die Antwort-Qute ist haargenau die selbe wie beim Gießkannen-Prinzip. Zumindest bei mir. 1/5 aller Antworten enthält eine detaillierte Preisliste zu Gastbeiträgen im oberen, dreistelligen Bereich. Also so zu tun als wären die armen Blogger von Marketing-Haien umzingelt ist nicht wirklich korrekt. Oft sitzen am anderen Ende kleine Start-Ups die verzweifelt versuchen irgendwo einen Gastbeitrag zu platzieren oder einen Backlink zu bekommen.
        Es lohnt sich nicht Zeit in persönliche Mails zu investieren, weil viele die selbe Strategie wie du, auch bei persönlichen Anfragen fahren.
        Eine Beziehung kann ich auch noch Aufbauen, wenn jemand Interesse an meinem Vorschlag zeigt. Und wenn der Blogger sachlich genug ist, muss ich ihm auch keinen Honig um dem Maul schmieren ala „ich lese Ihren Blog seit Jahren. Besonders gut gefallen hat mir der Beitrag…“.
        Sachlich bleiben, und der anderen Seite den selben Respekt Zollen, den man selbst erwartet. Dein Betrag vermittelt ein anderes Bild und das meine ich mit „hohem Ross“.

      • Kai Thrun

        Genau, und wenn ein Startup freundlich fragt UND DAS THEMA ZU MEINEM BLOG PASST, bekommt es auch eine Vorstellung – oder einen Beitrag.
        http://kaithrun.de/social-media/motory-social-network-automobil/
        http://kaithrun.de/allgemeines/marken-meinung-croking/

        Nur so als Beispiel.
        Naja man muss ja keinen riesen Aufwand betreiben – mich zu fragen, ob das Thema für mich interessant ist in einem 3 Zeiler finde ich aber noch sympatischer als mir direkt die Pressemitteilung ins Postfach zu legen. Aber das ist sicher eben auch eine Frage des eigenen Geschmacks. Ich verstehe deinen Standpunkt.

        Die „dein Blog gefällt mir besonders gut“-Mails sind ja nun Quatsch. Das Thema muss eben passen, aber viele verkaufen dann eben auch gern einen Backlink, dass will ich hier auch gar nicht unter den Tisch kehren.

        Och naja, ich such mir meine Sachen schon aus – das ist richtig. Das ist aber weniger arrogant gemeint, aber über E-Zigaretten brauche und will ich einfach nicht schreiben 🙂

  7. Adeline Löwenstein

    Am besten sind doch immer noch die guten alten Linkanfragen, bei denen man dem Schreiberling die Informationen zu Webseitenthema, Link, Budget, etc. einzeln aus der Nase ziehen muss. 😉

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