Es gibt Sünden im Social Web, die begeht man nicht. Eine davon ist z.B. eine Unternehmensseite als privates Profil bei Facebook einzurichten. Es ist aus Marketingsicht nicht förderlich, aus der PowerUser-Sicht schlicht unprofessionell und in der Gänze dann auch nicht “Regelkonform”.

Als “im Social Web”-Lebender entgeht es mir nicht, wenn ein Unternehmen mit mir befreundet sein möchte. Wir können 100 gemeinsame Freunde haben, ich werde mit einem Unternehmen nie befreundet sein. Mal unabhängig von einem leicht ungläubigen Kopfschütteln gefolgt von einer Facepalm. Es ist diese Vermittlung von unglaublicher Inkompetenz ohne auch nur ein Wort gesprochen zu haben. Es erzeugt ein leichtes “Ach man”, denn eigentlich sollten es Unternehmen besser wissen. Bei kleinen Klitschen sehe ich ja noch ein, dass man es schlicht nicht besser weiß. Was auch kein Vorwurf ist, es ist halt so, man hat andere Schauplätze zu beackern. Das ist auch ok.

TOS, Regeln, Gesetze

Was die Nutzungsbedingungen von Facebook betrifft, darüber kann man sicher streiten. Insbesondere wenn man Anwalt geworden ist, denn so richtig konform mit dem deutschen Gesetz passt das nun nicht. Dennoch gibt es Hausregeln bei Facebook, die u.a. in Punkt 4.2 und 4.4 beschreiben, dass ich kein persönliches Profil für geschäftliche Zwecke missbrauche. Mehr dazu gibt es auch bei Facebook-Marketing, der Thomas Schwenke hat das seiner Zeit schon mal beleuchtet.

Psychologie, Daten, Auswirkung

Ich mag eben keine Unternehmen, die nicht in der Lage sind sich an 2-3 Regeln zu halten. Ich erwarte, dass man sich mit dem Thema auseinander setzt. Ich möchte aber auch nicht, dass ein Unternehmen einfach so Zugriff auf meine Daten hat. Ich möchte nicht, dass jeder x-beliebige Mitarbeiter des Unternehmens sich ggf. meine Urlaubsfotos ansehen kann. Natürlich kann man nun sagen, dass der “Benutzer” die Bilder nach Gruppen wegsortieren kann. Klar, technisch ist dies möglich als Argumentationsgrundlage wird es allerdings nicht lange Stand halten können. Ich kann als Unternehmen vom Privatanwender nicht mehr Knowhow in einem Sektor verlangen, wenn ich Ihn an mich binden möchte. Da steht die Frage “wer will hier was von wem” direkt Kopf.

Es dreht sich aber noch weiter, denn Freunde zu finden ist schwieriger als Fans. Zumal spätestens mit der endgültigen Umstellung auf die neue Profilansicht es keinen großen Unterschied mehr macht – optisch. Es geht aber weiter, denn “Like” ist eher geklickt, als eine Freundschaftsanfrage zu beantworten. Der visuelle Ablauf ist schon anders und führt den User in ein ihm “befremdendes Umfeld”. Liken? Das kennt er, das macht er den ganzen Tag. Auf Webseiten, in Onlineshops, auf Produktseiten oder in Blogs – der Mechanismus ist ihm bekannt.

Facebook bringt die erforderlichen Boardmittel gleich mit

Letztlich muss ich als Unternehmen mit dem Umstand leben, ständig den Selbstzerstörungsmechanismus meiner Arbeit zu provozieren. Es wird den Marktbegleiter sicher irgendwann freuen, wenn der einfach nur “melden” muss.

Es gibt also verschiedene Ansätze, warum man Firmen als Personen bei Facebook nicht mögen könnte. Welche sind deine?

*** UPDATE ***
Facebook bietet inzwischen die Möglichkeit Profile zu Fanpages zu migrieren

18 Responses

  1. Cem

    Genau aus den selben Gründen. Und mein Weg ist auch immer der selbe: Melden. Ablehnen. Wenn ich nen guten Tag hab, ne Mail schreiben, warum ich das nun mache.

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  2. Ralf Heinrich

    Das ist auch bei „kleinen Klitschen“, wie Du sie nennst, nicht okay. Schließlich ist die Unternehmensseite ist nur einen Steinwurf entfernt. Als Unternehmen/Marke mache ich mich mit einem persönlichen Profil einfach nur lächerlich. Schade.

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    • Kai Thrun

      Ja schon, aber bevor ich dort melde, sage ich lieber dem Inhaber bescheid. Ich wollte damit „nur“ ausdrücken, dass ich da gewillt bin ein Auge zu zu drücken.

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  3. Stephan

    Seh ich genauso wie Du. Im Grunde erzeugt dies bei mir nur Kopfschütteln. Zumal es zeigt, dass das Unternehmen (egal welcher Größe) sich nicht mal über das Warum Gedanken gemacht hat, wenn offensichtlich schon das Wie nicht klappt.

    Ich habe auch schon eigeninitiativ „Firmenprofile“ angeschrieben, die mir bei der Suche nach anderen Seiten aufgefallen sind und gefragt, ob Ihnen klar ist was sie da tun, was in der Regel mit Unverständnis honoriert wurde. Manche sind darüber hinaus dann auch noch „beratungsresistent“, was dann zur Meldung führt.

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  4. Marcus

    Genau so sehe ich es auch. Ich hatte genau zu dem Thema mal letztens bei einem bekannten Blog nachgefragt, der sich ausschließlich mit Facebook beschäftigt.
    Meine Frage war, ob es Erfahrungswerte gibt über die Melden- Erfolge. Hierzu hatte ich jedoch leider keine Antwort erhalten.

    Normalerweise sollte man so etwas melden, da Firmen die gleich Freunde sind einfach im Wettbewerb einen Vorteil besitzen gegenüber unerfahrenen Nutzern. Der erfahrene Nutzer, wie der Autor des Textes, ist sich dem bewusst, aber was ist mit dem Rest?

    Ich habe lediglich den Eindruck, dass die „Melden“- Funktion keinerlei Einfluss hat und auch 5 Monate später, nach dem melden, die Seite immer noch existiert.

    Aus meiner Sicht ist auch die Kommunikation seitens Facebook eher spärlich.
    Gerade heute hatte ich versucht die immer noch vorhandenen Bugs der Pages (wegen dem neuen Update) mittels BugReport in der Hilfesektion von FB zu melden. Das hört sich im ersten Moment komisch an, aber woher sollen die es wissen, wenn Sie es nicht kommunizieren, dass Sie wissen, dass es Probleme gibt? Schön das Formular ausgefüllt und danach kam eine Fehlermeldung. Selbst die Forumbeiträge in FB sind nicht alle zugänglich, da das FB Hilfecenter scheinbar auch ne Menge Fehler besitzt. Von daher würde es mich nicht wundern, wenn die Melden- Funktion im Nirvana verläuft.

    Meine Fragen wären:
    Hat jemand Erfahrungen über den Erfolg, wenn man so einen falschen Freund meldet?
    Wo bekommt man handfeste Infos über Bugs die Facebook bekannt sind und deren Status?

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  5. J_Heimbach

    Sehe ich genauso.
    ein weiterer Grund für mich ist, dass ich meine Statusupdates und Fotos mit keinem Unternehmen teilen will.
    Facebook benutze ich hauptsächlich um mit meinen Freunden zu kommunizieren.
    Was ich dort teile sollte kein Unternehmen intressieren bzw. zu Gesicht bekommen.

    Das Unternehmen soll mir was berichten, nicht andersrum

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  6. Igor

    Du meintest wahrscheinlich „privates Profil“ und nicht „privates Problem“ oder? 😛 Mich persönlich nervt es immer wieder, wenn ich Freundschaftsanfragen von irgendwelchen Unternehmen bekomme. Meistens irgendwelche Party-Veranstalter. In den meisten Fällen melde ich es einfach, weil ich es als Spam ansehe…

    Für mich ist es ein Signal, dass einige Leute nicht die Bohne von Facebook verstehen. Es wird mal eben ein Profil erstellt, dabei sollte eigentlich jedem mittlerweile bekannt sein, dass es zwei Arten von Profilen gibt: Persönliche Profile und Seiten!

    Andererseits denke ich auch, dass es oft gar nicht unwissentlich passiert, sondern die „Unternehmen“ bewusst den Bekanntheitsgrad steigern möchten, nur leider geht es aus meiner Sicht in 99 von 100 Fällen nach hinten los. Und es werden von Monat zu Monat immer mehr Anfragen. Aber auch dies ist ein Indiz dafür, dass sich die Leute wenig oder gar nicht mit Social Media auseinandergesetzt haben.

    Ich würde es jedem ans Herz legen, auf keinen Fall auf diese Weise sein Produkt oder Dienstleistung zu bewerben. Möchtet ihr mehr Fans? Wozu gibt es dann die Facebook Werbeanzeigen?! Auch wenn man ungefähr 30 Cent pro neuen Fan auf den Tisch legen muss, so hat der User selbst eine Seite (ge)like(d), was dann auch nachhaltiger ist, als die User vollzuspamen…

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  7. Kai

    Mich würde mal interessieren woran Ihr es festmacht, dass jemand als seiner Unternehmer aktiv ist? Ist die Firma im Profilnamen ausschlaggebend? Ist es der Avatar? Was ist es, was eurer Meinung nach ein persönliches Profil zur Unternehmung macht?

    Gerade für Einzelunternehmen sind Fanpages totaler Blödsinn, der Mensch steht hier im Vordergrund und so möchte man auch auf Facebook agieren. Trotzdem möchte man aber sein Tätigkeitsfeld auf einen Blick sichtbar machen.

    Um eine kritische Masse an Fans zu bekommen wäre ein Aufwand zu leisten der kleinen Unternehmungen zu viel abverlangt (Gewinnspiele, virals, videos, geblogge etc.). Friends klickt man sich und ihr glaubt gar nicht wieviele die Freundschaftsanfrage gern annehmen. Von 100 Anfrage klicken im schnitt 20 weg, die restlichen 80 haben verstanden das es sich um einen Kontakt und keine Freundschaft handelt.

    Ab einem Schwellenwert braucht man nichts mehr zu tun und die Freunde der Freunde wollen sogar selbst mit einem Unternehmen befreundet sein (unglaublich oder?), um sich mit einer größeren Anzahl an Friends zu profilieren.

    Meine Identität lass ich hier mal außen vor, nicht das mich noch einer bei Facebook anschwärzen will.

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    • Kai Thrun

      Hallo Kai (Ich hoffe wenigstens das stimmt 😉 ),

      dann kriegt er den Tritt in den Hintern zu gegebener Zeit, weil ich mich ungern verschaukeln lasse. Es gibt aber auch Menschen die Facebook ausschließlich privat nutzen, die möchten halt auch „privat“ bleiben. Ob es für ein Einzelunternehmen nun Blödsinn ist, lasse ich mal dahin gestellt – es soll sogar Einzelunternehmen geben für die macht nicht mal Social Media in irgendwas Sinn, geschweige denn das Internet als „Vertriebskanal“. Es ist auch immer einer Frage des „wo komme ich her“ und vor allem „wo will ich hin“.

      Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich auch kein Unternehmen aktiv „anschwärzen“. Ich melde ihn, wenn er anfängt zu nerven. Spätestens bei der 2. Ablehnung sollte man merken, dass es unerwünscht ist. Unabhängig davon muss ich auch sagen, wenn ich nicht über die Kapazitäten verfüge, brauche ich nicht anfangen zu jammern. Aber gut, es soll auch Leute geben die Webdesign für 300€ anbieten können.

      Insgesamt seh‘ es nicht ganz so verbissen, vieles wird auch gern überbewertet.

      Beste Grüße Kai

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  8. kiezkind

    Für mich heisst eine Freundesanfrage eines Unternehmens, dass das Unternehmen, von dem was es auf Facebook tut, keine Ahnung hat. Tut ein Unternehmen etwas, wovon es keine Ahnung hat, dann hat es vermutlich generell nicht viel Ahnung. Deswegen sollten sich meines Erachtens auch Ein-Mann-Unternehmen ernsthaft fragen, ob es seinen „Freunden“ vermitteln möchte, dass es keine Ahnung hat.

    Wenn bei einem Einzelunternehmen der Mensch im Vordergrund steht, wie mein Vorschreiber schreibt, wo steht dann die Leistung, die man verkaufen möchte? Was will man auf Facebook denn vermarkten, seine Dienstleistung und Produkt, oder – das horizontale Gewerbe jetzt mal ausgenommen – sich selbst?

    „Friends klickt man sich „. Da weiss man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Mit Leistung zu überzeugen wäre zuviel verlangt? Fans sollten Dich klicken, nicht umgekehrt. Für mich ein Zeichen für weitere Ahnungslosigkeit.

    So seh ich das jedenfalls.

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  9. Sven

    sagt mal, passiert eigentlich was, wenn man die bei FB meldet?

    Also verläuft es im Sande, sperren die die oder wie und in welchem Zeitraum?

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    • Marcus

      Hallo Sven,
      wie schon oben erwähnt scheint aus meiner Sicht nichts zu passieren, wenn man jemanden meldet. Im Netz sind zwar vereinzelt Fälle davon bekannt, die dann ohne Angabe von Gründen etc. gelöscht worden sind. Jedoch Profile die man so beobachtet und wirklich dreist sind, denen passiert wohl nichts- auch bei mehrmaligen melden. Hier ist dringender Handlungsbedarf seitens Fadcebook gefragt. Da aber der normale User solche Problematiken nicht bewusst wird- wird auch nicht viel passieren.
      Ich frage mich jedoch, wo Facebook sein ganzes Geld lässt, wenn die nicht mal auf Bug-Reports, Melden o.ä. reagieren. Ein damaliger Spam- Report wurde 4 Monate nach Meldung von Facebook auf englisch beantwortet, indem man mich dann nach genauer URL etc. gefragt hatte. (Zuspät um sich noch an solche Dinge zu erinnern)

      Facebook ist aus meiner Sicht schlicht überfordert oder interessiert es nicht – weil es den 08/15 User ja auch nicht ineteressiert.

      Schade Schade

      Antworten
    • Kai Thrun

      Es kommt auf die Umstände und deinem Gegenüber bei Facebook an. Eine konsequente Regelung gibt es nicht, wie Marcus schon sagte. Meistens verläuft es im Sand, ich vermute aus mangelnder Reichweite.
      Sperren oder Verwarnen tun Sie allerdings recht schnell. Jens hat es mal getestet mit einem Obenohne-Bild im Profil – 30 Minuten hat es gedauert. Aber da wird es sicherlich auch starke Schwankungen geben, siehe meinem Vorredner 🙂

      Solltest Du als persönliches Profil Erfolg haben, ist bei 5000 allerdings Ende. Sascha Lobo hatte ja z.B. dieses Problem auch schon 😉

      Es geht glaube ich auch weniger darum, was Facebook davon hält, sondern dass du bei der Spitze des Eisberges deiner Zielgruppe (Stichwort Einfluss) schlicht die Karten verspielst, so wie es Kiezkind beschreibt.

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  10. Oliver Lippert

    Hey Kai,
    guter Artikel.
    Ich finde es ebenfalls peinlich, wenn Unternehmen sich nicht die Zeit nehmen eine derart zentrale und wichtige Platform zu betrachten.

    Außerdem kann man beim Anlemden gar nciht übersehen dass es zwei möglichkeiten der Registrierung gibt. (Ja die zweite Möglichkeit (nicht-person) teilt sich nochmal auf, ich weiß).

    Ich selber (als nicht-pr-meister oder social-media-experte) habe ein persönliches profil und zwei seiten auf FB, meine bessere hälfte ein persönliches Profil, eine Seite und ein Unternehmen.
    Dass bei der Registrierung zu unterscheiden war wirklich nicht schwer 🙂

    Liebe Unternehmen: nehmt euch mehr Zeit!

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  11. Andre

    Hallo die Herren. (Frauen hab ich hier jetzt keine gesehen)

    Ich bin Alleinunterhalter in der geschätzten und sehr angesehenen Versicherungsbranche.

    Ich bin privat bei Facebook und seit kurzem mit einer Firmenseite (glaube habe Firma angegeben:-) obwohl Fan kann man bei mir nicht werden.

    Über meine Firmenseite wurde ich bisher gefunden, aktiv wollte ich jetzt nicht auf die Leute zugehen. Bin auch eher für eine private Nutzung bei Facebook. Aber so wie die Zeit rennt dachte ich mir warum nicht? Der E-Mailkontakt zu meinen Kunden wird ständig mehr, habe jetzt eine Kundin die ist ü 75 J. und schreibt mir Mails, HUT AB! Und wer sagt nun das es nicht auch Kunden gibt die, wenn sie gerade bei Facebook sind mir, was auch immer, schreiben wollen?
    Bei Xing gibt’s auch Seminare „Umsatz steigern mit Facebook“ Das muss nun ja nicht sein, aber als Kontaktmöglichkeit für die Kunden ist es doch nicht so schlecht, oder ?

    Grüße

    Andre

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