Die Art und Weise wie Blogs in den vergangenen Jahren auftreten, ist sicher bunter, weiter und größer geworden. Blogs haben sich teilweise professionalisiert. Es kommen Neue hinzu und andere erinnern nur wegen ihrer WordPress-Installation noch an einen Blog.

Es steht außer Frage, dass Blogs eine fortlaufende Entwicklung sind. Blogs hängen an den Lebensumständen des Autors und wir Blogger bleiben von den Entwicklungen des Internets nicht verschont. Die Gestaltung der Überschriften hat sich sehr stark verändert. Es wird optimiert bis sich die Balken biegen. Ich halte Blogs tendenziell für überoptimiert, weil wir abrücken uns auf unsere Themen zu fokussieren, aber das ist ein anderes Thema.

Eine Sache, die mich stört und die ich einige Zeit praktiziert habe: Ich setzte gern mal ein Fragezeichen ans Ende der Überschrift. Ein Zustand, den man nicht verteufeln muss, den ich mir aber abgewöhnen will. Eine Fragezeichen in der Überschrift ist eine reine Bequemlichkeit, birgt jedoch Gefahren.

Bequemlichkeit

Im Laufe der Zeit bekommt jeder ein Blogger ein Gefühl für sein Baby. Genauso wie in Social Networks kann jeder Autor Reaktionen vorhersagen. Blogs haben irgendwann angefangen, aus diesem Grund ihre Überschriften in eine Frage zu hüllen. Es ist unheimlich bequem, eine Diskussion zu umgehen, indem man sich herauswindet, dass Themen lediglich in Frage gestellt werden. Es hat in der Tat funktioniert, die Diskussion konnten in Schach gehalten werden bzw. sind gänzlich abgestorben. Dabei gehört eine gute Diskussion auch und gerade in Blogs dazu, oder?

Niemand hat Lust mit Menschen zu diskutieren, die nur der Diskussion wegen »diskutieren«. Die Vorstufe von Trolls sind leider reine Zeitfresser. Kommentare in Blogs sind zwar wichtig und machen Spaß, aber wir wissen alle – die Art von Kommentar möchte keiner haben. So ist man nicht ein guter Gesprächspartner. Daher ist es unheimlich einfach dem entgegen zu wirken, indem man seine Überschrift mit einem Fragezeichen versieht.

Routine und deren Folgen

Mit dem Erfolg kommt schleichend die Routine. Wer Fragen stellt, um unbewusst kritischen Stimme zu entgehen, verliert nicht nur Kommentare in seinem Blog. Der/das Blog ist irgendwann weichgespült, was auch dazu führt, dass eine Meinung verloren geht. Können sich »Fachblogs« denn eine Meinung erlauben? Ich denke, sie sollten unbedingt! Was Blogs ausmacht, sind und waren ihre Meinung. Eine Meinung kann man vertreten und viele (semi-professionelle) Blogs sollten wieder eine Meinung haben. Ja, es darf auch mal krachen und das muss es auch. Natürlich kann ich nicht Pofalla-mäßig Shitstorms für beendet erklären. Aber welche Wendung hätte der Artikel genommen, wenn ich dort ein Fragezeichen stehen gehabt hätte? (Die Frage stand in der Tat im Raum) Sicher wusste ich auch, es wird nicht lange auf sich warten lassen, bis Gegenwind kommt. Es dauert eine gewisse Zeit, bis man ausreichend Aufmerksamkeit für einen Artikel hat, dass jemand anderes diesen für wichtig genug hält, um Einspruch zu erheben. Das ist ein normaler Vorgang und es darf sich auch mal gerieben werden, mit einer eingebauten Hintertür dauert dies vermutlich länger.

Nicht nur Rants

Ihr wisst es genauso gut, dass Rant in der Regel gut gehen. Aber die meine ich gar nicht. Es geht nicht darum, alles und jeden zu verteufeln. Wir müssen einfach wieder mehr Stellung beziehen, auch wenn dies durchaus Mal unpopulär sein könnte. Mit einer klaren Position kommen auch die Besucher zurück. Klingt doof, ist aber so.

Wenn Ihr also demnächst wieder einen Artikel schreibt, der etwas in Frage stellt: Macht einen Text. Bevor Ihr veröffentlichen klickt, löscht das Fragezeichen aus der Überschrift. Der Text sollte ohne Änderungen weiterhin stimmig zur Überschrift sein. Abschicken und schauen was passiert.

Bildnachweis: Shutterstock

Kai Thrun
Autor

Hallo, ich bin Kai - der Autor dieses Blogs. Ich berate Unternehmen, damit sie sich in ihrer digitalen Kommunikation verbessern. Ich gebe mein Wissen im Rahmen von Seminaren, Workshops und Vorträgen weiter. Als Social Media Experte kommentiere ich hier im Blog seit 10 Jahren Kampagnen, Reisen und persönliche Erlebnisse.

15 Kommentare

  1. Hallo Kai, sehr schön geschrieben 🙂 Ich denke, von einem Fachblog erwarten die meisten Fachinformationen und nicht ausschließlich die eigene Meinung. Aber weichgespült ist natürlich blöd (nicht nur beim Bloggen :-)). Eine ausgewogene Mischung aus fundiertem Wissen, eigenen Erfahrungen und spürbarer Position finde ich am besten. Dir ein schönes Wochenende!

    • Kai Thrun

      Hallo Christiane,

      die spürbare Position fehlt meiner Meinung nach häufig. Ich finde es wichtig, denn auch wenn man dann eben mit der Position nicht übereinstimmt, wird der Autor überhaupt eine Position eingenommen zu haben, honoriert. Es schafft dann vielleicht auch wieder eine höhere Stammleserschaft. Wie gesagt, mir reicht eine WordPress-Installation nicht aus, um als Blog zu gelten.

      Lieben Gruß,
      Kai

      PS: Dir auch

  2. Danke für den Artikel Kai! Die andere Seite vom Pferd ist, dass Blogger mittlerweile anfangen bewusst auf Provokation zu gehen. Auch nicht viel besser…

    • Kai Thrun

      In der Tat, es gibt eben auch Themen die „Klickträchtig“ sind. Genau dies würde ich mir als PRler aber zu nutze machen. Denn mit einem ausreichenden Rahmen an Spekulation lässt sich auch schon Aufmerksamkeit für ein Thema generieren.

      Wie immer: Das gesunde Mittelmaß.

  3. Interessanter Artikel – wobei ich es mehr so erlebe, dass Fragen in der Überschrift ganz im Gegenteil bewusst darauf abzielen, eine Diskussion in den Kommentaren zu entfachen… unabhängig davon, ob im Artikel nicht vielleicht doch eine ganz klare Meinung geäußert wird. Provokante Fragen locken die Leser einfach mehr aus der Reserve als ein paar simple Aussagen.

    • Kai Thrun

      Wenn ich hinter einer provokanten Frage das Fragezeichen streiche, müsste ich dann nicht eine provokante Aussage haben? 😉

      • Na klar. Die Leute fühlen sich durch das Fragezeichen bloß eher aufgefordert, ihren Senf dazu abzugeben. 😉

  4. Hallo,

    gute Tipps, danke.
    Ich selbst benutze solch einen Blog zB um meine Zahnarztangst niederzuschreiben, damit andere die sich genauso fühlen das lesen können und wissen das sie nicht alleine sind, durch die Kommentarfunktion können Sie mit mir sprechen und sollte der Bedarf mal wirklich groß sein eröffne ich einfach ein Forum.
    Folglich soll es eine Therapie für mich selbst sein aber auch für andere.

    LG Fabian

  5. PS: und nur so nebenbei gesagt, für einen solchen Blog reichen die „Gratis – Hersteller“ von Standard Blogs wie zB. WordPress oder Overblog vollkommen aus wie ich finde.

    LG Fabian

  6. Daran sieht man, dass auch mit Fragezeichen kritische Stimmen nicht zu umgehen sind. Und das scheint Teil der Entwicklung. Sehr schön geschrieben!

  7. Escortmann für Frauen Reply

    Hallo Kai,

    ich habe das lange Zeit gemacht und ja du hast recht. Der ursprüngliche Gedanke war doch auch das man sich kritisch mit der Umwelt auseinandersetzt und dies niederschreibt um ein paar Gleichgesinnte zu treffen. oder irre ich mich da?

  8. Ich denke genauso. Blogger sollten in ihren Posts ihr eigene Meinung vertreten. Dies gibt dem ein oder anderen Leser evetuell auch eine andere Sichtweise über Themen.
    Dies könnte durchaus eine Diskussion auslösen…

  9. Mit der eigenen Meinung ist es immer so eine Sache. Die meisten haben gar keine und wenn, dann die Falsche. Ich kann deinen Artikel nachvollziehen, das ist schon richtig, aber wozu soll das gut sein? Wenn ich mir die Medien und da meine ich die großen Onlineauftritte der Nachrichtenmagazine anschaue, dann werde ich dort überschwemmt mit persönlichen Meinungen, die ich gar nicht wissen will. Ich will die unverfälschte Information und mir meine eigene Meinung bilden. Nichts serviert bekommen. Meinungen sind zumeist kurzfristig und am nächsten Tag schon wieder hinfällig. Naja, wie auch immer: Herzlichen Glückwunsch übrigens, hab dich über Deutsche Blogcharts, Platz 4 gefunden. Wie geht so was?

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