Darf’s noch ’ne Nachricht mehr sein?!

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Heute Morgen las ich die Kolumne von Mike Schnoor @MikeSchnoor. Eine exzellente Überschrift – seit Wochen denke ich auf dem Thema rum. Einer jener Gedanken, die man wochenlang herumträgt, um zahllose Aspekte zu durchdenken, analysieren und zu beleuchten. Aber wie viel Digital vertragen wir?

Ich kann da nur für mich sprechen. Als Erstes musste ich mir klar werden, dass das angelegte Verhalten krankhaft ist. Daran ist nicht das Geringste positiv zu sehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es normal ist, im Durchschnitt 500 Überschriften am Tag zu lesen. Diese Nachrichten kommen aus einer Quelle: Meinem RSS-Reader. Hierbei sind die Datenströme von Facebook, Twitter, Skype, WhatsApp oder der guten E-Mail nicht eingerechnet.

Ich bin ein Nachrichtenjunkie

Ich hänge an der digitalen Nadel. Dem Zahn der Zeit. Ich erfahre zufällig auf Twitter von MH17, da ist das Triebwerk noch warm. Ich stehe in der Zeit am Bahnsteig in Koblenz und trete meine Heimreise an. Ich schaue die 300 Meter den Bahnsteig herunter und sende völlig gedankenlos folgenden Tweet ab

In dem Fall kann ich wenigstens sagen: Dies war in der Tat eine Nachricht. Der Rest von dem, was einem täglich begegnet, ist ein Ergebnis vom Pageview-Journalismus. Dem Zwang großer Seiten liefern zu müssen. Ein exemplarisches Beispiel ist für mich Mashable, ein US-Blog, der mal gut in der Social Media / Tech-Ecke zu verorten war. Heute bekomme ich dort bedeutende Dinge wie den Innenausbau von Luxusyachten. Das Thema ist egal, sei es noch so unwichtig – es bringt Klicks, Klicks werden bezahlt. Aber das soll ein anderes Thema sein.

Die Last von Nachrichtenfiltern

Wer nun, wie ich Nachrichten zu ausgewählten Themen hochgradig konsumiert, filtert diese nach persönlicher Relevanz und gibt sie weiter. Es sind die Linkverteiler in eurem Netzwerk, die gern etwas Neues ausgraben. Häufig sind es Menschen, die ohnehin im Nachrichtenumfeld arbeiten. Dazu gehören bekanntermaßen auch Blogger. In anderen Branchen ist es seltener so – das ist zur Erdung der eigenen Wahrnehmung praktikabel. Ich sehe dieses Verhalten als eine Berufskrankheit. Viele starten den Versuch und brechen irgendwann unter der Last der Nachrichten zusammen. Der RSS-Reader zeigt binnen Tagen tausende von neuen Beiträgen an. Beiträge, die man nicht mehr lesen will.

Working like a machine

Mit maschineller Unterstützung versuchen wir bei einem Wetteifern mitzumachen, welches wir insgeheim nicht gewinnen können. Da werden Nachrichten nach Inhalten gescannt, Trends beobachtet, Themenfelder bewertet. Der bremsende Faktor im digitalen Spitzenfeld ist aber der Mensch. Technologie hält uns selten auf, außer man rendert gerade ein Video. Ansonsten sind es wir Menschen, die den Flaschenhals in unserer eigenen Drangsalierung darstellen. Ich finde es wichtig, dass man sich dessen bewusst ist. Nimm bitte deine 5 Tipps für mehr Effektivität und geh ins Industriezeitalter zurück. »Working like a machine« ist eine rhetorische Frage eines Schokoriegel-Werbespots und keine Maxime einer Generation.

Ein eigenes Tempo finden

In einem Umfeld, wo man über Haarspaltereien diskutiert, wie viele Prozentpunkte mehr Klicks eine Überschrift geben könnte, lebt es sich auf Dauer gefährlich. Der Faktor Mensch wird selten berücksichtigt. Es mag sich verweichlicht anhören, aber wir sind nicht gleich. Wir sind nicht dafür geschaffen, dieses Wettrennen mitzugehen. Daher empfinde ich es essenziell, dass jeder seinen eigenen Takt findet. Das Tempo ist eine Sache, der eigene Dunstkreis ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Ein dürftiges Umfeld kann nicht durch höheres Tempo kompensiert werden. Ein schneller wirkendes Tempo (das meistens gar nicht schneller ist, sondern nur effektiv nach außen wirkt) kann nur durch einen positiv empfundenen Umkreis erzeugt werden. Der Rest fällt unter Quälerei und selbige gilt es abzustellen.

Wer schon mal an den Punkt gekommen ist, wo er die eigene Überforderung bemerkt, sollte diese Warnhinweise zum Anlass nehmen, etwas zu ändern. Es beginnt bei weniger Nachrichten konsumieren, Themen rauswerfen, weil es z.B. andere Leute im Umfeld ohnehin besser filtern. Oder einfach dem Internetspruch »Get a life«-Folgen. Der Umstand, dass man nicht mehr abschalten kann, weil es vielleicht unter großen Umständen nennenswerte Nachrichten gibt, sollte jedoch nicht das Ziel sein.

Ich kann nur jedem wünschen, sein eigenes Tempo, den eigenen Konsum, den eigenen Gebrauch von Technologien für sich in ein Maß zu finden, wo ihr es für Ausgewogenen haltet. Die (innere) Balance finden, ist seit jeher ein erstrebenswertes Ziel. Für die Extrascheibe Nachrichten muss aber auf der anderen Seite der Waage auch etwas stehen. Sonst geht sie verloren, die Balance.

Bildnachweis: Shutterstock

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