Wir müssen reden. Über Instagram. Über alternative Bildbeschreibungen.

Ich habe in den letzten Tagen einige Einschätzungen gelesen, die sich als nicht korrekt herausstellen und ansonsten auch eher schwierig sind. Instagram hat Ende November eine alternative Bildbeschreibung bei seinen Bildern eingeführt, die in dieser Woche den Major Rollout in unserer Region erhielt. Daher ist das Thema offenbar erneut aufgeploppt.

Soweit so unspektakulär. Was daraus gemacht wird, ist: Bei Instagram wäre nun Bilder-SEO möglich. Selbst wenn es technisch möglich wäre, sollte dies nicht eure Triebfeder sein. Es ist mir etwas sehr weit theoretisch hergeholt und nur weil es technisch Möglich wäre, darf eine Sinnhaftigkeit hinterfragt werden. Das grundsätzliche Problem ist jedoch: Es ist technisch nicht möglich. Dazu später mehr, ich möchte für euch das Thema umfänglicher durchleuchten (außerdem hatte ich den Text schon geschrieben, als ich es bemerkte).

Was ist eine alternative Bildbeschreibung?

Vorneweg. Eine alternative Bildbeschreibung ist, wie der Name sagt, eine alternative Bildbeschreibung. Sie dient Menschen, die Sehbehinderungen haben, sich besser im World Wide Web zurechtzufinden. Das WWW baut bekanntlich auf HTML auf. HTML hat eine Bild-Kennzeichnung (IMG-Tag), welcher alt-Attribut trägt (alt wie alternative). Dieses alternative Attribut hat 2 Aufgaben: Primär soll es Menschen mit Sehbehinderung den Zugang zur Information erleichtern/ermöglichen, sekundär war dieses Attribut dazu da, um bei fehlerhaften Verlinkungen der Dateien, einen Text anzuzeigen. Dies rührt noch aus den späten 90ern, wo es häufiger vorkam, dass eine Bilddatei nicht angezeigt / falsch verlinkt wurde. Ihr könnt dies gut ausprobieren, wenn man sich Webseiten in Sprachausgabe ausgeben lässt. Das Alt-Attribut eines Bildes dient der Zugänglichkeit der Information.

Genau dies passiert nun auf Instagram, wenn ihr die Seite im Browser aufruft. Es gibt keine offiziellen Zahlen, wie viel Prozent der Nutzer dies sein könnten, aber ich denke, ich kann sagen, dass die App eine durchaus hohe Verbreitung hat.

Instagram weist den Alternativentext nun im HTML-Code mit aus

Technischer Ausflug: Bilderkennung.

Mit großer Spannung las ich mehrfach, dass dieser alternative Text bei der Bildersuche einem helfen könnte. Das ist theoretisch auch korrekt und der Alt-Tag wird heute noch als Rankingfaktor für Bilder in Suchmaschinen angeführt. Wie hoch der tatsächliche Traffic für die Mehrheit letztlich ist, mag ich mal infrage stellen. Unabhängig von irgendwelchen Performance-Zahlen einer Webseite, der Alt-Tag bei Bildern gehört einfach zum Pflichtprogramm jeder Seite. Jedoch wie viele von euch da draußen machen das konsequent? Zu meiner Schande muss ich gestehen: Ich jedenfalls selten.

2019 davon auszugehen, dass ein HTML-Attribut eines Bildes, welches auf einer Plattform hochgeladen habe, die euch nicht gehört, irgendwas zur Sichtbarkeit eurer Bilder beitragen würde, dafür fehlt mir – mit Verlaub – die Phantasie.

Was sagt die Suchmaschine?

Der Text war schon geschrieben…
Hierfür muss man aber nicht einmal technisches Wissen vorweisen. Ich kann ja heute schon überprüfen, wie gut Bilder generell in den Suchmaschinen ranken. Die Bedienung einer Suchmaschine und 10 Minuten Zeit wäre ausreichend. Aufgrund seiner hohen Verbreitung habe ich Google bemüht. Ich habe mal geschaut, wenn ich haargenau die alternative Bildbeschreibung des Beispiels nehme, was ich so finde.

Ich habe das Bild jedoch bei einer Grabbing-Seite gefunden, wenn ich die exakte Bildbeschreibung googelte.

Da es sein kann, dass das Bild nicht besonders gut rankt, habe ich einfach mal auf der Seite nach Instagram.com gegoogelt. Um einen Eindruck zu bekommen, wie gut Instagram von der Suchmaschine aufgenommen wird. Ich sage es mal so: Geht so. Ich hatte aber eine Sache übersehen:

Na nu? Keine Bilder bei Google?!

INSTAGRAM SCHLIESST SUCHMASCHINEN VON DER INDEXIERUNG SEINER BILD-INHALTE AUS!

Aus der Google-Hilfe: noimageindex: Ermöglicht die Festlegung, dass Ihre Seite nicht als verweisende Seite für ein Bild angezeigt werden soll, das in den Suchergebnissen von Google erscheint.

Mehr gibt es dazu dann an der Stelle nicht zusagen. Wenn das Bild nicht im Index erscheint, ist eine Suchmaschinenoptimierung nicht möglich. Dafür muss man nicht einmal SEO sein.

Instagram ist kein Bildernetzwerk mehr

Nachdem nun die technische Ausgangslage geklärt ist, kommen wir zum „Wie funktioniert das mit den Social Netzworks?“. Instagram ist vieles, aber kein Bildernetzwerk mehr. Es ist ein visuelles Netzwerk, welches auf Videos und Bildern basiert, um die eigene Persönlichkeit / eine Marke darzustellen. Es geht bei Instagram um die Leute!

Das ist der Grund, wieso die Stories derart durch die Decke geschossen sind. Ich habe mit meinem Mini-Account eine Watch-Rate (Verhältnis Followern zu Viewern) von 30% und dies mit Sicherheit nicht, weil ich so hübsch bin oder ich so schlaue Dinge erzähle, wenn ich ein Foto von meinem tiefgefrorenen Essen mache (mache ich wirklich, aber nur von einer Marke, da ich ein lebenslanges Sponsoring anstrebe).

Instagram ist Voyeurismus in seiner Reinform. Interaktives Popcorn-TV. Selbstverständlich gibt es tolle Bilder dort und großartige Fotografen und kreative Story-Formate, aber sind wir doch mal ehrlich: Beißt sich die Hochglanzfoto-Account-Vorstellung nicht mit eurer „Wir sind super authentisch, es muss nicht immer Hochglanz sein“-Strategie?

Menschen mit Sehbehinderung werden es euch danken

Für wen ist der Alternativtext dann aber? Für Menschen mit Sehbehinderungen! Das ist so verrückt, dass es Instagram direkt als Hilfe dazu geschrieben hat. Es klingt wirklich unspektakulär. Aber wie wäre es, dass eine minimal höhere Chance besteht, dass Menschen mit Sehbehinderungen eure Inhalte konsumieren können? Mehr Follower sind immer noch kein Marketing-Ziel – tut mir leid.

Aber wo wir schon beim Thema alternativer Beschreibungen sind. Ihr könntet in dem Zuge mal eure Blogs, Magazine und Webseiten checken, bei welchen Bildern euch noch ein Alternativtext fehlt. Das würde mich freuen und wenn eure Seite indexiert wird, gibt’s ein paar Pünktchen beim Bilder-SEO…

Kai Thrun
Author

Hallo, ich bin Kai - der Autor dieses Blogs. Ich berate Unternehmen, damit sie sich in ihrer digitalen Kommunikation verbessern. Ich gebe mein Wissen im Rahmen von Seminaren, Workshops und Vorträgen weiter. Als Social Media Experte kommentiere ich hier im Blog seit 10 Jahren Kampagnen, Reisen und persönliche Erlebnisse.

1 Comment

  1. Gut gebrüllt, Löwe! Nein, ernsthaft, das ist gut geschrieben.

    Als ich noch bei Instagram einen Account hatte, hatte ich natürlich Bilder geteilt. Die sollten meine paar Follower auf meinen Blog aufmerksam machen. Die haben fleißig Likes dagelassen, aber sonst war nix. Die haben auch Likes dagelassen, als ich mich von Instagram verabschiedet hatte.

    Die Plattform ist in meinen Augen höchst oberflächlich. Da bevorzuge ich dann doch eher meinen Blog. Dort ist der allergrößte Teil der Bilder mit Alt-Attributen versehen. Ich finde, jeder sollte die Möglichkeit haben, einen Artikel vollst konsumieren zu können. Wenn mir ein Bild ohne Alt unterkommt, korrigiere ich das.

    Grüße
    Henning

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