Während die Presse vorwiegend damit beschäftigt ist in Deutschland eine EHEC-Panik zu instrumentalisieren, dreht sich bei der “was mit Medien”-Berufsgruppe viel um die Bahn. Morgen ab 6 Uhr wird die Bahn twittern einen weiteren Servicekanal unter @db_bahn besetzen. Die Reaktionen waren unterschiedlich von berechnet bis hämisch, positiv wie negativ. Oder gleichgültig.

Hellsehen wird the next big thing 😉

Es ist schon etwas paradox. In vielen Blogs las man monatelang wie wichtig doch der Einsatz in Social Web-Umfeld wäre. Nun ist es soweit, dass ein großes Unternehmen sich den Spielfeld widmet. Der Prozess bis dorthin hat 9 Monate gedauert und das ist für ein so ein großen Laden wie die Bahn schon schnell. Ich halte zwar persönlich auch nicht viel von der Bahn als Verkehrsmittel, allerdings wegen der Passagiere und nicht wegen dem Dienstleister.

Angesichts dessen, dass man ja neuerdings kein (Social Media-)Fachpersonal benötigt (wie die Fachpresse ja ständig schreibt schmiert), verstehe ich die Aufregung nicht. Einigen kann man ablesen, dass es sie ankotzt, dass sie den Etat nicht bekommen haben. Andere verurteilen es bereits, bevor es überhaupt losgegangen ist. Woran liegt das eigentlich? Es ist noch nicht ein Tweet geschrieben worden. Gebt den Leuten doch wenigstens eine Chance, die Chance, die ihr ihnen so lange vorgehalten habt. Dem Esel die Mohrrübe wegziehen indem Moment wo er zubeißen möchte, dass ist keine Fairness.

Selbst im Falle, dass es bei der Bahn die erste Woche nicht rund läuft. Und? Who cares? Deswegen werden die Züge nicht schneller, pünktlicher oder zuverlässiger fahren. Das Ticket wird nicht teurer. Angenommen der Zug hält aufgrund einer Signalstörung auf freier Strecke und ihr habt kein Empfang – ist dann der Provider oder die Bahn schuld?

Ich freue mich, dass die Bahn auf Twitter aktiv wird. Social Web ist mehr als eine Facette von Marketing und Service. Ich hoffe, dass die Bahn einen weiteren Stein ins Rollen bringt und andere Unternehmen genau deswegen nachziehen. Groß wie Klein – in welcher Branche auch immer.

Feel free – do what you want to do.

Kai Thrun
Autor

Hallo, ich bin Kai - der Autor dieses Blogs. Ich berate Unternehmen, damit sie sich in ihrer digitalen Kommunikation verbessern. Ich gebe mein Wissen im Rahmen von Seminaren, Workshops und Vorträgen weiter. Als Social Media Experte kommentiere ich hier im Blog seit 10 Jahren Kampagnen, Reisen und persönliche Erlebnisse.

11 Kommentare

  1. Well written, einziger Kritikpunkt meinerseits: Am Wochenende wird nicht getwittert.

    • Kai Thrun

      Danke. Kritik ist ja in Ordnung. Ich verstehe deinen Standpunkt, ich würde es auch „cooler“ finden. Aber für’s Wochenende wird auch wieder Personal benötigt und dann kann ich das schon verstehen. Soll die Truppe sich erst mal unter der Woche einarbeiten, ein Gefühl bekommen – danach kannst Du eine Ebene nach schieben für unter der Woche, die „early adopter“ machen dann am Wochenende.

      Lieber langsam in Schritten als alles auf einmal und dann die große Bauchlandung. Wie gesagt, ich kann beide Seiten verstehen.

      • Ich weiss ja nicht, was die Bahn da alles zwitschern will, aber dass man am Wochenende drauf verzichtet, ist doch zumindest anfangs okay. Jeder braucht seine eigene Lernkurve – so auch die Bahn. 😉

        Ich habe Twitter durchaus als guten Marketing Kanal kennen und schätzen gelernt (aus Sicht des Konsumenten gesprochen).
        Ein klasse Beispiel dafür ist „Air New Zealand“ (rein subjektiv aus meiner persönlichen Erfahrung natürlich), die mit @grabaseat „nicht ausgebuchte Flüge“ zu billigsten Tarifen auf den Markt werfen, mit @AirNZ_Deals Sonderangebote promoten oder mit @AirNZFairy die Meilensammler bei Laune halten. Generell ganz gutes Marketing.

      • Ich verstehe die Seite der Bahn auch und gehöre nicht zur Gruppe der Pauschaldraufhauer.

        Der Start ist schon mal sehr gut gelungen. Wenn die Bahn so weiter macht, sehe ich hier gutes Potential. Daumen hoch.

  2. Tim krischak Reply

    Sehe ich genauso. Das ständige Draufhauen zwecks Selbstdarstellung ist kontraproduktiv und bringt das Thema Social Media nicht weiter.

  3. Es ist mutig. Das Echo wird heftig werden. Umso mutiger ist es, sich trotzdem den Social Media Möglichkeiten zu stellen. Wenn es die Bahn schafft mit dem Trollauflauf auf gute Weise fertig zu werden, wird das die Reputation stärken.
    Ich bin gespannt.

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