In meinem letzten Twitter-Artikel schrieb ich über die Grundlagen mit dem Dienst selbst, wozu Hashtags (Schlagwörter) dienen können, den Unterschied zwischen Replys und Direct Messages. Diesmal möchte ich mich mit der Qualität von Accounts und deren Merkmale auseinander setzen. Eines Vorweg: Eine allgemeingültige Regel gibt es nicht. Das liegt daran, dass Twitter extrem unterschiedlich genutzt wird, wie 30 Leute auf dem SummerCamp feststellen mussten.

Kennzeichen Ratio

Viele werden den Begriff „Ratio“ aus anderen Themen kennen. Die Ratio beziffert ein Verhältnis zwischen 2 Kennzahlen. Im Fall von Twitter wird die Ratio anhand der Follows und Follower errechnet. Wo ich diesen Artikel schreibe folge ich 168 Accounts und mir folgen 1361 „Leute“ / Accounts. Rechnet man nun anhand der Zahlen eine Ratio aus kommt man auf ein Verhältnis von 8,1. Auf ein Follow kommen 8 und ein Keks Follower.
Zahlen sind zwar schön und gut, man kann dann noch mit Denglisch rumschleudern bis der Letzte nichts mehr versteht. Die Zahlen sind jedoch teilweise auch trügerisch und eben wenig „social“.

Unterschiede

Hohe Ratio
Eine hohe Ratio fängt für mich, und ich schreibe bewusst für mich, jeder wird dies subjektiv anders bewerten, bei 1:5 an. Jemand folgt 200 Accounts und hat selbst 1000 auf der Uhr. Ein Account der einen Mehrwert bietet, aufgrund der Information – oder aber ein Personenaccount einer bekannteren Person. Da sollte man dann noch selbst entscheiden können, ob man die Person mag oder eben nicht.

Normale Ratio
Eine normale Ration bewegt sich im Feld 1:1,5 – 1:4,9 – 1:1,5 deswegen, da man auch sehen muss, wer dort Twitter, was für ein Account es ist und welches Ziel dieser Account eben bewirken soll. In der Gattung sind meist die normalen Privataccounts anzutreffen, welche aus Lust an der Freude betrieben werden.

Ausgeglichene Ratio
Eine ausgeglichene Ratio von 1:1 oder kurz darüber sind für im privaten Bereich ok, jedoch ein klares Kennzeichen dafür, dass der Account keinen Mehrwert seinen Lesern bringt. Hier würde ich, wie in allen Fällen auch, die Timeline lesen um dann für mich zu entscheiden, ob das dort geschriebene von Interesse ist oder nicht.
Unternehmenaccounts sollten eine 1:1 Ratio haben. Bei Unternehmenaccounts besteht der Unterschied darin, dass viele Manager es so halten, dass sie im Falle eines Follows dem User aus Höflichkeit zurück folgen. Was letztlich schlüssig ist, denn neben dem Streuen von Information, geht es auch darum eine Kundenbindung aufzubauen und das geht in der Regel nur, wenn man dem Kunden den Bauch pinselt.

Negative Ratio
Bullshit-Accounts. Negative Ratios heißen in der Regel nichts wirklich Gutes. Entweder versucht jemand seine virtuelle Hühnerbrust aufzublähen oder hat sonst auch nicht viel zu erzählen. Wenn jemand 2000 Leuten folgt und ihm 1000 Folgen, was eine Ratio von 2:1 entspräche, wäre es für mich ein Grund, ihm definitiv nicht zu folgen. Aber Achtung. Denn bei kleineren Accounts (unter 250) kann dies bedeuten, dass der Account (vorzugsweise Firmenaccounts) gerade im Aufbau ist und noch nicht lange existiert. Hier gilt es ebenfalls wie bei einer ausgeglichenen Ratio, ein Blick hinter die Kulissen kann nicht schaden.

Accounts mit Kennzahlen unter 250
Eine Ausnahme bilden Accounts mit Kennzahlen unter 200-250. Diese Accounts haben eine zu geringe Reichweite um eine Bewertung zu zulassen. Hier dürfte sich das größte Brocken der privaten Accounts bewegen, und Firmenaccounts befinden sich in der Regel noch in der Entwicklung.

Fazit

Anhand 2 Zahlen kann man schon viel auseinander halten. So kann man bei Sergej @wpSEO sehen, dass er einen Mehrwert bietet (und vorher schon eine große Reichweite im Netz hatte). Ich habe nicht nachgesehen, aber seine Ratio müsste so bei 1:300 liegen. Was nicht bedeutet, dass das dort getwitterte Dir zusagt. Ich halte es auch für wichtig, bei privaten Accounts eine gewisse Grenze an Follows zu ziehen. Ganz anders sieht es hingegen dabei aus, wenn man z.B. Redakteur ist. Hier folgt man mehr Accounts um eben mehr Nachrichten zu aggregieren. Ein Beispiel wäre hier @Wissenssucher.

Nochmal zum Nachlesen: Die angegebenen Zahlen sind nicht allgemein gültig. Es hängt nach wie vor davon ab, wie man seinen Account nutzt, was man mit ihm machen möchte und wie ernst oder nicht ernst man Twitter als Medium sieht.

Im dritten Teil werde ich dann darüber schreiben, welche Möglichkeiten es gibt, seinen Account mit einem Mehrwert zu versehen und welchen Unfug man lieber lassen sollte.

Kai Thrun
Autor

Hallo, ich bin Kai - der Autor dieses Blogs. Ich berate Unternehmen, damit sie sich in ihrer digitalen Kommunikation verbessern. Ich gebe mein Wissen im Rahmen von Seminaren, Workshops und Vorträgen weiter. Als Social Media Experte kommentiere ich hier im Blog seit 10 Jahren Kampagnen, Reisen und persönliche Erlebnisse.

19 Kommentare

  1. Hi!
    Mich würde (noch) interessieren,

    a) wo Du (persönlich) bei einem privaten Account die Grenze (ca.) an Follows ziehen würdest und

    b) hätte ich gerne einen extra Post von Dir (biiittteeee 😉 ) darüber, welche Arten von Twitter-Nutzung auf dem BarCamp denn so vorgestellt wurden.

    Danke vorab!

    Beste Grüße

    @mons7

    • Kai Thrun

      Servus,

      Fluch und Segen an Twitter ist doch, dass es so „lose“ ist. Es gibt kein 100%iges richtig / falsch, schwarz / weiß.
      zu a) das hängt davon ab, wie viel Zeit ich für Twitter investieren „möchte“. Eine genaue Zahl kann man nicht ausmachen, denn die ist abhängig davon, wie viel die Leute twittern, denen ich folge. Wenn ich 200 Leuten folge, die wie ich im Schnitt 35 Tweets pro Tag loslassen, würde mir vermutlich schwindelig beim Lesen werden. Sicherlich kann man sich private Listen anlegen um die Leute, die man sicher lesen möchte, exkludiert zu sichten. Jedoch halte ich dies auf Dauer für schwierig, denn wenn mir jemand folgt, möchte ich auch, dass er meine Tweet liest. Es hängt auch von den Accounts ab. Nachrichtenkanäle z.B. könnte ich auch durchrauschen lassen. Die Frage läßt sich eben nicht konkret beantworten. Bei meinen 168 kann ich gewährleisten 90% der Tweets zu lesen. Viel mehr darüber hinaus wird in Arbeit ausarten 😉

      zu b) ich glaube das komplette Feld wurde abgeräumt. Da wende dich aber lieber an @tmmd, der hat die Session geleitet. Ich selbst war unterwegs um noch Besucher zum Bahnhof zu bringen.

  2. Account, der Mehrwert bietet…
    Ich weiß nicht recht.

    In meiner Timeline gibt es viele Frühtwitterer, die zwei Jahre Zeit hatten, vierstellige Followerzahlen anzuziehen.
    Ich bin recht spät (im Januar diesen Jahres) dazugestoßen.
    Mein Eindruck ist, dass sich Menschen hinter den Accounts mit einer hohen Ratio nicht mehr ansehen, was neue Follower tweeten, nach dem Motto „Ich kenn die Twittersphäre, was sollen mir die Neuen noch bringen“.
    Gilt sicher für diejenigen, die sich nur für Social Media Themen im engeren Sinne interessieren.

    Klar, unter den Followern gibt es eine nicht unerhebliche Anzahl von E-Book-Vertretern und Nutzern von solcher seltsamen Followergenerierungs-Software.

    • Kai Thrun

      Hallo Klaas,

      ich kann deinen Eindruck bestätigen. Den Eindruck habe ich auch und den Eindruck werden auch viele bei mir haben. Der „kleinste“ Account dem ich folgte hatte seiner Zeit 9 Follower. Das liegt aber daran, wenn ich jemandem folge, dann nicht zwingend weil er mir einen Mehrwert bietet, sondern weil die Chemie stimmt und dazu müssen schon einige Replys geflogen sein.
      Letztlich denke ich, dass macht es auch so spannend. So individuell die Person, die den Account bedient, genauso verschieden sind die Entscheidungskriterien. Wie gesagt, die Zahlen sind nicht allgemein gültig und ich werde gern darüber kontrovers diskutieren. Ich halte es u.a. für ein Thema, womit sich zu wenig beschäftigt wird. „Sie müssen erfolgreich twittern“ kann jeder heraus blasen, sich hinstellen und sagen „was erfolgreich ist“, darin liegt doch die Kür.

  3. Danke Kai für Deine Betrachtung und den Einblick in die Ratio „Verhältnis“ beziehungsweise „Quotient“ zu Twitter Accounts. Es ist ja immer so eine Sache, welchem Nutzen oder Mehrwert Twitter einen bringen kann/soll.
    Ist es eine Art Info Quelle, soll es zur Unterhaltung dienen oder einfach „nur“ ein netten Zeitvertreib sein. Jeder muss da schon schauen, was ihm interessiert oder wem man folgt bzw. lesen möchte. Kenne aber auch ein paar Leute bei Twitter, die es passiv nutzen und nur lesen möchten.

    So wie individuelle Interessen bei Menschen halt sein können…

    • Kai Thrun

      Danke Jasmin, ich habe auch Leute in meinem Umfeld, die Twitter als „Zeitung“ nutzen wie sie selbst sagen. Es ist eben nicht möglich, alle Absichten unter einen Hut zu bringen. Ich habe versucht, mich auf die „professionell“ betriebenen und Aggregationsaccount zu beschränken 🙂

  4. JensSchnauber Reply

    Interessante Infos. Habe ich auch schon viel drüber nachgedacht.

    Wie wäre es zudem mit einem Ratio zwischen Follower und Anzahl Tweets?

    Wenn einer 2000 Follower hat, aber 15.000 Tweets halte ich ihn für nicht folgenswert. Das ist halt (wahrscheinlich) ein Vieltweeter bei dem im Laufe der Zeit einige hängen geblieben sind.

    Hat aber einer 2000 Follower bei 500 Tweets ist er hächstwahrscheinlich wertvoll.

    Ich habe mit dieser Ration bisher auch gute Erfahrungen gemacht.

    • Kai Thrun

      Interessante Herangehensweise. Durchaus ein Indikator den man mit aufnehmen und vielleicht sollte. Ich schaue ab und an mal darauf, aber wie heißt es so schön „jetzt wo Du’s sagst“.

      Danke für den Zusatz!

      • Sehe ich anders. Für mich ist eher eine besonders niedrige Zahl an Tweets ein Kriterium was gegen einen Follow spricht. Aber das muss ja nix bedeuten 😀

        Ansonsten dürfte ich einem gewissen @derWebarchitekt nicht folgen 😉

    • Ein sehr interessanter Aspekt den man sicher im Auge behalten sollte. Danke

  5. … ich habe mir im Laufe des Morgens nochmals Gedanken gemacht, an was ich die Qualität eines Twitter-Accounts (bzw. dem Getwitterten des/ der Menschen dahinter) festmache.
    … und dabei festgestellt, dass ich hier einen entscheidenden Unterschied mache zwischen
    Accounts deren Inhaber ich persönlich kenne und solchen
    die ich lese, weil mich die Inhalte interessieren.

    Gravierende Bewertungsunterschiede.

    Ich denke, wir reden hier von Zweiteren, oder?

    … need to think more about subject..

    P.S… komischerweise reagiere ich zur Zeit nicht so „allergisch“ auf Quotenfragen wie hier: http://lernspielwiese.wordpress.com/2010/04/24/hauptsache-die-quote-stimmt/

  6. Danke für den schönen Beitrag, Kai.

    Ich persönlich halte das sehr individuell. Aber Accounts, die mind. sovielen Leuten folgen, wie ihnen selbst gefolgt wird („Bullshit-Accounts“), sind mir stets erstmal suspekt.

    Wem ich selbst folge mache ich allerdings von vielen Faktoren abhängig. Jedenfalls habe ich für mich 300 als absolute Obergrenze der Anzahl von Leuten gezogen, denen ich folge. Und ich denke, das ist schon hoch gegriffen. Daher wische ich auch in regelmäßigen Abständen feucht durch, um Platz für Neues zu schaffen. Es ist ein nie endender Prozess.

    Ich finde gut, dass man nicht alles in Formeln packen kann. 🙂

    • … „feucht durchwischen“ finde ich ja schon wieder einen netten Ausdruck … :bravo:

      Wie machst Du das genau?
      Gehst Du per Hand Deine Followees durch… und schmeisst die raus, die dir (nix) mehr sagen?
      Oder lässt Du das eine oder andere Programm drüberlaufen?

      Beste Grüße

      … gehe dann auch mal durchwischen :maul:

      @mons7

      • Auf jeden Fall gehe ich da von Hand durch! Ist ja auch nicht böse gemeint. Aber Zeiten ändern sich, Interessen ändern sich, Twitterer ändern sich und/oder schreiben nichts mehr (Jeder der zum letzten Mal 2009 getwittert hat, muss nicht mehr zwangsläufig gefolgt werden, oder? 🙄 )

        :girl:

  7. Mich interessieren die Zahlen weniger, mehr der Inhalt.
    Was bringt es mir einem Account zu folgen dem noch 10000 folgen nur weil er von einer berühmten Person betrieben wird, null Inhalt bietet und keinerlei Konversation zulässt?

  8. Dann werde ich mich wohl mal outen… Ich besitze gewissermaßen einen „Bullshit Account“. Ich folge 55 Accounts und habe 42 Follower. Ok, du schriebst, dass das ganze erst ab Kennzahlen 250 aufwärts relevant wäre, aber dennoch ist das auf den ersten Blick keine schöne Ratio.
    Trotzdem gefällt mir der Begriff Bullshit Account nicht wirklich. Ich denke nicht, dass ich nur Bullshit tweete, denn in meine Ratio spielt unter anderem eine Tatsache hinein, die du in dem Artikel nicht genannt hast.
    Wie sieht es mit Leuten aus, die Twitter auch als News Aggregator nutzen? So folge ich zum Beispiel auch dem Spigel, Titanic und anderen Publikationen, die zwar unter „Firmen Accounts“ fallen dürften, aber lange nicht für eine 1:1 Höflichkeits-Ratio stehen.
    Sollte ich also sämtlichen News- & Onlineportalen entfolgen um eine „bessere“ Ratio zu erhalten?
    Dies nur mal als kleiner Aspekt zu deienr These. Ich hoffe, du verstehst die Problematik, auf die ich hier aufmerksam machen möchte. 😉

    Viele Grüße,
    Raffi

    • Kai Thrun

      Ja nur zielt der Artikel auf Accounts ab, die ein bestimmtes Ziel (semi)-professionell betreiben.

      Ob dir die Bezeichnung „Bullshit Accounts“ gefällt oder nicht, soll mir relativ egal sein. Wenn Du dich angesprochen fühlst, vermag ich Dir nicht wirklich helfen wollen. Ich würde eher behaupten, Du betreibst einen „reinen“ privaten Account. Irgendwo im Artikel stand glaube ich auch, dass die Thesen nicht allgemein gültig sind.
      Würde ich jetzt auf die Idee kommen jede Klassifizierung von Accounts auseinander zu pflücken, sollte ich vielleicht mir ein Jahr Zeit nehmen und ein Buch schreiben.
      Ich mein Twitter ist wie ein Auto. Mit einem Kleinwagen mache ich andere Dinge wie mit einer Limosine oder einem Geländewagen.

      Ich verstehe dich durchaus, aber was sind 13 Accounts unterschied? Ich mein, dass ist gerade mal die Summe an schlechten Tagen der Leute, die mir unfollown. Von daher – das mit den Zahlen ist auch nur ein Anhaltspunkt. Ich halte nicht viel von dem Versteifen auf Zahlen – egal in welcher Form. Der kleinste Account hatte letztens 4 Follower und eine verdammt miese Ratio. Ich lebe noch 😉

      Im Marketing-Guide steht noch ein schöner Artikel, den ich kurzum unterschreibe. Es kommt nicht darauf an, wie viele dir folgen, sondern wer

      • Das mit dem semi-professionell muss mir entgangen sein und ja, ich betreibe eher einen kleinen privaten Account.
        Ich wollte hier auch keineswegs, die Qualität deiner Beiträge in Frage stellen oder einen Diskurs entfachen. Waren halt nur meine Gedanken zum Thema. 😉
        Mit dem wer bin ich eigentlich auch zu Frieden. 🙂 Mal sehen, vielleicht kommt ja eines Tages der Punkt an dem ich auch zur (semi-)professionellen Nutzung übergehe. Dann meld‘ ich mich noch mal zu Wort. 😉

        Viele Grüße,
        Raffi

      • Kai Thrun
        CiT

        Och ich liebe eigentlich diese Diskussionen, weil sie meiner Meinung nach den höchsten Wert an Informatiostransport haben. Wie gesagt, ich kann deine Gedanken gut verstehen, aber irgendwo muss man halt eine Linie ziehen.

        Du ich habe viele Leute in meinem Umfeld, die Twitter passiv nutzen. Ich denke um die Erläuterung des „Bullshits“ etwas einzukreisen, sind es letztlich qualitativ Accounts du nicht zur Konversation einladen. Die von dir angesprochenen Accounts gehen halt mehr so „one way“. Wie gesagt, man könnte ein Buch darüber schreiben, vielleicht mache ich das irgendwann – aber dieses Jahr nicht mehr.

        Wenn dir die Qualität der Beiträge nicht gefällt, also ansatzweise, dürfte ich dir vermutlich nicht in den Kommentaren begrüßen 😉

        Danke für deine Meldung, denke könnte zukünftig auch mit anderen Stammlesern zu spannenden Austäuschen führen (was ich sehr begrüße).

        Beste Grüße,
        Kai

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