Wie das Internet mein Leben verändert

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Ich durfte kürzlich in einem Interview zu meinem Arbeitsumfeld, Arbeitsweise und Sozialverhalten spannende Fragen beantworten. Dieses Interview fand im Rahmen einer Diplomarbeit statt, nur damit ihr es einordnen könnt. Das ist nichts besonderes, bis man beginnen muss sich selbst zu reflektieren.

Wann bist Du das erste Mal mit sozialen Medien in Kontakt gekommen? Gute Frage, zählt AOL? Und wie hat Social Media dein Leben verändert? Zwei Fragen, die mich zum Nachdenken brachten. Social Media oder das was wir heute als Internet bezeichnen begleitet mich ja schon ziemlich lange. Ich habe die ersten Leuten über das Netz 1997 kennen gelernt. IRC-Server waren vielleicht nicht ganz so sozial, wie wir uns das heute vorstellen: aber AOL? AOL hatte Chatlisten, Chaträume, ein Nachrichtensystem und einen eigenen Client. Ich habe Jahre an Lebenszeit dort verbrannt. Meine Stationen führten über das Pro Gaming hin zum E-Commerce, wo ich etwa 2007 zum Corporate Blogging am um irgendwie ins Marketing abzurutschen. Dies führte letztlich dazu, dass ich meinen Webentwickler-Dasein an den Nagel hängte (weise Entscheidung).

Diffusion Innovations Rogers

Die Diffusionstheorie nach Rogers

Autodidakt und Innovator

Social Media und die intensive Nutzung des Netzes zeichnen einen großen Zeitfresser in meinem Leben. Ich meine jetzt nicht als TrashTV-Smartphonejunkies, denn das bin ich hoffentlich nicht. Ich wohne nun in Koblenz aus beruflichen Gründen. Ich wohne hier weil ich Bock habe, an einer Social Media Kommandozentrale mitzuwirken. Ich schreibe einen Blog, weil ich es kann, weil ich es will und weil schreiben manchmal auch eine wunderbare Therapie ist. Ich nutze die heutigen Netzwerke intensiv. Ich sehe mich aber nicht als „Early Adopter“, sondern musst irgendwann erkennen: ich bin die 2,5% davor – die Innovator. Ich gehöre zu den Leuten, die einen Dienst testen, weil er existiert und nicht weil Experten darüber sprechen. Klingt total wichtig oder? Völliger Blödsinn, es ist ja nichts daran wichtig oder schlau, nur weil man früh einen Dienst testet oder etwas Neues ausprobiert. Es ist schlicht und ergreifend eine Typfrage. Hin und wieder muss man sich aber auch mal hinsetzen und sich einordnen, sonst verliert man den Kontakt zum Otto-Normal-Internetuser, der ich definitiv nicht bin. Zurück zum Thema.

Viele Bekannte, einige Geschäftspartner , wenige Freunde

Das Internet als solches spielt also einen großen Teil in mein Leben. Ich habe durch Social Media neue Freunde gewonnen. Ich meine Freunde, die man zu selten sieht, aber dennoch über sehr private Dinge spricht. Es mögen vielleicht nur 2-3 sein, aber das funktioniert auch über das Internet. Wir besuchen uns gegenseitig oder ich fliege mit „den Leuten aus dem Internet“ in den Urlaub, wir feiern Silvester zusammen oder kooperieren beruflich. Und ich bin mir sicher, es geht nicht nur mir so. Nickt einfach leise, wenn es euch ähnlich geht. Ist doch super, oder?! Keine Sorge, mir geht’s gut – ich habe auch noch Freunde, die nicht online sind.

kleine Vorzüge und Bauchpinseleien

Ich finde es herrlich. Ich finde es super, wenn ich z.B. ein Monitor testen kann, einfach weil es mich interessiert. Was völlig banal klingt und vermutlich auch ist, ist aber die Tatsache, dass ich es einfach tun kann. Keiner meiner Freunde tut dies sonst (Hardcore-Blogger mal ausgenommen), also ich meine die im Offline-Umfeld. Und machen wir uns nichts vor, natürlich ist es auch charmant hin und wieder ein Interview zu geben oder seinen Namen in irgendwelchen Printerzeugnissen wiederzufinden. Es heißt ja auch irgendwie, dass das was man tut, nicht völliger Schmarrn ist. Dies ist dann irgendwie auch nicht so unwichtig in beruflicher Hinsicht.

Global, National, Regional

Die Nationalfahne wird  von Dorfbewohnern zum Nationalfeiertag (2.12.) auf die Berge gemalt

Die Nationalfahne wird von Dorfbewohnern zum Nationalfeiertag (2.12.) auf die Berge gemalt

Was ich richtig, richtig knorke finde – ich kann überall auf der Welt Menschen mit meinen belanglosen Fragen nerven. Ich habe Bekannte in den Emiraten, die ich hoffentlich beim nächsten Besuch treffe. Ich kann sie alle Löcher über das Land in den Bauch fragen. Wieso haben manche Taxen in Dubai rosa Dächer, wieso ist die Nationalfahne auf einem Berg gepinselt und wie komme ich in die Berge? Ich sitze 6000km entfernt. Ich kann dies natürlich mit fast jeder Stadt oder Land auf der Welt tun, so wie ich mich in Koblenz auch ständig auf Twitter erkundige. Ich finde das großartig, weil es mir einfach irrsinnig Spaß macht, neue Leute, andere Mentalitäten und deren Gepflogenheiten zu erkunden oder einfach die Abkürzung über den Erfahrungsschatz eines anderen zu nehmen. Man muss ja nun nicht alles selbst rausfinden.

Wie ich mich veränderte

Ich habe nun genug darüber geschrieben, was man mit diesem Internet alles anstellen kann und wieso ich es dufte finde. Aber wie hat es mich verändert? Ich würde behaupten, dass ich wesentlich gelassener geworden bin. Ich bin aber auch bewusst, dass man sich selbst ja meist etwas besser sieht als es vielleicht in Wirklichkeit ist. Aber die vielen Grabenkämpfe in XING-Gruppen, das Bashen auf Gamingservern, Flamewars in Foren. Sie haben alle ihre Spuren hinterlassen und ich kann inzwischen ganz gut um mit Kommunikation. Ich habe sehr viel lernen dürfen über E-Commerce, Marketing, Schreiben, Grafiken, Bildgestaltung, Fotografie oder wofür diese 3 Fächer in dem Schub der Waschmaschine wohl sind. Ich habe meinen Heiratsantrag über Virgin Radio Dubai machen dürfen, als sie auf der Arbeit und ich zu Hause in Deutschland gewesen bin. Es war ein Zufall als ich mit der Moderatorin der Show auf Twitter ins Gespräch kam.

Ein Geschenk sind die viele Sichtweisen

Ich sehe die Welt mit anderen Augen. Ich glaube, dass viele Vorurteile durch die intensive Auseinandersetzung mit der Außenwelt fallen. Ich bin aber auch sicher, dass dadurch Neue (unbemerkt) sich einschleichen. Ich bin toleranter geworden und viele Dinge sind mir einfach gleichgültig. Mach was immer du möchtest und sei dabei häßlich, dick, groß, bunt, laut, schrill, leise – sei was Du willst, Du musst wegen mir nicht in irgendein Format passen. Nur eines: Wenn ich kein Interesse daran habe, musst Du es einfach akzeptieren, wie ich es tue, dass Du etwas tust, was mich allerdings nicht interessiert.

Ich bin auch milder in meinen Urteilen geworden. Dies mag auch daran liegen, dass ich an Alter zulege – was ja unweigerlich auch eine Rolle spielt. Ich kann aber auch die Meinung eines anderen eher akzeptieren. Das war nicht immer so. Ich bin deswegen nicht besser geworden (wenn besser überhaupt gibt), ich habe mich nur verändert, so wie wir uns alle im Laufe der Jahre verändern. Und ja – ich glaube, die vielen Einblicke in andere Denkweisen, Lebensweisen und Ansichten haben einen großen Teil dazu beigetragen. Das wichtigste aber: Ich sitze dabei immer in der ersten Reihe und kann ungefiltert fragen, wenn ich etwas nicht verstehe.

Ich hoffe, dass bleibt alle noch so eine Weile. Ich möchte noch viel entdecken und mein Wissendurst wird auch die vielen tollen Barcamps nicht gestillt werden. Ich freue mich jetzt schon darauf in Zukunft noch viele tolle Menschen kennen zu lernen und die irgendwie nach vorne zu bürsten. Ich finde, dass ist auch irgendwie unsere Aufgabe – das Positive nach vorn kramen, für den doofen Kram auf dieser Welt haben wir Nachrichten. Aber man muss sich nicht alles gefallen lassen, nur überall draufschlagen geht eben auch nicht.

Hach, Internet du bist so alltäglich und aufregend zugleich <3(Bildnachweis: Concept image with What is Your Story printed on an old typewriter, shutterstock)

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