In den letzen Wochen kam ich in die Versuchung ein Buch zu schreiben. Da ich keinerlei Erfahrung auf dem Gebiet habe und ich wissen wollte, wie sich das so entwickelt, habe ich jemanden gefragt. Viele von euch werden Vladimir Simonic (@vlad_perun) kennen. Ich habe Vladimir 2-3 Fragen stellt und natürlich auch, ob ich nach dem Buch in Ruhestand gehen könne.

Vladimir, stell dich bitte kurz vor.

Vladimir Simovic ist mein Name, bin Baujahr 1973 und seit Juli 2003 Selbständig. Zuerst neben- und dann ab Mai 2004 hauptberuflich. Seit Januar 2004 beschäftige ich mich mit WordPress. Im September 2008 bin ich dann unter die Unternehmer gegangen und habe zusammen mit meiner besseren Hälfte die perun.net webwork gmbh gegründet.

Wir bieten diverse Dienstleistungen rund um WordPress: Optimierung und Wartung bestehender Installationen, Umsetzung von Layouts, Schulungen etc. Aber auch Erstellung von Dokumentationen oder Umsetzung von CSS-Layouts gehört zu unserem Leistungsspektrum.

Im Laufe der Jahre sind dann auch ein paar IT-Facbücher u.a. zum Thema CSS und WordPress zu Stande gekommen.

Wenn jemand, wie ich, mit dem Gedanken spielt ein Buch zu schreiben, was würdest du ihm raten?

Ich würde ihm raten: tue es! und würde das ganze noch durch zwei Alltagsweisheiten flankieren 🙂

Es gibt nix Gutes, außer man tut es.

und

Lieber sich über etwas ärgern, was man getan hat, als sich über etwas zu ärgern, was man nicht getan hat.

Jetzt Spaß bei Seite. Ich würde im persönlichen Gespräch fragen, warum derjenige ein Buch schreiben möchte und was er sich davon erhofft? Vielfach sind die Erwartungen falsch oder zu hoch gesetzt.

Als Autor von IT-Facbüchern verdient man nicht viel und in vielen Fällen ist es auch so, dass der erwartete Werbeffekt für die eigentliche Tätigkeit gänzlich ausbleibt oder sich nur in homöopathischen Dosen manifestiert. Wer aber Freude daran hat anderen Personen Wissen zu vermitteln, der sollte ein Buch schreiben, denn sonst hält man die monatelange Arbeit, die man neben der eigentlichen Arbeit erledigt, nicht durch.

Und sicherlich, auch heute noch ist ein Fachbuch eine sehr interessante Referenz, die sich im Lebenslauf gut macht … zumindest gehe ich davon aus. Hier wäre interessant, wie Leute aus Personalabteilungen dies sehen.

Wie findet man einen Verlag und worauf sollte man achten?

Die Verlage sind heutzutage alle im Web vertreten und einige der Verlagsmitarbeiter sind auch häufig auf diversen Veranstaltungen, Kongressen und sogar auf BarCamps anzutreffen. Ich würde mich über die Verlage informieren: was die so machen, welche Reihen die publizieren, kenne ich die Autoren, die dort schreiben, sind die mir sympathisch etc. Man sollte hierbei, wie so oft im Leben auf sein Bauch hören.

Anschließend sollte man ein Konzept ausarbeiten und damit bei Verlagen anklopfen. Wobei vielfach ein gut ausgearbeitetes und kommentiertes Inhaltsverzeichnis ausreicht. Und dann wünsche ich dir viel Glück. 🙂

Wird man durch ein Fachbuch reich? Bzw. lohnt sich der Aufwand?

Vladimir Simovic
Das hängt von vielen Faktoren ab. Zum einen hängt das davon ab, was du für dich selber als finanziell erfolgreich definierst und zum anderen hängt es auch davon ab wie gut sich das Buch verkauft. Hier ein paar Daten, damit man sich ein besseres Bild machen kann. Je nach Vertrag bekommst du als Autor ca. 5-6% des Ladenpreises ab.

Kostet also das Fachbuch im Laden 30 Euro, dann bekommst du als Autor somit zwischen 1,50-1,80 Euro. Die allermeisten Auflagen bei den IT-Fachbüchern starten bei 1.500 Exemplaren, speziell bei Erstautoren oder bei neuen Werken, wo man nicht wirklich abschätzen kann, wie gut sich das Buch verkaufen wird.

Verkauft sich die komplette Auflage innerhalb eines Jahres, was schon mal sehr gut ist, dann hast du als Autor zwischen 2.250 bis 2.700 Euro verdient … brutto, logischerweise. Und an so einem Buch hast du dann unter Umständen 3-5+ Monate gearbeitet. Und vielfach verkauft sich die komplette Auflage nie und dann wird verramscht.

Verbessern kannst du das Ergebnis, in dem du dich bei VG Wort anmeldest. Je nach Verbreitung des Buches (im Verkauf und bei den Landesbibliotheken) bekommst du noch einmal einmalig bis zu paar hundert Euro als Tantiemen ausgezahlt.

Wie du siehst, ist das nicht wirklich viel. Ein mittelgroßer Webdesign-Auftrag bringt da schon mehr ein. Das ist auch einer der Gründe warum viele Autoren, die auch eine Website haben, die Bücher per Partnerlink (Amazon, Verlag etc.) verkaufen. Nicht aus Gier, sondern lediglich aus der Intention, die investierte Arbeit und den Erlös einigermaßen ins Gleichgewicht zu bringen.

Nur so am Rande, wusstest du eigentlich, dass beim Handel bis zu 50% des Buchpreises hängenbleiben?

Also: rein aus der finanziellen Sicht lohnt sich das Schreiben der IT-Fachbücher für den deutschsprachigen Markt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht wirklich. Denn was man nicht vergessen darf, ist dass das ganze Segment sehr dynamisch ist. Neuauflage eines z. B. WordPress-Buches bedeutet für mich als Autor, dass ich große Teile des Buches neu schreiben muss.

Deswegen sagte ich bereits weiter oben, dass man die materiellen Erwartungen nicht so stark in den Vordergrund rücken sollte, weil man danach enttäuscht sein könnte und das wäre schade.

Sehe es lieber so, dass du mit einem Buch etwas für dich persönlich tust. Sollte sich das ganze im nachhinein direkt oder indirket auch finanziell lohnen … um so besser.

Danke Vladimir für deine ausführlichen Worte und deine Zeit. Ihr erreicht Vladimir unter @vlad_perun oder über seine Webseite.

Kai Thrun
Autor

Hallo, ich bin Kai - der Autor dieses Blogs. Ich berate Unternehmen, damit sie sich in ihrer digitalen Kommunikation verbessern. Ich gebe mein Wissen im Rahmen von Seminaren, Workshops und Vorträgen weiter. Als Social Media Experte kommentiere ich hier im Blog seit 10 Jahren Kampagnen, Reisen und persönliche Erlebnisse.

6 Kommentare

  1. Interessantes Interview. Ich selber habe noch kein Buch geschrieben, würde aber ein WordPress, Webdesign und Co. lastiges Buch eher als eBook anbieten. So verdient man den vollen Preis, muss den Preis nicht auf 30€ setzen und dann nur 1-2€ verdienen. Sondern für 10€ verkaufen. So würde ich das machen.. 😉

    Grüße, Vincent

  2. Wie Perun schön belegt, lohnt es sich finanziell eher weniger. Aber wenn man ein Buch schreibt, mal im Ernst, dann sollte da doch was rumkommen. „Reich werden“ meine ich damit nicht. Aber hallo – Zeit ist nun Mal wertvoll und sagen wir jetzt einfach mal 3-5 Monate für wenn es gut läuft 3000€ brutto – da gibt es sicher lohnenswertere Dinge. Ich kann mir aber gut vorstellen, das es sich in Eigenregie eher lohnen würde. ebook in verschiedenen Formaten und für verschiedene Geräte.

    Ich glaube Vladimir hat bei sich auch schon darüber geschrieben.

    Ich wünsch dir, Kai, auf jeden Fall gutes Gelingen – Solltest du dich dafür entscheiden es zu machen.

    Und an Vladimir vielen Dank für die Offenheit. Auch wenn die Zahlen hier und da mal die Runde machen – So richtig darüber sprechen will auch keiner!

  3. H.-Peter Pfeufer Reply

    Sehr netter Einblick. Ich muss zugeben, ich hatte bisher auch immer die Annahme, dass zumindest beim Autor _etwas_ mehr hängen bleibt als „nur“ diese 1 – 2 Euro. Ok, reich werden dadurch, konnte ich mir bisher nicht vorstellen, aber etwas mehr schon …

  4. Hi,

    man muss aber auch bedenken das der Verlag, in dem das Buch erscheinen soll, das größere Risiko eingeht:

    Cover erstellen, Satz, Druck und Promotion kosten eben auch Ihren Preis. Wird das Buch zum Beispiel nur 10 mal verkauft hat der Verlag den größeren Verlust gemacht. Der Author hat „nur“ seine Zeit und sein Wissen investiert.

    Wie Vincent schrieb: Manchmal kann es vom Vorteil sein das man sein Buch selbst vertreibt. Ich möchte hier einmal Hagen Graf anführen: Hagen hat in den letzten Monaten einige Ebooks veröffentlicht und sich die Mühe die er dafür hatte von Sponsoren (die im Buch jeweils Werbefläche bekommen) vergüten lassen.

    Wenn es was gedrucktes sein muss, gibt es zum Beispiel http://www.lulu.com.

    Danke Kai für die Idee, einen Autor zu befragen, dies zu veröffentlichen und danke an Perun für die Offenheit. Die Zahlen 1,50 – 1,80 kann ich bestätigen und haben mich bisher noch davon abgehalten auf den Vorschlag eines Verlages einzugehen.

    mfg Markus

  5. Super Artikel, danke Kai und Vladimir.
    Er räumt auf mit dem Mythos, dass Bücher schreiben viel Geld und viele Aufträge gibt. Die Preise kann ich bestätigen, die sind auch bei anderen Verlagen so. Und der Zeitaufwand ist eher größer, wenn man es „nebenher“ machen möchte. Man kann sich ausrechnen, wie viele Seiten pro Tag komplett (! mit Überarbeitung usw.) fertig sein müssen, wenn ein 300 Seiten Buch in 3-5 Monaten erstellt werden soll.
    300 Tage sind wie viele Monate? 🙂

    Aber das Ansehen (Renommee) bleibt dennoch am Buchautor hängen. Wer erfolgreich solche Bücher schreibt, dem traut man automatisch zu, dass er davon was versteht und Kompetenz hat.

  6. Jacqueline Bork Reply

    Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview. Ein Buch zu schreiben ist sehr Zeitaufwendig und Arbeitsintensiv, da überrascht es mich, dass bei dem Autor so wenig hängen bleibt. Es ist somit wohl jedem Autor anzuraten, sich mit Internetmarketing intensiv auseinander zu setzen. Die Möglichkeiten in dem Bereich sind riesig und viel lohnenswerter!

    Mfg Jacqueline Bork

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