Es kommt in den letzten Wochen wieder häufiger vor, dass Unternehmen aller Art sich an Blogger wenden. Zwischen ernsthaften Anfragen und Klinkenputzern ist so ziemlich alles dabei.

Die meisten von euch werden diese E-Mails kennen, in denen eine völlig sinnfreie Infografik als „total“ interessant angepriesen wird. In der Regel ist dies irgendwelcher Spam, den man versucht in Blogs zu platzieren. Allein die Tatsache, dass man sich als Externer anmaßt zu wissen, was für den Leser des Blogs interessant sei, ist schon eine Frechheit. In 8 von 10 Fällen stimmt dies nicht.

Kurz nach den Infografik-Spammern kommen die Textbroker. Ja, ich würde auch gern mal irgendwo einen Backlink für 20 Euro kaufen – ist aber nicht drin. Und dann haben wir noch eine Grauzone: jene, die bei einem Angebot ins Grübeln kommen. Diese gilt es für sich zu gewinnen, die anderen Motten fliegen ohnehin weiter zum nächsten Licht.

Ich stelle euch einen Textbaustein zur Verfügung, den ihr frei übernehmen, erweitern oder für eure Zwecke abändern könnt. Es soll nur eine Hilfestellung sein oder ein Einstiegsgedanke, wie man solche Anfragen beantworten kann.

Sehr geehrter Herr/ Frau,

vielen Dank für Ihre Anfrage eines Sponsored Posts.
Die Veröffentlichung von Sponsored Posts ist generell möglich, unterliegen allerdings einiger Voraussetzungen:

+ der Artikel ist als Werbung / Sponsored Posts gekennzeichnet
+ die im Text befindlichen Links werden mit NoFollow versehen
+ der Inhalt muss zu meinem Blog passen
+ der Inhalt sollte meine Leserschaft interessieren
+ Änderungen des Wortlautes ohne eine grundlegende inhaltliche Veränderung dürfen durch mich vorgenommen werden
+ für mögliche Urheber- oder Nutzungsrechtsverstöße übernehmen Sie die Haftung
+ die Zahlung ist vor Veröffentlichung fällig
+ der Text darf in der Form nirgendwo anders veröffentlicht werden

Ich kann Ihnen eine Artikelplatizerung für XXX Euro netto anbieten.

Ich wünsche Ihnen Ihnen weiterhin viel Erfolg und Danke für eine baldige Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Max Mustermann

Ansprache

Ob ihr nun duzt oder siezt, ist natürlich euch überlassen. Ich bevorzuge im 1. Schriftverkehr aber das Sie, einfach weil ich es kann. Und weil ich im normalen Alltag auch nicht einfach irgendwo in ein Geschäft platze und jemand fremdes Duzen würde. „Man macht aber so im Internet“, ist dann die kurzsichtigste Begründung, die man wählen kann (abgesehen davon, wieso muss man sich für eine gehobene Anrede überhaupt rechtfertigen? Eben.)

Preis

Der Preis sollte nicht unter 100 Euro liegen, damit ihr euch nicht die falsche Kundschaft angelt. Es ist darunter nicht alles prinzipiell schlecht, aber da geht es dann eher um Linkkauf, vorzugsweise ungekennzeichnet. Eine dreistellige Summe ist auch meistens eine Grenze, wo die Klinkenputzer nicht mehr wiederkommen. Es schont etwas die Nerven.

Urheberrecht

Der Hinweise mit dem Urheberrecht ist nicht unwichtig. Man stelle sich vor, man bekommt das Material geliefert und hinterher kommt die Abmahnung frei Haus. In der Regel sind die Bilder aber hauseigenes Material. Hier gilt einfach safety first!

Beim 1. Mal Vorkasse

Wenn es dann zu einem Geschäft kommen sollte, lasst euch den Sponsored Posts im Voraus bezahlen. Es dreht sich hier um einen 3-stelligen Betrag, dass sollte für das Unternehmen nach Eingang eurer Rechnung machbar sein. Wenn dies zu Problemen führt und ihr euch nicht sicher seid, lasst die Finger davon. Es geht hier um einen kleinen Betrag und nicht prozentuale Anteile des Betriebsvermögens. Ich empfehle daher, beim 1. Mal per Vorkasse zu machen. Sofern der Kontakt stimmt und ihr ein brauchbares Gefühl habt, könnt ihr selbst in Vorleistung gehen. Ein Zahlungsausfall ist dadurch natürlich nicht ausgeschlossen.

Unique Content

Der Text sollte in seiner Wortwahl einzigartig sein. Duplicate Content lässt grüßen. Im Idealfall bekommt Ihr nur das Thema vorgegeben und schreibt einen Text dazu. Ihr habt nicht nur die Gewissheit, dass der Text sonst nirgends im Web steht, sondern niemand sonst trifft eure Wortwahl. Eure Leser sind eher bereit den Text zu lesen. Eine gute Situation für beide Parteien.

Kennzeichnung / NoFollow

Die Kennzeichnung der Werbung als Werbung ist nun mal gesetzlich vorgeschrieben. Und die Links bei Werbung sind als NoFollow zu setzen, so steht es in den Google Richtlinien für „Linktauschprogramme“. Google formuliert es: „Textanzeigen oder native Werbung, wo Artikel mit Links, die PageRank weitergeben, bezahlt werden“. Es kann ja nicht das Ziel sein sich wegen einem Sponsored Posts irgendwann abstrafen zu lassen.

Abschließendes

In der ersten Antwort sollte auf das Anpreisen von Bannerwerbung verzichtet werden. Die meisten Anbieter möchtet ihr als Werbung ohnehin nicht im Blog haben. Diese Karte hebt euch für Nachfragen auf. Oft ist der Preis zu hoch und es wird bei ernsthaften Anfragen nach einer Alternative gesucht. Ihr habt nun die Möglichkeit hier die Banner ins Spiel zu bringen – zum Beispiel als Extra, um ein Gesamtpaket zu haben und den Preis zu relativieren. Oder aber als Alternative zum Sponsored Post. Ihr habt zwar beide nun nicht, was ihr eigentlich wolltet, aber wenigstens sind ein paar Taler in die Kasse gerollt.

Wie ihr es auch anstellen werdet, ich wünsche euch stets gute Geschäfte!

PS: Hinterlasst mir eure Ergänzungen ruhig in den Kommentaren

(Bildnachweis: Shutterstock, Mann mit 100 Euro-Schein)

9 Responses

  1. DirkNB

    Schöne Idee. Aber doch auch sehr ausführlich. Ich leiste mir den Luxus, alles, was mein Blog kostet, aus eigener Tasche zu bezahlen und kein fremdes Geld anzunehmen. So kann ich die E-Mails auch entsprechend beantworten und meist sogar noch gleich Fehler in den erhaltenden E-Mails, die zeigen, dass der Absender nicht mal sinnvoll in den Blog hineingesehen hat, genussvoll auseinandernehmen und dem Absender niedere Interessen nachweisen. 😉

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  2. Hubert Mayer

    Moin Kai,

    herzlichen Dank für das klasse Muster – kommt heute noch in meine Links der Woche 😉

    Bislang habe ich manchmal ja wirklich noch individuell geantwortet, ich glaube, das spare ich mir künftig einfach :))

    Hast Du auf solche Rückmeldungen eigentlich schon öfter mal tatsächlich eine Antwort bekommen?

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    • Kai Thrun

      Entweder es läuft ins Leere oder es paßt nicht ins Budget.
      Allerdings beantworte ich die Frage, wer hier wen für dumm verkaufen will lieber mit: Wer hat denn angefangen? 😉

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  3. Herzmutter

    Vielen Dank für den Beitrag – man liest ja leider recht wenig über die tatsächlichen Beträge und wird somit schnell auch mal Opfer von solchen Dumping Preisen. Übrigens hab ich auch schon viele damit vergrault, daß ich keine 20 Euro Gutscheine haben wollte… das ist nämlich noch öfters der Fall als der niedrige Geldwert an sich. Liebe Grüße, Janina

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  4. Frank

    Hey,

    ich kann deine Verärgerung sehr gut nachvollziehen. Das Internet lebt halt nach dem Prinzip: Such nur lang genug und du wirst einen dummen finden! Allerdings muss ich auch zugeben das ich auch schon für weniger als dreistellige Beträge veröffentlicht habe!

    Teilweise versuchen die „potentiellen Kunden“ aber auch einfach einen für dumm zu verkaufen und zu handeln wie auf einem „Basar“. Gerne kommen Kunden auch mal wieder die beim ersten Mal normal die Preise akzeptiert haben mit „… einer Kampagne mit leider etwas kleinerem Budget!“

    Die Tricks sterben da niemals aus, genauso wie die dummen die drauf reinfallen!

    Lustigerweise kenne ich die Mail mit der „Infografik“ auch sehr gut gerade gestern hat mich die erreicht… Thema 3D Drucker… für eine Spieleseite… naja könnte passen, halbwegs, aber eher nur zu 50%. Ich habe denen dann mal ein nettes Gegenangebot unterbreitet:

    Die Infografik geht gerne raus, mit von mir erstelltem Artikel (mind. 1000 Worte, unique Content) inkl. mindestens 6 eigene Fotos. Das einzige was die machen müssen: Schickt mir einen 3D Drucker…
    bin mal gespannt ob ich überhaupt eine Antwort bekomme 😉 Den Spaß wollte ich mir einfach mal gönnen…

    LG Frank

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