Blogger Relations: Eine Welt voller Missverständnisse

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Herrje, Mike – was hast du da nur angerichtet? Ich freue mich als Blogger, das Ende 2013 Blogparaden noch funktionieren. Ich habe Mitte des Jahres mich intensiver mit dem Thema Blogger Relations beschäftigt, allerdings aus der Sicht des Bloggers. Ich war neugierig, wie das andere so machen und wieso sie z.B. zu Events eingeladen werden. Ich bin aber auch Berater und Social Media Manager. Ein Tanz auf einigen Hochzeiten.

Es gibt nicht die Bloggerrelation

Um es vorwegzunehmen, es gibt nicht die Blogger Relation. Ich bin diesen Sommer mal 2 Wochen durch das Netz gegeistert und habe mich durchgefragt, wie einige Blogger zu ihren Engagements kommen. Ich wollte sehen, wie ich mich und meinen Blog besser positionieren kann und was ich davon in meine tägliche Arbeit einfließen lassen kann. Ich bin euch das PDF noch schuldig, aber die Arbeit mit Publizisten hat nichts mit dem zu tun, was man im Marketing gern hätte. Das „interessanteste“ Beispiel ist die Anfrage eines Bloggers, der aufgrund seiner Fotos auf eine Reise eingeladen worden ist. Da könnt ihr euch jetzt mit Reichweitenbingo die Köpfe einhauen.

Wenn man den Kern aus den Texten, der letzten Wochen rauspellt, bleibt eines bestehen: Kommunikation. Die Absichten sind völlig verschieden und es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt nicht die Blogger Relation. Wenn Coca-Cola eine Infografik platzieren möchte, dann tut sie das warum? Warum tut die Agentur das? Ich bin mir nicht sicher und so sehr ich von mir überzeugt sein könnte: Ich werde Coca-Cola keine zusätzliche Reichweite bringen.

Blogger schwimmen häufig im eigenen Saft

Worum geht es eigentlich? Das Problem, was viele Blogger meiner Meinung nach haben ist: Sie schwimmen im eigenen Saft. Es gibt Branchen, da funktioniert die Zusammenarbeit reibungslos. Audi macht z.B. einen Riesenjob bei den „Autobloggern“. Die Techszene ist ebenfalls sehr weit fortgeschritten, da hat man sich über die Jahre etabliert. Die Geräte werden in der Regel zurückgeschickt oder verlost, dies hängt vom Preis ab. In der Regel gehen sie wieder zurück. Das sieht im Fashionbereich schon wieder etwas anders aus. Hier sind die Zusendungen oftmals als Geschenk. Reiseblogger wiederum müssen sich mit Kennzahlen auseinandersetzen. Youtuber haben einen recht öffentlichen Counter, an denen man so die Reichweite skizzieren kann. So hat jeder irgendwie sein eigenes Päckchen zu tragen.

Es ist völlig egal, über was man schreibt. Es ist aber auch nicht so einfach, mit anderen Gruppierungen in Kontakt zu kommen. Wenn man aber höflich fragt, sind die meisten gesprächsbereit. Aber wer hat schon Zeit, sich noch mit Bloggern auseinanderzusetzen, die mit dem eigenen Thema nichts zu tun haben? Eben. Es macht aber Spaß – mir zumindest, denn es gibt frische Blickwinkel.

Agenturen und Unternehmen

Ich habe das „Glück“, auch auf der anderen Seite des Tisches sitzen zu dürfen. Ich mache auch diesen Beziehungsaufbau auf Unternehmensseite / für Unternehmen. Es ist oftmals nicht so einfach, denn nicht immer kann man mit einem großen Namen daher kommen, der eben schon Tür und Tor öffnet.

Man sollte Geduld mitbringen, wenn man einen dicken Fisch angeln möchte

Man sollte Geduld mitbringen, wenn man einen dicken Fisch angeln möchte

Es ist aber bemerkbar, dass viel in Bewegung ist. Es ist nicht leicht, für Langzeit-Beziehungen einen Erfolg vorherzusagen. Denn dieser ist meist ungewiss. Es gibt aber Dinge, die man mit Bloggern gut realisieren kann. Ich möchte z.B. ein bestimmtes Thema platzieren. Hierfür kann man Blogs gut einbinden – nicht im Sinne der klassischen PR. Aber ihr könnt versuchen, dass Thema über Blogs in die klassischen Medien zu drücken. Obacht: Dafür ist ein langer Atem von Nöten. Es ist kein Geheimnis, dass Journalisten auch in Blogs unterwegs sind oder Blogger für Magazine/ Zeitungen schreiben. Sollte euch diese Kür gelingen, habt ihr einen echten Idealfall geschaffen.

Average marketing for average people, funktioniert nicht mehr. Agenturen mussten und müssen umdenken. Ich behaupte, dass dort auch eine Machtverschiebung zwischen Agentur und Kunden stattfindet. Die ganze Buzzword-Schlachten, um den neuen heißen Scheiß „in den Kunden reinzuverkaufen“. Reinzuverkaufen hat jahrelang funktioniert, nur diese Blogger wollen das irgendwie nicht. Warum nicht?

Keep calm and blog on!

Was Blogger endlich mal lernen sollten: Einfach mal Ruhe bewahren. Ich muss nicht jedes Mal ein Fass aufmachen, nur weil irgendwer mit ein Angebot zugeschickt hat, was mir gerade nicht in den Kram passt. Woher soll die Agentur / der Berater, denn bitte wissen, was ihr für einen Sponsored Artikel verlangt oder unter welchen Voraussetzungen ihr einen Verbindung (Vertrag) eingeht. Da legt jeder Blog sein Preisspektrum selbst fest. Woher soll jemand wissen, der mich im Web gefunden hat und interessant findet, was für mich ein Mehrwert ist? Es soll schon mal vorgekommen sein, dass ich die Flugkosten selbst getragen habe: weil ich einfach Bock drauf hatte!

Es gibt Branchen, da sollte es funktionieren – dort hat man sich im Laufe der Jahre auf eine ungefähre Verhandlungsbasis geeinigt (Tech z.B.). Verhandlungsbasis ist ein gutes Stichwort, so kann man eine erste schief gegangene Mail auch sehen – es hindert euch Blogger niemand daran, sachlich eure Verhandlungspunkte vorzutragen. Ich kann es euch nur empfehlen, oftmals muss der Ansprechpartner zwar Rücksprache halten, aber daraus können tollen Sachen entstehen. Sind es nicht wir Blogger, die diese unseriösen Angebote bemängeln? Wie oft hast Du dabei schon versucht, deine Sicht der Gegenseite klar zu machen? Wie oft, hast Du ihnen die Chance gegeben, dich zu verstehn?

Mehrere Optionen haben

Als Unternehmen muss man sich den Anforderungen des Blogs anpassen

Als Unternehmen muss man sich den Anforderungen des Blogs anpassen

Als Unternehmen fährt man gut damit, wenn man mehrere Optionen / Szenarien abbilden kann. Es muss nicht immer irgendeine Veranstaltung sein, wo man sich um Reisekosten streitet. Wenn ein neuer Service online geht, dann kann es ja durchaus sein, dass Blogger darüber berichten. Der Erste möchte einen Sponsored Post daraus machen und somit einen finanziellen Ausgleich. Der Nächste möchte diesen finanziellen Ausgleich gepaart mit Bannerwerbung und einem Affiliateprogramm. Dann hat man noch Blogger, die möchten gar kein Geld, sondern Frei-Accounts / Lizenzen für ein abschließendes Gewinnspiel. Gerade die Flexibilität erhöht die Erfolgsrate für Kooperationen, da es dem Blogger auch signalisiert: Die lassen sich auf mich ein, die sind flexibel.

Fazit

Die Welt der Blogger ist voller Missverständnisse. Ich würde mir wünschen, das Unternehmen, die kein Geld ausschütten können, die auch klarer signalisieren. Dies ist kein Makel, sondern kann auch ein Vorteil sein. Habt ihr den Artikel über Croking gelesen? Ich habe ihn aus 2 banalen Gründen geschrieben: Ich fand die Mail nett und ich möchte deutschen Startups helfen. Letzteres weiß man aber nicht anhand einer Analyse. Wo ist der berühmte Mehwert für mich? Daher einfach nur Mut, und wenn euch jemand abblitzen lässt, dann mag er halt nicht mit euch zusammenarbeiten. Ebenfalls würde ich es gut finden, wenn Blogger einfach auch hin und wieder mithelfen, das Verhältnis zu verbessern. Denn auch Blogger machen einige (Haltungs)Fehler.

Die Arbeit mit Bloggern ist von der klassischen PR gar nicht so weit entfernt. Liebe Pressesprecher, was macht ihr denn mit Journalisten so zwischen euren Mitteilungen? Ihr versucht ein gutes Verhältnis aufzubauen / zu wahren. Diese Kunst sollten Kommunikationsprofis beherrschen und dann wird es völlig gleichgültig sein, mit wem ihr eine Partnerschaft eingehen möchtet.

Bildnachweis:
Shutterstock – genervte Geschäftspartner
Shutterstock – Daumen hoch hinterm Notebook
Shutterstock – Fisherman on sunrise on the pier

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