Die Entrüstung im digitalen Raum ist über die Jahre ziemlich in Mode geraten. Hier im Blog spielte das Thema Shitstorms durchaus eine Rolle. Über die Wirkung streiten sich die Propheten. Aber was ist eigentlich ein Shitstorm.

Peter von den Blogrebellen haben dazu ein treffendes und unaufgeregtes Video zu Tage gefördert. Es erklärt in wenigen Minuten, was es mit den Beleidigungen im Netz auf sich hat. Besonders gut gefallen hat mir die Analogie zum Flamen, was ja im Gaming-Jargon nach wie vor seine Pflege findet. Wer um die Jahrtausendwende Quake 2 Battleground und später dann Quake 3 Arena, Unreal Tournament, Rocket Arena 3 oder Counter-Strike gespielt, der wird sich an so sinnlose Makros wie »Luck [-X———] Skill« als Reaktion auf einen Frag erinnern. Die Beleidigungen übersprangen immer den sachlichen Teil und es kam direkt zum Persönlichen. Rückblickend unterhaltsam, aber zurück möchte ich es dann dennoch nicht haben.

Heute ist Flamen außerhalb des Gamings ein Shitstorm oder die digitale Entrüstung zu jeglichem Thema, worüber man eine zweite Meinung haben kann. Hin und wieder mit Erfolg, was die Motivation der Anstiftung eines Shitstorms bekräftigt.

Für jemanden, der nicht weiß, was ein Shitstorm ist, für den gibt es dieses prima Erklärvideo.

Kai Thrun
Autor

Hallo, ich bin Kai - der Autor dieses Blogs. Ich berate Unternehmen, damit sie sich in ihrer digitalen Kommunikation verbessern. Ich gebe mein Wissen im Rahmen von Seminaren, Workshops und Vorträgen weiter. Als Social Media Experte kommentiere ich hier im Blog seit 10 Jahren Kampagnen, Reisen und persönliche Erlebnisse.

1 Kommentar

  1. Hallo Kai,
    bitte verzeihe mir, wenn ich hier auch meine Definition zu Shitstorms einreihe, ich erkläre Dir gleich gerne warum mir das besonders wichtig ist (http://bit.ly/shitstorm_definition).
    Zunächst ein großes Lob an Peter: Ich muss mich vor der Machart verneigen, so etwas hätte ich selbst nicht hinbekommen. Kurz, knapp, prägnant, passende Bildsprache, allgemein gut verständliche Vermittlung komplexer Inhalte.
    Auch das Fachliche ist weitreichend gut, einige Punkte finde ich aber etwas bedenklich: Es wird nur die Entrüstung fokussiert. Dass Shitstorms ein bestimmtes Ziel verfolgen, nämlich einen wahrgenommenen Fehltritt zu thematisieren, bekannt zu machen und die Verantwortlichen zum Umdenken zu bewegen, ist kein Thema. Auch nicht, dass die Entrüstung in der Verletzung gesellschaftlicher Wertevorstellungen begründet ist, und damit gesellschaftlich erfreuliche Änderungen hervorbringen kann (s. Burger King, Royal Canin, Mattel, etc.). Es fehlt auch, dass die shitstormende Herde eine bestimmte Strategie verfolgt. Es wird nicht einfach wahrlos streuend im Netz herum gepostet (das passiert erst in der nächsten Eskalationsstufe), sondern es werden gezielt Profile der als verantwortlich wahrgenommenen Marke, Person oder Organsiation angegriffen und wie bei einer Hausbesetzung in der realen Welt zum Zwecke der Aufmerksamkeitserregung laut pöbelnd gestürmt und bevölkert. Insofern ist der Shitstorm eine spezielle Art von Negativem Word-of-Mouth, der sich als Kommunikationskanal eben nicht das gesamte World Wide Web aussucht, sondern sich zunächst nur auf dem angegriffenen Profil abspielt.
    Wenn man Pech hat, wird es noch schlimmer: Wird nämlich im (zugegebenerweise unsachlichen) Dialog auf dem betroffenen Profil keine Lösung mit der bezichtigten Partei erzielt, sucht der Mob sich andere Wege. Dann wächst der Shitstorm über das Sturmzentrum hinaus und schwappt auf andere Soziale Netzwerke und / oder traditionelle Medien über. Es werden härtere Mittel gewählt. Auch Antibranding, negatives SEO (langfristige Besetzung von Keywords bei Google), Rapes (Hacking von Social Media Profilen und Veröffentlichung verunglimpfender Posts im Namen des bezichtigten) oder Ähnliches können der eintreten sein.
    Letzten Endes können all diese reputationsschädigenden Vorgänge massiv negative wirtschaftliche Folgen haben (siehe dazu ein Artikel in dem ich mich bei der iBusiness ausführlich beteiligt habe: http://bit.ly/ebner_ibusiness)
    Aus all diesen Gründen warne ich besonders entschieden und eindringlich vor dem aus meiner Sicht schon fast stoisch-überheblichen Tipp am Ende des Videos, man solle Shitstorms einfach aussitzen. Ein höheres wirtschaftliches Risiko könnte man in dieser Situation mit kaum einer anderen Art des Issue Managements eingehen. Es ist deutliche Vorsicht geboten, und man sollte Experten zurande ziehen anstatt sich auf ein 2 Minuten Tutorial zu beschränken!
    So, Frust von der Leber geschrieben, ich hoffe wir sehen uns bald mal wieder und schwatzen locker flockig über das Thema 🙂
    Viele Grüße aus Düsseldorf,
    Dein Shitstorm-Schnüffler

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